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Mordversuch in Bäckerei: Ehefrau mit kochendem Wasser übergossen und niedergestochen - lange Haft

Der Fall schockierte viele Menschen: Ein Mann überschüttet seine von ihm getrennt lebende Frau an ihrem Arbeitsplatz mit heißem Wasser und sticht mit einem Messer auf sie ein. Nun ist das Urteil gefallen.

Der Angeklagte Mustafa A. muss nun für acht Jahre ins Gefängnis

Der Angeklagte Mustafa A. muss nun für acht Jahre ins Gefängnis

Brutaler Angriff in einer : Ohne Vorwarnung überschüttet ein Mann seine getrennt lebende Ehefrau am Arbeitsplatz mit heißem Wasser. Dann sticht er immer wieder mit einem Messer auf sie ein - mindestens 18 Mal. Das Opfer erleidet Verbrennungen und Stichverletzungen, vor allem an der Brust und an der Schulter. Die Frau überlebt schwer verletzt, muss sich aber einer Notoperation unter Lebensgefahr unterziehen. Der Mann, von dem sie mittlerweile geschieden ist, muss nun für acht Jahre ins Gefängnis.

Der 50-jährige Türke hat sich des versuchten Mordes und der gefährlichen schuldig gemacht - davon ist das Hamburger Landgericht überzeugt. Der Angeklagte habe versucht, das Opfer "mittels mehrerer Messerstiche heimtückisch zu töten", erläutert der Vorsitzende Richter Thees Willemer am Freitag.

Während die Entscheidung des Gerichts verlesen wird, sitzt der Angeklagte - vornehm gekleidet in einen blauen Anzug, seine grau melierten Haare leicht zurückgegelt - zumeist regungslos da. Die Hände gefaltet und den Kopf gesenkt, wischt er sich hin und wieder einzelne Tränen aus dem Gesicht.

Eifersüchtiger Ehemann sticht auf Frau ein

Rückblende: Das Paar heiratet 2011. Zwei Jahre später kommt ihre Tochter zur Welt, kurz darauf übernehmen sie gemeinsam eine Bäckerei im Stadtteil Eidelstedt. Zunächst sei die Beziehung "weitestgehend harmonisch" verlaufen, sagt Richter Willemer. Dann hätten sie immer mehr gestritten und der Angeklagte habe zunehmend den Verdacht gehegt, seine Frau habe eine Affäre - ob dies stimmt, kann im Prozess nicht zweifelsfrei geklärt werden. Am Morgen des 12. April 2016 erhält der Angeklagte nach eigener Aussage einen Anruf.


Ein Unbekannter habe ihn beschimpft und gesagt, dass er Sex mit seiner Frau habe. Daraufhin habe er sich entschieden, in die Bäckerei zu gehen "um sich für die Affäre zu rächen", so der Richter weiter.

Der Angeklagte betritt das Geschäft, begrüßt seine Frau und anwesende Kunden freundlich und geht hinter den Tresen. Mit den Worten "Guck mal, das Bild unserer Tochter" überschüttet er sie unvermittelt mit heißem Wasser. Im Anschluss sticht er sofort mit einem Messer mit einer "16 Zentimeter langen, scharf geschliffenen und spitz zulaufenden Klinge" auf sie ein.

Frau flehte um Gnade

Die Frau fleht ihn an, sie aus Rücksicht auf die gemeinsame Tochter nicht weiter zu verletzen, doch der Angeklagte lässt nicht von ihr ab und sagt, er werde sie "zu ihrer toten Mutter schicken", wie es in der Urteilsverkündung heißt. Das Opfer schafft es schließlich "trotz der erheblichen Verletzungen Gegenwehr zu leisten", und ihrem Angreifer in den Daumen zu beißen, worauf er das Messer fallen lässt und sie es an sich nehmen kann.

Während ihrer Aussage berichtet die Frau von Angstzuständen, die sie seit der Tat habe. Zudem leide sie an Schmerzen an den Händen und im Brustbereich, die noch andauern würden. Ob diese für immer bleiben werden, ist laut einem Gutachter noch nicht absehbar.

Während des Prozesses sagt der Angeklagte aus, er habe nicht töten wollen, sondern geplant, seine Frau "am Unterleib zu verletzen", damit sie "nie wieder mit anderen Männern Spaß haben" könne. Laut der Kammer habe er jedoch durchaus "mit Tötungsabsicht" gehandelt. Zudem sei das Mordmerkmal der Heimtücke erfüllt, da das Opfer "nicht mit einem lebensbedrohlichen Angriff" gerechnet habe, betonte Willemer. Zugunsten des Mannes wertete das Gericht, dass er teilgeständig sei.  

fin/Wiebke Dördrechter/DPA