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Gunzenhausen: "Absoluter Vernichtungswille" - Mord an Frau und drei Kindern wurde detailliert geplant

Nach dem Mord an einer Mutter und ihren drei Kindern im mittelfränkischen Gunzenhausen haben die Ermittler weitere Details zu der grausamen Tat bekanntgegeben. Der mutmaßliche Mörder stellte seinen Opfern offenbar eine heimtückische Falle.

Eine der vier Leichen wird vom Tatort in Gunzenhausen abtransportiert

Bei der Bluttat in Gunzenhausen starben eine Mutter und ihre drei Kinder

DPA

Eine 29-jährige Mutter: tot. Ein dreijähriges Mädchen: tot. Zwei Jungen im Alter von sieben und neun Jahren: tot. Eine Familie ausgelöscht von dem eigenen Ehemann und Vater. Der Schock und das Entsetzen nach der Bluttat am Dienstagmorgen in  sitzen tief, auch bei den Ermittlern von Kripo und Staatsanwaltschaft, die jetzt in Ansbach ihre bisherigen Erkenntnisse mitgeteilt haben.

Sie haben in den vergangenen Stunden Spuren gesichert, Zeugen befragt, Akten studiert und so den Ablauf des Vierfachmordes in der mittelfränkischen Kleinstadt rekonstruieren können, eine offenbar über lange Zeit geplante Tat - mit einer beunruhigenden Vorgeschichte.

Georg K. wohnt mit seiner Ehefrau und den drei Kindern in der dritten Etage eines Hochhauses, in der Nähe des Bahnhofs von Gunzenhausen. Es gibt immer wieder Streit in der Familie, auch Gewalt und Bedrohungen. So wie 2013, als der Familienvater einen Strafbefehl kassierte, weil er drohte, seine beiden Söhne umzubringen. Als dramatisch empfand seine Frau die Situation seinerzeit - aber das wird schon wieder, dachte sie. Wie so oft.

Vater soll Kinder geschlagen haben

Am Abend des vergangenen Donnerstags, gegen 18 Uhr, bemerkt die 29-Jährige, dass ihre beiden Söhne gerötete Wangen haben. Hat ihr Ehemann die wieder einmal geschlagen? Wenig später steht ein Streifenwagen vor dem Hochhaus in der Bismarckstraße. Die Beamten werden die Lage in der Wohnung später als "beruhigt" beschreiben. Doch habe ihnen die Frau ihre Absicht signalisiert, sich trennen zu wollen, nach all den Handgreiflichkeiten und Demütigungen. Die Polizisten handeln: Georg K. muss die Schlüssel zu der gemeinsamen Wohnung abgeben, er darf sich vorerst nicht in der Nähe seiner Familie aufhalten und auch keinen Kontakt aufnehmen. Einsichtig habe sich der Mann gezeigt, wie Hermann Lennert von der Ansbacher Kripo erklärt. Er habe die schriftliche Anordnung unterschrieben und sei dem Platzverweis nachgekommen. Die Mutter wollte vorübergehend mit ihren Kindern bei ihrer Schwester im Landkreis Ansbach unterkommen.

Am Sonntag kehrt sie in ihre Gunzenhausener Wohnung zurück, gemeinsam mit ihrer Tochter und den beiden Söhnen. Doch schon in der Nacht auf Montag ist die Angst zurück: Gegen zwei Uhr sieht sie ihren Noch-Ehemann vor dem Hochhaus und wählt den Notruf. Wieder fährt eine Streife in die Bismarckstraße. "Die Beamten haben eine deutliche Gefährderansprache durchgeführt und eine Ingewahrsamname angedroht", sollte Georg K. noch einmal gegen das Kontakt- und Annäherungsverbot verstoßen, sagt Kripomann Lennert. Er habe nur reden und etwas Kleidung abholen wollen, habe dieser sich gerechtfertigt. Zur Sicherheit kommt noch in der Nacht der Bruder der Frau in die Wohnung, passt auf sie und seine Nichte und Neffen auf. Schon wenige Stunden später wird seine Hilfe gebraucht, denn Georg K. taucht wieder an der Wohnung auf. Sein Schwager schickt ihn weg, die Polizei wird jedoch nicht wieder verständigt. "Das wäre eine Möglichkeit für die Ingewahrsamnahme gewesen", stellt Lennert später fest.

Am Montag läuft die bayerische Hilfsbürokratie weiter: Die  schickte schon am Donnerstabend Faxe an zuständige Ämter und ans Frauenhaus, es wurden Beratungstermine vereinbart: Jugendamt, Polizei, Gericht. "Es ist dabei deutlich geworden, dass die Frau die Absicht hatte, sich endgültig von ihrem Mann zu trennen", sagt Lennert.

Morde in Gunzenhausen dauerten keine zwei Minuten

Am frühen Dienstagmorgen fährt Georg K. wieder mit dem Auto in die Gunzenhausener Bismarckstraße. Sein Plan steht da schon fest, sind sich die Ermittler sicher. Er hat sich ein Fleischermesser mit einer 16 Zentimeter langen Klinge gekauft, zieht es aus der Hülle und geht einige Meter bis zu dem Hochhaus, in dem er noch bis vor kurzem mit seiner Frau und den Kindern lebte. Gegen fünf Uhr verlässt ein Nachbar das Haus, macht sich auf den Weg zur Arbeit. Bevor die Haustür wieder ins Schloss fällt, kann sich Georg K. ins Treppenhaus schleichen. Auf einem Treppenabsatz zwischen dem vierten und dem fünften Stockwerk wartet er. Von hier hat er die Wohnungstür seiner Noch-Ehefrau in der dritten Etage im Blick. Er zieht sich seine Schuhe aus und hält das Messer bereit. 

Nach dem Vierfachmord in Gunzenhausen herrschen Trauer und Entsetzen

Nach dem Vierfachmord in Gunzenhausen herrschen Trauer und Entsetzen

DPA

Um 5.36 Uhr greift Georg K. im Treppenhaus zum Handy und sagt seinem Schwager, er könne jetzt - wie sie tags zuvor besprochen hatten - das Bündel mit der Kleidung an die Straße bringen, er würde es gleich in Empfang nehmen. Kurz nachdem sich der Schwager auf den Weg nach unten macht, schleicht auch K. auf seinen Socken hinab: An die Wohnungstür, hinter der seine Frau und die drei Kinder schlafen. Die Tür schließt schon länger nicht mehr richtig, es ist ein Leichtes, auch ohne Schlüssel in die Wohnung zu kommen. Georg K. setzt seinen Plan um. Keine zwei Minuten später sind drei Kinder und eine Frau tot. "Es hat sich in der Tat ein absoluter Vernichtungswille ausgedrückt", beschreibt Staatsanwalt Michael Schrotberger das, was dort im dritten Stockwerk des Hochhauses geschehen ist.

Unten an der Straße wartet der Bruder und Onkel der Getöteten vermeintlich auf seinen Schwager, zündet sich eine Zigarette an. Minuten vergehen. Dann ein Geräusch aus dem Hochhaus, ein Knall oder ein Schlag. Er habe sich in dem Moment - nach der Vorgeschichte von seiner Schwester und ihrem Ehemann - schon gedacht, dass da etwas nicht stimmt, wird er später den Kripobeamten erzählen, und sei hochgerannt. Es sollte sich bewahrheiten: Die Wohnungstür ist offen, in der Wohnung steht ihm sein Schwager gegenüber, das Fleischermesser in der Hand, er ist blutverschmiert. Georg K. dreht sich um, läuft durch die Wohnung zum Balkon und springt vom dritten Stockwerk in die Tiefe. Noch während er mit Becken- und Lungenverletzungen im künstlichen Koma liegt, erlässt ein Richter Haftbefehl gegen den 31-Jährigen, wegen vierfachen Mordes aus Heimtücke.

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