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Haftstrafe aufgehoben: Dubai begnadigt vergewaltigte Norwegerin

Sie zeigte ihre eigene Vergewaltigung an und brachte sich damit beinahe selbst ins Gefängnis. Eine Norwegerin darf Dubai verlassen. Man hatte sie wegen "außerehelichen Geschlechtsverkehrs" verurteit.

Eine Norwegerin, die in Dubai nach der Anzeige ihrer eigenen Vergewaltigung zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, ist begnadigt worden. Die 24-jährige Marte Dalelv habe ihren Pass zurückbekommen und könne das Land verlassen, sagte der norwegische Außenminister Espen Barth Eide am Montag. Er hatte sich massiv für die Frau eingesetzt, deren Fall tagelang Schlagzeilen in Norwegen gemacht hatte. Eide bedankte sich via Twitter bei allen, die die Bemühungen um die Freilassung der jungen Frau unterstützt hatten.

Die Norwegerin hatte einen Arbeitskollegen wegen Vergewaltigung angezeigt. Danach war sie von einem Gericht des arabischen Landes unter anderem wegen außerehelichen Geschlechtsverkehrs zu einem Jahr und vier Monaten Gefängnis verurteilt worden.

Wegen des Falls hatte sich das Verhältnis zwischen Dubai und Norwegen in den vergangenen Tagen merklich abgekühlt. Die Regierung in Oslo hatte die Justiz der Vereinigten Arabischen Emirate scharf für das Urteil kritisiert. "Es wirkt sehr befremdlich, wenn jemand eine Anzeige wegen Vergewaltigung einreicht und dann für etwas verurteilt wird, das in unserem Teil der Welt nicht einmal strafbar ist", hatte Eide am Freitag gesagt.

Die junge Frau war am vergangenen Mittwoch wegen sittenwidrigen Verhaltens verurteilt worden - im Detail wegen außerehelichem Sex, Alkoholkonsum und Meineid. Weder Polizisten noch Richter hätten ihr abgenommen, dass sie vergewaltigt wurde, hieß es in norwegischen Medien.

Sie hatte umgehend Einspruch gegen das Urteil eingelegt. Zwischenzeitlich hieß es, das Urteil könnte möglicherweise im September neu verhandelt werden. Dass sie nun so rasch ausreisen kann, dürfte die junge Frau Minister Eide zu verdanken haben.

Eine Sprecherin des Außenministeriums in Oslo sagte der Nachrichtenagentur AFP, Dubais Machthaber Scheich Mohammed bin Raschid al-Maktum habe die Ausländerin begnadigt. Sie werde nun "in Kürze heimreisen". Der norwegische Staat hatte zuvor bereits die Anwaltskosten der jungen Frau übernommen.

In einigen Staaten mit islamischem Recht ist es für Frauen kaum möglich, jemanden wegen Vergewaltigung vor Gericht zu bringen. Es muss entweder der Täter gestehen - oder mindestens vier männliche Zeugen müssen die Angaben der Frau bestätigen.

anb/DPA/AFP / DPA
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