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Gutachten im Dresdner Mordprozess: Angeklagter war voll schuldfähig

Der mutmaßliche Mörder der Ägypterin Marwa el-Sherbini ist nach Einschätzung des psychiatrischen Sachverständigen zum Zeitpunkt der Messerattacke voll zurechnungsfähig gewesen. Der 28-Jährige hatte zuvor noch behauptet, er habe sich in einem Zustand von Panik und Angst befunden.

Der wegen Mordes an der Ägypterin Marwa el-Sherbini angeklagte Alex W. ist aus Sicht eines Gutachters voll schuldfähig. Der Sachverständige habe ausgeführt, dass zum Tatzeitpunkt weder Anzeichen für eine seelische Abartigkeit oder Geisteskrankheit vorlagen noch die Einsichts- und Steuerungsfähigkeit eingeschränkt gewesen sei, sagte Oberstaatsanwalt Frank Heinrich am Donnerstag nach der nichtöffentlichen Sitzung im Landgericht Dresden.

Der Sachverständige habe eine Tat im Affekt durch eine Bewusstseinsstörung ausgeschlossen, erklärte Nebenklage-Vertreter Oliver Wallasch. Alex W. droht damit eine lebenslange Haftstrafe, denn er sei "damit voll schuldfähig".

Die Schwurgerichtskammer hatte zu Beginn des achten Verhandlungstages einem mit dem Schutz der Persönlichkeitsrechte ihres Mandanten begründeten Antrag der Verteidigung entsprochen und die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Es würden auch Eigenschaften oder Details aus seiner Intimsphäre sowie sein Geisteszustand zur Sprache kommen, begründete die Vorsitzende Richterin Birgit Wiegand die Entscheidung der Kammer.

Angeklagter kann sich angeblich kaum erinnern

"Der psychologische Geisteszustand ist einer der intimsten Teile des Persönlichkeitsrechts", sagte Pflichtverteidiger Michael Sturm. Ob jemand verrückt sei oder nicht, betreffe seine Persönlichkeit im tiefsten Inneren, mehr noch als das Sexualleben, erklärte der Rechtsanwalt in einer Prozesspause. Bei Alex W. gebe es Hinweise auf psychische Erkrankungen.

Bereits in seinem vorläufigen Gutachten war der Gerichtspsychiater zu dem Schluss gekommen, dass beim Angeklagten Alex W. zum Tatzeitpunkt weder die Steuerungsfähigkeit noch die Einsichtsfähigkeit eingeschränkt gewesen sei. Der 28-Jährige hatte dagegen am Vortag geltend gemacht, er habe sich zum Zeitpunkt der Attacke in einem Zustand von Panik und Angst befunden und könne sich nur noch bruchstückhaft an das Geschehen erinnern.

Der 28-Jährige muss sich wegen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts verantworten. Laut Anklage hat er am 1. Juli die schwangere Zeugin Marwa el-Sherbini aus Fremdenhass mit einem Messer getötet und ihren Mann lebensgefährlich verletzt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Heimtücke und niedere Beweggründe vor.

Urteil soll in der nächsten Woche fallen

Alex W. hatte die Angriffe auf die beiden Ägypter in einer vor Gericht verlesenen Erklärung gestanden, Ausländerfeindlichkeit als Motiv jedoch bestritten und von Reue kurz nach der Tat berichtet.

Der Prozess wird am kommenden Montag mit den Schlussvorträgen fortgesetzt. Erwartet werden die Plädoyers von Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Nebenklägern. Das Urteil soll am 11. November gesprochen werden.

DPA/AP / AP / DPA