HOME

Haftstrafen für Berliner Pokerräuber: Total verzockt

Die vier Pokerräuber, die Anfang März in Berlin 242.000 Euro erbeuteten, stellten sich so dumm an, dass sie ruckzuck geschnappt wurden. Nun müssen sie bis zu dreieinhalb Jahre in Haft.

Von Manuela Pfohl

Was für eine Geschichte: Da haben zwei Männer, von denen es heißt, sie seien ganz üble Unterwelt-Clanchefs einen Plan. Sie wollen ein Pokerturnier im Berliner Luxushotel Grand Hyatt überfallen, was aus krimineller Sicht erstmal keine schlechte Idee ist. Denn für das Turnier Anfang März sind eine Menge Startgelder eingezahlt worden. Fast eine Million Euro liegen im Tresor und werden offensichtlich nur von einem Wachmann und einem Hotelpraktikanten bewacht. Doch statt den Royal Flush, machen die Clanchefs den Fehler ihres Lebens. Sie engagieren nämlich vier Ganoven, die sich so dumm anstellen, dass die Polizei sie schon wenig später schnappt. Einer der Täter zum Beispiel erklärte bei einer Fahrscheinkontrolle an einer U-Bahnhaltestelle den verblüfften Beamten: "Ich glaube, ihr sucht mich."

Ein ziemlicher Knaller

Im Prozess vor dem Berliner Landgericht konnte die staunende Öffentlichkeit ausführlich erfahren, wie die Männer im Alter von 19 bis 21 Jahren den Millionencoup vergeigten. Das Urteil der Richter gab es jetzt: Wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung wurden sie zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt. Ein 21-jähriger Täter, der seine Komplizen bei der Polizei verraten hatte, muss nach Erwachsenenstrafrecht für zwei Jahre und neun Monate in Haft. Die anderen drei Männer im Alter von 19 und 20 Jahren erhielten jeweils eine Jugendstrafe von dreieinhalb Jahren Gefängnis. Eine verdiente Strafe, das muss man mal sagen. Denn einen Großteil der Beute haben die Räuber bislang nicht herausgerückt. Und juristisch gesehen war der Überfall ein ziemlicher Knaller.

1a-Fingerabdrücke hinterlassen

Mit einer Machete und einer Schreckschusspistole bewaffnet hatte die maskierte Bande am 6. März das Hotel am Potsdamer Platz unter wildem Geschrei gestürmt, zwei Menschen verletzt und sich nicht daran gestört, dass eine Überwachungskamera alles filmte. Sie hantierten ohne Handschuhe am Tresor herum, was den Ermittlern später ein paar 1a-Fingerabdrücke brachte. Die Räuber konnten sich lediglich 242.000 Euro in Jacken- und Hosentaschen sowie in eine Laptoptasche stecken. Denn als sich ihnen ein mutiger Wachmann in den Weg stellte, kam es zu einem Handgemenge, bei dem den Tätern der größte Teil der erhofften Millionenbeute - nämlich rund 690.000 Euro - irgendwie abhanden kam. Noch dazu trug einer der Täter eine auffällige rote Jacke, was ebenfalls ein Glücksfall für die Ermittler war.

Wer sind die Hintermänner?

Aber ansonsten sei die Tat gut durchdacht gewesen, fasste Ankläger Frank Heller die Beweisaufnahme zusammen. Die Männer hätten sich im Hotel bestens ausgekannt und den optimalen Zeitpunkt für ihren Coup gewählt. Der einzige bewaffnete Wachmann sei seinerzeit gerade in einen Verkehrsunfall verstrickt gewesen und habe nicht eingreifen können.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft hatten die Richter bei der Urteilsfindung strafmildernd zu berücksichtigen, dass es bei dem Überfall Hintermänner gegeben habe. Diese beiden 29 und 31 Jahre alten mutmaßlichen Drahtzieher sollen in einem gesonderten Prozess, der im August beginnt, zur Rechenschaft gezogen werden. Viel Neues werden sie allerdings kaum noch berichten können.

"Ich wollte Respekt"

Einer der Pokerräuber hatte bei der Polizei und vor Gericht schon den Namen des mutmaßlichen Organisators des Überfalls preisgegeben. Dem 20-Jährigen sei laut Staatsanwaltschaft zu verdanken, dass der 29-jährige Onkel des Kronzeugen vor Gericht komme. Auch über den 31-jährigen mutmaßlichen Tippgeber für den Überfall, der das Turnier ausgespäht habe, gibt es inzwischen eine Menge Informationen.

Über die Motivlage der Pokerräuber ist ebenfalls einiges bekannt geworden. Der 20-jährige Räuber beispielsweise ist nach Ansicht seines Verteidigers Sebastian Bartels nur ein kleines Rädchen gewesen und habe sich zu dem Raubüberfall breitschlagen lassen. "Ich hatte Angst, dass man mich im Kiez als Feigling betrachtet", ergriff der 20-Jährige im Prozess selbst das Wort. Er sei immer ein Außenseiter gewesen und habe sich Respekt auf der Straße verschaffen wollen. Dies bereue er sehr.

Schon wieder verzockt

Die drei übrigen Angeklagten entschuldigten sich zwar knapp. Doch aus Sicht des Staatsanwaltes wollen zumindest diese Angeklagten sich nicht aus der kriminellen Szene lösen. Sie fühlten sich als Stars und hätten nichts aus den Ereignissen gelernt - außer, dass man es das nächste Mal besser macht, sagte Heller. Er könnte recht haben. Denn in den Briefen, die der jüngste Angeklagte aus der Untersuchungshaft schmuggeln wollte, ist unter anderem zu lesen: "Mir geht es hier sehr gut - alles ganz locker und lässig, wie im Internat." Er brauche ein Handy und Tabak. Die Justizleute würde er am liebsten ins Krankenhaus befördern. Auf einem der Zettel stand, er werde wohl auf Bewährung rauskommen. "Das wäre ein Jackpot", schrieb er und ahnte noch nicht, dass er sich schon wieder verzockt hatte.

Mit DPA/AP