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Haariger Religionsstreit in den USA: Festnahmen nach Zwangsrasuren bei Amischen

Ein bizarrer Streit innerhalb der Religionsgemeinschaft der Amish beschäftigt derzeit US-Ermittler. Das FBI nahm sieben Personen fest, die in brutalen Attacken Glaubensbrüdern und -schwestern die Bärte und Haare abgeschnitten haben sollen. Für die Opfer sind die Taten die größte Demütigung.

Haariger Religionszwist in den USA: Mit Zwangrasuren haben Mitglieder der Amisch-Relionsgemeinschaft im US-Staat Ohio andere Glaubensbrüder für mangelnde Folgsamkeit abgestraft. Wegen der Bart-Attacken nahmen Ermittler nun sieben Männer fest, wie die #link;http://www.fbi.gov/cleveland/press-releases/2011/seven-ohio-men- arrested-for-hate-crime-attacks-against-amish-men;US-Bundespolizei FBI mitteilte#. Die Beschuldigten hätten andere Amische gewaltsam festgehalten und ihnen dann mit "Scheren und batteriebetriebenenen Rasierern" die Bärte und das Haupthaar abgeschnitten.

In der christlichen Religionsbewegung, die ihre Wurzeln in der Täuferbewegung des 16. Jahrhunderts hat, gelten die Gesichthaare als heilig. Im Falle einer Verurteilung wegen eines "Hassverbrechens" droht den Festgenommenen lebenslange Haft.

Einer der sieben Männer sei Samuel Mullet, der eine abtrünnige Gruppe der Amischen führe, wie der #link;http://www.cnn.com/2011/11/23/justice/amish-beard-charges/index. html;US-Fernsehsender CNN am Donnerstag weiter berichtete#. Mullet habe die Gemeinschaft mit eiserner Faust geführt und Mitglieder auch gezwungen in einem Hühnerkäfig zu schlafen. Unfolgsamkeit sei mit Schlägen geahndet worden. Die Attackierten seien vermutlich frühere Anhänger Mullets gewesen, die die Gruppe wegen Meinungverschiedenheiten verlassen hätten. Der Anführer habe "Rache gesucht und die abtrünnigen Familien bestrafen wollen".

250.000 Amische leben in den USA

Die Amischen (englisch: Amish) spalteten sich im Jahre 1693 unter Führung des Schweizer Bischofs Jakob Ammann von den Mennoniten ab. Ihre Mitglieder emigrierten seit Anfang des 18. Jahrhunderts in die USA. Wegen ihrer Forderung nach einer strikten Trennung von Staat und Kirche, der Erwachsenen- statt der Kindstaufe und ihres Pazifismus wurden sie in Europa wiederholt verfolgt. Heute leben nach Medienberichten etwa 250.000 Amische in den USA

Die Amischen legen großen Wert auf Familie, Gemeinschaft und Abgeschiedenheit von der Außenwelt. Sie tragen altmodisch anmutende Trachten und lehnen die Benutzung fast aller moderner Technik ab. Sie haben weder Elektrizität noch Telefone und sind nicht an das Abwassersystem angeschlossen. Überwiegend fahren sie auch keine Autos. Die Amischen stammen hauptsächlich von Südwestdeutschen und Deutsch-Schweizern ab. Daher sprechen sie untereinander Deutsch mit pfälzischem Dialekt.

kave/DPA/AFP / DPA