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Guo Guangchang: Das rätselhafte Verschwinden eines chinesischen Milliardärs

Vier Tage lang war der chinesische Milliardär Guo Guangchang wie vom Erdboden verschluckt. Am Montag trat er plötzlich wieder öffentlich auf, verlor jedoch kein Wort über sein Verschwinden. Die Erklärung seiner Firma lässt viele Fragen offen.

Der chinesische Milliardär Guo Guangchang

Das Verschwinden und plötzliche Wiederauftauchen von Milliardär Guo Guangchang wirft Fragen auf

In Deutschland will der chinesische Milliardär Guo Guangchang Banken kaufen, in China sorgt er in diesen Tagen aus einem anderen Grund für Aufregung: Seit vergangenen Donnerstag war der 48-Jährige zunächst wie vom Erdboden verschluckt. Und als Guo am Montagmorgen, vier Tage später, plötzlich wieder in der Öffentlichkeit auftauchte, verlor er über sein mysteriöses Verschwinden trotzdem kein einziges Wort. 

Auf einer Versammlung seines Konzerns Fosun in einem Shanghaier Hotel sprach der als "Warren Buffett Chinas" geltende Manager ausschließlich über das Geschäft, als wäre nichts passiert, berichteten Teilnehmer der Konferenz. Fosun teilte knapp mit, dass Guo in den vergangenen Tagen nicht erreichbar war, weil er der Polizei in Shanghai bei "sensiblen Ermittlungen" assistiert habe. 

Welche Rolle spielten Korruptionsvorwürfe bei Guangchangs Verschwinden?

Worum es bei den Ermittlungen genau ging, und ob nicht vielleicht doch Korruptionsvorwürfe gegen Guo dabei eine Rolle spielen, dazu schwieg das Unternehmen beharrlich. Diese dünne Informationspolitik dürfte auch in der deutschen Finanzbranche für Unruhe sorgen. Denn auch hierzulande hatte Fosun zuletzt vor allem mit seinem Vorstoß in der Privatbanken-Branche für Furore gesorgt. 

Momentan sieht es zwar so aus, als würde Fosun in einer Bieterschlacht um die Frankfurter BHF-Bank den Kürzeren ziehen. Die Übernahme der Privatbank Hauck & Aufhäuser gilt dagegen so gut wie in trockenen Tüchern. Doch bleibt das auch so, wenn Guo in ernsthaften Schwierigkeiten steckt? 

Anleger schicken Fosun-Aktien auf Talfahrt

Die Fosun Anleger jedenfalls fällten ein klares Urteil über Guos Zwischenspiel mit den Behörden und schickten die Fosun-Aktien auf Talfahrt: In Hongkong gelistete Papiere des Unternehmens sackten  am Montag um knapp zehn Prozent ab, nachdem sie seit Freitag nach dem Verschwinden Guos vom Handel ausgesetzt waren. In dem Kursrutsch spiegelt sich die Angst der Investoren wider, dass der steile Aufstieg von Chinas Investment-Star Guo Guanchang wohlmöglich bald ein jähes Ende nehmen könnte.

Guo hatte Fosun 1992 gemeinsam mit Freunden aus Studienzeiten gegründet und über die Jahre zum größten privaten Mischkonzern des Landes ausgebaut. Das Unternehmen war stets zur Stelle, wenn die kommunistische Regierung wieder einen Wirtschaftssektor für die Privatwirtschaft öffnete. Fosun schlug in der Stahlindustrie, im Pharmasektor und auch in der Immobilienbranche Wurzeln, bevor es sich immer mehr auf die Finanzbranche und in den vergangenen Jahren vor allem auf milliardenschwere Übernahmen im Ausland konzentrierte - nicht nur in Deutschland.  

Verschwinden löst Sorgen aus

Fosun kaufte sich weltweit in verschiedenste Branchen ein. In Portugal übernahm der Konzern etwa die Versicherung Fidelidade. In Frankreich sicherten sich die Chinesen für eine Milliardensumme den Ferienanlagenbetreiber Club Med. Auch der kanadische Zirkus "Cirque du Soleil" gehört zu Fosuns Portfolio. 

Sorgen dürfte das zwischenzeitige Verschwinden von Guo Guangchang nicht nur bei den zahlreichen Auslandsbeteiligungen von Fosun ausgelöst haben. Auch bei chinesischen Unternehmen ist die Verunsicherung nach dem Zwischenfall größer denn je. Beobachter sehen in Guos Verschwinden einen Warnschuss und ein weiteres klares Indiz dafür, dass Peking den Fokus seines seit drei Jahren laufenden Kampfes gegen die Korruption im Land verlagert hat. Ging es in der Vergangenheit vor allem Politiker und Managern von Staatsunternehmen an den Kragen, muss jetzt zunehmend die Privatwirtschaft schwitzen - vor allem die Finanzbranche. 

Nicht der erste Topmanager im Visier der Polizei

Das Schicksal von Guo Guangchang ist kein Einzelfall. Zuletzt verschwanden eine ganze Reihe von Finanzmanagern in China, weil sie von der Polizei verhaftet oder für einige Tage festgehalten und verhört wurden. Erst am Montag meldete der größte chinesische Broker Citic, dass zwei hochrangige Manager des Unternehmens verschwunden seien. Zuvor hatten die Behörden Ermittlungen gegen Citic und zwei weitere große Finanzhäuser des Landes eingeleitet. Im November wurde zudem der Hedgefonds-Milliardär Xu Xiang festgenommen. 

Und auch bei Fosun ist offenbar längst nicht jeder davon überzeugt, dass die Sache für Guo bereits ausgestanden ist. Fosun selbst betonte am Montag, dass der Konzern nicht nur von einem Mann, sondern von "vielen Managern" geleitet werde. Und Vize-Präsident Liang Xinjun blickte sogar noch etwas weiter in die Zukunft: "Eines Tages müssen wir alle in Rente gehen. Deshalb ist es jetzt an der Zeit, eine neue Generation von Unternehmensführern aufzubauen". 

mod / DPA