Hagen Freispruch im "Ehrenmord"-Prozess


Aus Mangel an Beweisen ist der Angeklagte im Hagener "Ehrenmord"-Prozess freigesprochen worden. Zur "Wiederherstellung der Familienehre" soll er die Ex-Freundin seines Bruders mit Kopfschüssen getötet haben.

Im Hagener "Ehrenmord"-Prozess ist der angeklagte 38-jährige Türke freigesprochen worden. Staatsanwaltschaft und Verteidigung hatten zuvor aus Mangel an Beweisen bereits auf Freispruch plädiert. Ein Schmauchspuren-Gutachten konnte eine Tatbeteiligung anders als von der Staatsanwaltschaft zunächst angenommen nicht zweifelsfrei nachweisen. (Als Schmauchspur bezeichnet man kleine Partikel, die beim Abfeuern einer Schusswaffe entstehen. In der Forensik werden Schmauchspur-Analysen eingesetzt, da sie länger an der Kleidung und der Hand des Schützen nachweisbar sind, d. Red.)

Der 38-jährige Türke aus Iserlohn soll an Silvester 2005 knapp eine Stunde vor Mitternacht auf einer Straße die ehemalige Partnerin seines Bruders und ihren 23-jährigen neuen Freund mit Kopfschüssen getötet haben. Ein 19-jähriger Cousin des Freundes überlebte einen Kopf-Durchschuss.

Wiederherstellung der Familienehre

Motiv der Bluttat soll laut Anklage die Wiederherstellung der Familienehre gewesen sein. Die Deutsche mit italienisch-deutschen Eltern habe sich von ihrem früheren Freund getrennt und sei eine neue Liebesbeziehung zu einem anderen Mann eingegangen. Außerdem habe die Frau nicht den von ihrem Ex-Freund gewünschten Umgang mit dem gemeinsamen, damals zweijährigen Sohn erlaubt. Zum Prozessauftakt bestritt der Beschuldigte die Tatvorwürfe und machte keine weiteren Angaben.

Die Tat geschah in der Nähe der Wohnung des 23-Jährigen in Iserlohn. Der mit einer Wollmütze bekleidete Täter soll auf die Frau zugelaufen sein und sie als "Schlampe" beschimpft haben. Dann schoss er aus nächster Nähe mit einer halbautomatischen Pistole jeweils zwei Mal auf sie und ihren neuen Freund. Beide waren sofort tot. Der Cousin wurde ebenfalls in den Kopf getroffen, konnte jedoch noch weglaufen. Er überlebte schwer verletzt. Der Täter flüchtete. Die Waffe blieb bis heute unentdeckt.

Zwischen den Familien des mutmaßlichen Täters und des 23-jährigen Opfers war es zuvor zu Streitigkeiten gekommen. Rund drei Wochen vor der Tat waren bei einer Schlägerei auch Eisenstangen benutzt und ein Auto demoliert worden.

Der 38-Jährige war am Neujahrstag zusammen mit dem Ex-Freund und einem weiteren Bruder festgenommen worden. An den Händen und an der Kleidung des 38-Jährigen wurden Schmauchspuren gefunden, die identisch mit Spuren bei den Opfern waren.

DPA/mta DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker