HOME

Nach Gewaltakt in Halle: Wohnung des Beschuldigten durchsucht – Bundesanwaltschaft stellt Beweismaterial sicher

In Benndorf, gut 30 Kilometer von Halle entfernt, hat die Bundesanwaltschaft die Wohnung des nach der Bluttat Festgenommenen durchsuchen lassen und Beweismaterial beschlagnahmt. Die Ermittlungen stehen aber noch am Anfang.

Trauer in Halle

Am Tag nach der Tat hält die Trauer Einzug in Halle. Für die Ermittler beginnt nun die eigentliche Arbeit

DPA

Nach den Schüssen auf eine Synagoge in Halle/Saale und dem Tod von zwei Menschen ist die Wohnung des Festgenommenen durchsucht worden. Dabei seien Beweismittel sichergestellt worden, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft am Tag nach der Tat.

Von der Durchsuchung in Benndorf bei Eisleben hatte zuvor der MDR Sachsen-Anhalt berichtet. Dort hat der Mann nach stern-Informationen gelebt. 

"Staatsgefährdender Charakter der Tat" von Halle

Er war zuvor offenbar nicht als Rechtsextremer aufgefallen. Geprüft werde, ob es Mittäter gegeben habe. Die Bundesanwaltschaft sieht die Tat rechtsextremistisch und antisemitisch motiviert – auch das Bekennervideo sei eindeutig antisemitisch und rechtsextremistisch. 

"Er hat geplant, Menschen zu töten", so ein Ermittler. Letztlich habe er aber seinen Anschlagsplan nicht umsetzen können. Einzelheiten über den offenbar verletzten 27-Jährigen aus Sachsen-Anhalt wurden zunächst nicht bekannt. Derzeit wird das Umfeld des Mannes ermittelt. 

Die Bundesanwaltschaft sieht in dem Angriff eine staatsgefährdende Tat. Ermittelt wird unter anderem wegen Mordes und Mordversuchs. Übernommen hat die oberste Anklagebehörde das Ermittlungsverfahren wegen des "spezifischen staatsgefährdenden Charakters der Tat und der besonderen Bedeutung des Falles".

Der 27-Jährige war gestern festgenommen worden. Er hatte gegen Mittag versucht, die Synagoge mit Waffengewalt zu stürmen. Mehr als 50 Menschen hielten sich zu dem Zeitpunkt in dem Gotteshaus auf und feierten das wichtigste jüdische Fest, Jom Kippur. Nachdem der Anschlagsversuch scheiterte, hat der Täter vor der Synagoge und danach in einem nahen Döner-Imbiss zwei Menschen erschossen und mindestens zwei weitere verletzt. Er soll die Tat gefilmt und diese per Helmkamera live ins Internet übertragen haben, bevor er vom Tatort floh.

+++ Lesen Sie außerdem: "Wann der Generalbundesanwalt die Ermittlungen aufnimmt" +++

wue / DPA