HOME

Urteil für Familien-Mord: Nach Jahren der Gewalt zeigt sie ihn endlich an. Am nächsten Morgen sind sie und die drei Kinder tot

Für den Mord an seinen drei Kindern und seiner Frau muss ein 31-Jähriger lebenslang hinter Gitter. Vor Gericht zeigt sich das Bild eines Gewaltmenschen, der seine Familie als seinen Besitz sah und die Trennungsabsicht seiner Frau nicht verkraftete.

Der Mann, der seine Ex und die gemeinsamen drei Kinder umgebracht hat, muss lebenslang ins Gefängnis

Der Mann, der seine Ex und die gemeinsamen drei Kinder umgebracht hat, muss lebenslang ins Gefängnis

DPA

Für Oberstaatsanwalt Michael Schrotberger kann es an der Täterschaft keine Zweifel geben. "Der Angeklagte hat getötet, um seine Frau zu bestrafen. Er hat so gehandelt, wie er immer gehandelt hat. Nur diesmal hat er eins draufgesetzt", sagt der Ankläger vor der Ersten Großen Strafkammer des Landgerichts Ansbach. Der 31-Jährige habe in seiner Familie ein "Klima der Gewalt und der Erniedrigung" geschaffen, um diese zu beherrschen. Mehrmals in der neunjährigen Ehe habe er seiner Frau mit dem Tod der Kinder gedroht. "Dieses eingeübte Verhaltensmuster hat er dann "fatal realisiert"", sagt Schrotberger.

Die Erste große Strafkammer verurteilt den Maschinen- und Anlagenführer am Mittwoch für vier Morde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Zudem stellt das Gericht die besondere Schwere der Schuld fest. Eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren ist damit so gut wie ausgeschlossen. Der Vorsitzende Richter Claus Körner folgt damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Angeklagte habe ein unfassbares Verbrechen begangen und bei allen vier Opfern heimtückisch und aus niederen Beweggründen gehandelt, sagt der Richter.

Am 26. Juni vergangenen Jahres hatte der Angeklagte seine schlafenden Kinder im Alter von 3, 7 und 9 Jahren sowie seine 29-jährige Ehefrau mit einem Messer erstochen. Danach sprang der Maschinen- und Anlagenführer vom Balkon im dritten Obergeschoss. 

Mann hatte Schwager aus Wohnung gelockt

Zum Schutz seiner Schwester und der Kinder hatte der Schwager in der Nacht vom 25. auf den 26. Juni 2018 in der Wohnung im mittelfränkischen Gunzenhausen übernachtet. Doch dem Angeklagten gelingt dennoch der Zutritt zur Wohnung. Unter dem Vorwand, seine Wäsche und ein Ladekabel in Empfang nehmen zu wollen, lockte er seinen Schwager mit WhatsApp-Kurznachrichten aus dem Haus.

Einen Tag vor den Taten hatte die Frau wegen Gewalt gegen ihre zwei Söhne Strafanzeige gegen den Mann gestellt, gegen den bereits ein Kontaktverbot der Polizei bestand. Sie wollte sich von ihm trennen. Im Prozess hatte der Deutsche, der in Kirgisistan geboren wurde und mit fünf Jahren mit seinen Eltern nach Deutschland kam, geschwiegen.

Eine verminderte Schuldfähigkeit kann der Angeklagte nicht für sich geltend machen. Der Chefarzt der forensischen Klinik im Bezirksklinikum Ansbach, Joachim Nitschke, stellte in seinem Gutachten keine krankhafte seelische oder hirnorganische Störung fest. Während der Untersuchungshaft war der Angeklagte dort fünf Monate lang untergebracht. Bei den Untersuchungen hatte er angegeben, Stimmen gehört zu haben, die ihn zu den Taten getrieben hätten. "Es kann aber nicht von einer wahnhaften Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis ausgegangen werden", sagte der Gutachter vor Gericht.

"Willst du sterben, dann mache ich das fertig"

Am Mittwoch verliest das Gericht außerdem die letzte Polizeivernehmung der Frau. Darin schilderte die 29-Jährige am Tag vor der Tat die langjährige Gewalt gegen sich und ihre zwei Söhne. Schon im Kleinkindalter habe ihr Mann die Jungen immer wieder hart an den Handgelenken angefasst und geschüttelt, wenn ihm etwas nicht gefallen habe, zitiert Richter Körner aus der Vernehmung.

"Er hat mich auch selbst gepackt und am Hals gewürgt. Er hat den Hang dazu, Messer zu nehmen. Er hat mir das Messer gezeigt und gesagt, "Willst du sterben, dann mache ich das fertig", gab sie bei der Polizei zu Protokoll. Sie habe nun vor, sich endgültig zu trennen und am Amtsgericht einen Beschluss nach dem Gewaltschutzgesetz zu erwirken. Sie wollte offenbar eine schnelle Härtefallscheidung. Am nächsten Morgen um kurz nach 5.00 Uhr war sie tot. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Foto von Lisa und Leon

 

fin / Herbert Mackert / DPA