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Halberstadt-Prozess: Rechtsextremer Schläger gibt klein bei

Christian W. muss für den Überfall auf Theatersschauspieler in Halberstadt ins Gefängnis. Der rechtsextreme Schläger ließ sich überzeugen, dass ein Berufungsprozess keine gute Idee sein könnte.

Das Urteil im Prozess um den gewaltsamen Angriff rechtsextremistischer Schläger auf Theaterschauspieler in Halberstadt im Juni 2007 ist rechtskräftig. Der Berufungsprozess vor dem Landgericht Magdeburg ist am Montag überraschend schnell zu Ende gegangen. Angeklagter, Staatsanwaltschaft und die sechs Nebenkläger nahmen ihre Berufungen zurück.

Das Amtsgericht Halberstadt hatte den 24-Jahre alten Angeklagten am 28. Mai 2008 wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe von zwei Jahren ohne Bewährung verurteilt. Die drei Mitangeklagten wurden wegen mangelnder Beweise freigesprochen.

Christian W. hatte gemeinsam mit anderen stadtbekannten Rechtsradikalen in der Nacht zum 9. Juni 2007 eine Gruppe von 14 Theaterschauspielern überfallen und zum Teil schwer verletzt. Einer der Überfallenen erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Der Fall sorgte wegen Pannen und Versäumnissen der Ermittler bundesweit für Schlagzeilen. Eine vollständige Aufklärung der Tat war auch in 27 Prozesstagen nicht möglich. Nur W., der als einziger Angeklagter ein Geständnis abgelegt hatte, konnten einzelne Taten zugeordnet werden.

Nach dem Urteil des Amtsgericht legten alle drei beteiligten Parteien Berufung ein: Der Angeklagte wollte ein milderes Urteil erreichen, die Staatsanwaltschaft ein härteres und die Nebenkläger hofften auf eine Verurteilung wegen gemeinschaftlich begangener Körperverletzung.

Berufungsprozess ohne Erfolgsaussichten

Zum Prozessauftakt im Berufungsverfahren legte Richter Dirk Sternberg dem Angeklagten, der derzeit drei Haftstrafen unter anderem wegen Widerstands gegen Vollzugsbeamte und Raubes verbüßt, nahe, seine Berufung zurückzuziehen. Er laufe sonst Gefahr, dass das Urteil des Landgerichts Magdeburg härter ausfallen könnte. Staatsanwaltschaft und Nebenkläger zeigten sich mit dem Vorschlag des Richters einverstanden. Nach einer kurzen Besprechung mit seinem Verteidiger Jens Glaser entschied sich der Angeklagte schließlich die Berufung zurück zu ziehen.

Christian W. wird nach Verbüßung von zwei Dritteln aller drei Strafen im August kommenden Jahres aus der Haft entlassen werden. Die Opfer, die "ausschließlich deshalb angegriffen und misshandelt wurden, weil sie aufgrund ihres Aussehens der linken Szene zugeordnet" worden seien, leiden noch heute unter den psychischen Folgen des gewalttätigen Angriffs.

AP/DPA/mic / AP / DPA