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Gutachten im Holzklotz-Prozess: Angeklagter ist voll schuldfähig

Der Angeklagte im Mordprozess um den tödlichen Holzklotzwurf auf der A29 ist voll schuldfähig. Dieses Urteil hat ein psychologischer Gutachter am Freitag vor dem Landgericht Oldenburg abgegeben.

Am Ostersonntag 2008 soll Nikolai H. einen Holzklotz von einer Autobahnbrücke in der Nähe von Oldenburg geworfen und damit eine 33-jährige Frau getötet haben. Ein Gutachter hält den Angeklagten trotz einer narzisstisch-paranoiden Persönlichkeitsstörung und seiner Heroinsucht für voll schuldfähig. "Diese Faktoren könnten für sich gesehen so schwer sein, dass sie eine Schuldunfähigkeit begründetet. Doch darauf habe er keine Hinweise", so Konstantin Karyofilis am Freitag. "Die Folgen seiner Handlungen konnte er absehen."

Der Psychologe hat sich zweimal mit Nikolai H. getroffen, der Angeklagte habe mit ihm allerdings nicht über den Tattag gesprochen, den Wurf aber abgestritten. Dem Gutachten zufolge ist der Mann "unterdurchschnittlich intelligent", er habe ein übertriebenes Selbstwertgefühl, verlange nach Bewunderung und sei extrem nachtragend. Außerdem fühle er sich oft von anderen Menschen verfolgt. Nikolai H. habe noch nie eine längere, stabile Beziehung zu einer Frau gehabt, sondern immer nur Affären. Der mit 16 Jahren nach Deutschland gekommene Mann sei "geistig in diesem Land noch nicht angekommen".

Der 31-Jährige soll den Holzklotz gezielt von der Autobahnbrücke geworfen haben, als ein Auto kam. Der Klotz durchschlug die Windschutzscheibe und traf die 33 Jahre alte Beifahrerin. Die Frau starb vor den Augen ihres Mannes und ihrer beiden Kinder.

Nachdem in den Medien von einem Massengentest die Rede gewesen war, hatte der Angeklagte sich bei der Polizei als Zeuge gemeldet, weil seine Fingerabdrücke auf dem Klotz zu finden waren. Er habe den Klotz auf der Brücke gesehen und an das Geländer gelehnt, so Nikolai H. Die Beamten hatten an seiner Aussage gezweifelt und wenig später auf seinem Grundstück Holzklötze gefunden, die dem von der Brücke ähnelten.

Nach seiner Verhaftung hatte der 31-Jährige die Tat zunächst gestanden. Der Aussage eines Polizisten zufolge gab er an, aus Frust gehandelt zu haben. Er habe nur das Auto treffen, aber niemanden töten wollen. Später hat der Angeklagte dieses Geständnis widerrufen. Ein Experte erklärte es allerdings vor Gericht für glaubwürdig. Am 29. April wird der Prozess fortgesetzt, Gericht und Verteidigung rechnen damit, dass er schon im Mai beendet sein wird.

DPA/AP / AP / DPA