Halberstadt Urteil im Drogenküster-Prozess


Er hat Drogen im Dom versteckt und soll Frauen Rauschmittel im Tausch gegen Sex angeboten haben. Viereinhalb Jahre muss der Domküster von Halberstadt in Haft. Den Gerichtssal konnte er aber zunächst als freier Mann verlassen.

Wegen Drogenhandels ist der ehemalige Domküster von Halberstadt zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Das Landgericht Magdeburg folgte den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Der 47-jährige Angeklagte hatte ein Geständnis abgelegt. Laut Urteil hat er unter anderem mit Heroin und Kokain gehandelt, das er auch im Tresor des Halberstädter Doms versteckte. Der Familienvater, der insgesamt 18 Jahre beim Kirchspiel Halberstadt beschäftigt war, war am 6. Juni in Zusammenhang mit der Zerschlagung eines Drogenhändlerringes festgenommen worden. Bei seiner Verhaftung in Magdeburg wurden bei ihm zudem drei Kilogramm Marihuana mit einem Schwarzmarktwert von 21.000 Euro sichergestellt, die er zuvor einem niederländischen Lastkraftwagenfahrer abgekauft hatte.

Zu Beginn des Prozesses hatten sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung auf einen Deal geeinigt, der das Verfahren vorzeitig beenden sollte. Die Verhandlung fand weitgehend hinter verschlossenen Türen statt. Der Ausschluss der Öffentlichkeit wurde mit dem Schutz der Privatsphäre des Mannes begründet. Er soll Frauen Rauschgift teils nur gegen sexuelle Gefälligkeiten gegeben haben, was aber nicht mehr Gegenstand des Verfahrens war. Denn den Vorwurf der sexuellen Nötigung ließ die Staatsanwaltschaft fallen. Die Anklage warf dem Domküster 203 Straftaten vor. Der Vorsitzende Richter Gerhard Köneke sagte, das Urteil erfolge wegen insgesamt 18 Taten, die auch durch Zeugenaussagen von Polizeibeamten belegt seien.

Angeklagter konnte zunächst als freier Mann gehen

Der Strafrahmen für die schwere Tat des Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringen Mengen reiche von einem bis zu 15 Jahren Freiheitsstrafe, erläuterte der Richter. Strafmildernd für den Angeklagten sei, dass er nicht vorbestraft sei. Zudem sei sein Geständnis zu berücksichtigen und der enge Zeitrahmen der Taten. Außerdem habe der verheiratete Familienvater von vier Kindern endgültig seinen Arbeitsplatz verloren. Die Kirche hatte ihn fristlos entlassen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Zunächst konnte der Angeklagte als freier Mann den Gerichtssaal verlassen. Der Haftbefehl wurde vorläufig gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt.

AP AP

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