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Prozess in Hamburg: Doppelmord an Ex-Partnerin und Tochter – Angeklagter gesteht und nennt Tat "bei Gott eine Sünde"

Das grausame Verbrechen geschah in Hamburg mitten auf einem belebten S-Bahnsteig: Eine Mutter und ihre kleine Tochter wurden erstochen. Vor dem Hamburger Landgericht begann nun der Mordprozess.

Der Tatort in Hamburg am 12. April: Blumen liegen nach dem tödlichen Messerangriff auf dem S-Bahnsteig Jungfernstieg, wo ein einjähriges Mädchen und seine Mutter getötet wurden.

Der Tatort in Hamburg am 12. April: Blumen liegen nach dem tödlichen Messerangriff auf dem S-Bahnsteig Jungfernstieg, wo ein einjähriges Mädchen und seine Mutter getötet wurden.

dpa

Die Bluttat in Hamburg hatte im April bundesweit Betroffenheit ausgelöst: An einem belebten S-Bahnsteig der Hansestadt attackiert ein Mann seine frühere Freundin und die gemeinsame einjährige Tochter mit einem Messer. Das Kind stirbt noch am Tatort Jungfernstieg, die Frau erliegt ihren Verletzungen wenig später im Krankenhaus.

Wegen zweifachen Mordes muss sich seit Donnerstag ein 34-Jähriger vor dem Hamburger Landgericht verantworten. Er habe seine Ex-Partnerin und seine Tochter getötet - dieses Geständnis lässt der Angeklagte aus dem westafrikanischen Niger gleich zu Beginn seinen Verteidiger verlesen. Was er ihnen und den Angehörigen angetan habe, sei "bei Gott eine Sünde" gewesen. Er bete für sein Kind und seine frühere Freundin.

Während der knappen Erklärung wirkt der Angeklagte noch gefasst. Doch als im Gerichtssaal Notrufe vom Tattag abgespielt werden, sackt der Mann in sich zusammen. Er schluchzt, weint und senkt den Kopf. "Ich habe Fehler gemacht", ist seine Stimme in gebrochenem Deutsch zu hören, als er nach dem Verbrechen selbst die Polizei verständigte. Auch als ein Polizist im Zeugenstand schildert, wie die Leiche des kleinen Mädchens nach vergeblichen Wiederbelebungsversuchen auf dem Bahnsteig neben einem Buggy lag, kommen dem Angeklagten die Tränen.

Streit um das Sorgerecht

Rückblende: Im Sommer 2017 trennen sich der Nigrer und seine Lebensgefährtin. Es kommt zum Sorgerechtsstreit. Immer wieder soll der Mann der fünffachen Mutter, die inzwischen einen neuen Freund hat, gedroht haben. Am 11. April schließlich signalisiert ihm ein Familiengericht, dass sein Antrag auf gemeinsames Sorgerecht vor dem Hintergrund der Konfliktsituation keine Aussicht auf Erfolg habe.

Fatales Treffen am S-Bahnsteig Stadthausbrücke in Hamburg

Einen Tag später gibt es morgens ein Treffen des Mannes mit seinem Kind - unter Aufsicht des Jugendamtes. Eine Stunde später holt die 34-Jährige ihre Tochter wie vereinbart ab. Mit dabei sind ihr dreijähriger Sohn und ihr neuer Freund. Am S-Bahnsteig Stadthausbrücke kommt es zu einem Zusammentreffen mit dem Ex-Partner. Alle steigen in dieselbe S-Bahn.

Es sei zum Streit gekommen, sagt die Staatsanwältin bei der Anklageverlesung. Der Angeklagte sei wegen des Sorgerechtsstreits wütend gewesen und habe nicht hinnehmen wollen, dass seine Tochter Kontakt mit dem neuen Partner hatte. "Zur demonstrativen Durchsetzung seiner eigensüchtigen Macht- und Besitzansprüche" habe er Rache nehmen wollen, das Messer mit der 19 Zentimeter langen Klinge aus seinem Rucksack gezogen und seine im Buggy sitzende Tochter an Bauch und Hals attackiert. Der Kopf des Mädchens sei nahezu abgetrennt worden.

Die Staatsanwältin erklärt, die Mutter habe den Angriff auf ihr Kind zunächst gar nicht gesehen. Sie sei arg- und wehrlos gewesen, als der Angeklagte plötzlich auch auf sie eingestochen habe. Die Deutsche hinterlässt vier Söhne. Sie treten ebenso wie die Mutter und die Schwester der getöteten Frau als Nebenkläger auf.

anb / DPA