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Totgeschütteltes Baby in Hamburg Welche Schuld trägt das Jugendamt an Taylers Tod?


Wieder ist ein Kind in Hamburg zu Tode gekommen: Der kleine Tayler starb offenbar an einem Schütteltrauma, obwohl er unter Obhut des Jugendamtes stand. Schon einmal war er schwer verletzt der Mutter weggenommen worden.

Der Tod des zwölf Monate alten Babys Tayler wühlt Hamburg auf. Der Säugling war am Samstag gestorben - eine Woche nach seiner Einlieferung in ein Krankenhaus. Der kleine Junge erlag nach Angaben von Oberstaatsanwalt Carsten Rinio im Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) seinen Verletzungen. Er soll geschüttelt worden sein.

Der Leichnam sollte am Sonntagabend untersucht werden. Ergebnisse werden frühestens für diesen Montag erwartet. Ermittelt wird laut Rinio gegen die 22 Jahre alte Mutter des Kindes und ihren 26 Jahre alten Lebensgefährten Michael Q., der nicht der Vater ist. Wie mehrere Zeitungen übereinstimmend berichten, ist Michael Q. trotz der Ermittlungen nach Spanien in den Urlaub geflogen. Demnach sieht der Oberstaatsanwalt keine Voraussetzungen für einen Haftbefehl. Q. und die Mutter waren nach der Tat kurz in Polizeigewahrsam gewesen.

Ein Behördenversagen liegt nahe

Auch die Behörden der Hansestadt müssen sich kritische Fragen gefallen lassen, schließlich wurden Taylor, sein sechsjähriger Bruder und die Mutter vom Jugendamt betreut.

Die CDU-Fraktion in der Hamburger Bürgerschaft hat eine Sondersitzung des Familienausschusses beantragt. Es müsse geklärt werden, wie es sein könne, "dass in Hamburg immer wieder Kinder durch Misshandlung oder Vernachlässigung zu Tode kommen", sagte der familienpolitische Sprecher Philipp Heißner.

Im August war die Situation um Tayler zum ersten Mal auffällig geworden: Der Junge kam mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus. Weil die Behörden schon damals eine Kindeswohlgefährdung befürchteten, wurden Tayler und sein Bruder vorübergehend von einer Pflegefamilie betreut. Später wurde die Kinder der Mutter zurückgegeben, berichtet das Hamburger Abendblatt. Es könne nicht nachgewiesen werden, dass Taylers Verletzungen auf eine Misshandlung zurückzuführen seien, schreibt die Zeitung.

Warum wurden die blauen Flecken nicht gemeldet?

Nur einen Tag bevor das Kind am 12. Dezember ins UKE gebracht wurde, soll zudem eine sozialpädagogische Familienhilfe die Familie besucht haben. Die Fachkraft habe blaue Flecken dokumentiert, dies aber nicht an den Allgemeinen Sozialen Dienst weitergemeldet, hieß es. Die Jugendhilfeinspektion sei eingeschaltet worden, um dem nachzugehen.

Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) kündigte an, die Jugendhilfeinspektion werde Unterstützung durch den Experten Prof. Christian Schrapper von der Universität Koblenz-Landau bekommen. "Wir brauchen Klarheit darüber, welche Maßnahmen der Allgemeine Soziale Dienst zum Kinderschutz ergriffen hat und warum es trotz der Hilfen zum Tod des Jungen kam."

tis DPA

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