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Hamburg: Nach Messerangriff - Bürgermeister spricht von "Anschlag", Razzia in Flüchtlingsunterkunft

Bei der Messerattacke in dem Supermarkt in Hamburg-Barmbek ist nach bisherigem Stand ein Mann gestorben. Der mutmaßliche Täter stammt laut Polizei aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Am Samstagmittag will die Polizei weitere Einzelheiten bekanntgeben.

Nach dem Messerangriff in Hamburg fuhren im Stadtteil Barmbek Großaufgebote von Polizei und Rettungskräften auf

Nach dem Messerangriff in Hamburg fuhren im Stadtteil Barmbek Großaufgebote von Polizei und Rettungskräften auf

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) drückt nach der tödlichen Messerattacke in einem Supermarkt im Stadtteil Barmbek den Opfern sein Mitgefühl aus. Er sei "entsetzt über den bösartigen Anschlag", teilte Scholz am Abend mit, ohne auf weitere Hintergründe einzugehen.

Der Täter müsse hart bestraft werden. Bei ihm handele es sich offensichtlich um "einen Ausländer, der ausreisepflichtig war, aber nicht abgeschoben werden konnte, weil er keine Papiere hatte". Der SPD-Politiker rief die Bürger seiner Stadt zu Stärke und Solidarität auf, wenn Gewalttäter versuchten, "unsere freie Gesellschaft mit Angst zu vergiften".

Flüchtlingsunterkunft durchsucht

Nach Angaben der Hamburger Tageszeitungen "Morgenpost" und "Bild" haben Spezialeinheiten am Abend eine Flüchtlingsunterkunft in Langenhorn durchsucht. Dort soll der mutmaßliche Messerstecher gelebt haben.

Vorausgegangen war am Nachmittag ein Großeinsatz für und Rettungskräfte im Hamburger Stadtteil Barmbek: Der Verdächtige habe nach Polizeiangaben in einem Supermarkt zunächst auf einen 50-Jährigen eingestochen, der Mann ist gestorben. Auf der Flucht habe der Täter weitere Passanten verletzt. Der mutmaßliche Messerstecher wurde demnach wenig später festgenommen.

Die Hintergründe der Tat sind noch vollkommen unklar, der fasst die Erkenntnisse vom Freitag zusammen.

Was ist in Hamburg-Barmbek geschehen?

Nach bisherigen Erkenntnissen hat der Täter gegen 15 Uhr einen Edeka-Supermarkt an der Einkaufsmeile Fuhlsbüttler Straße im Hamburger Stadtteil betreten und dort unvermittelt auf mindestens einen Kunden eingestochen. Anschließend war der Mann zunächst auf der Flucht.


Wer ist der Täter aus dem Supermarkt?

Bei dem mutmaßlichen   handelt es sich laut Polizei um einen 26-Jährigen, der in den Vereinigten Arabischen Emiraten geboren wurde. Seine Nationalität stehe noch nicht fest. Nach Angaben von Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) ist der Mann als "Schutzsuchender" in die Stadt gekommen.

Der Berliner "Tagesspiegel" berichtet unter Berufung auf Sicherheitskreise, dass der Verdächtige den Behörden als Islamist bekannt sei. Eine offizielle Bestätigung für dieses Detail gibt es seitens der Hamburger Ermittler bislang nicht. Hinweise auf weitere Tatbeteiligte hat die Polizei nicht, sie teilt mit: "Es handelt sich definitiv um einen Einzeltäter."

Augenzeugen berichteten unserem stern-Reporter vor Ort, dass mehrere Passanten den Verdächtigen nach der Tat verfolgt und mit Gegenständen beworfen hätten, um ihn zu stoppen. Er sei wenig später in der Nähe des Tatortes überwältigt und blutverschmiert an Zivilfahnder übergeben worden. Laut Bericht des "Hamburger Abendblattes" gab einer der Beamten einen Warnschuss ab.

Auseinandersetzung im Video

Bürgermeister Scholz und Innensenator Grote sprachen den Bürgern für das beherzte Eingreifen ihren Dank und ihre Hochachtung aus.

Ein auf Youtube hochgeladenes Video soll die Situation zeigen, in der sich Passanten und der Messerstecher gegenüberstehen. Ort und Witterung passen zu den Umständen. Auch die Kleidung stimmt mit der des später Festgenommenen überein, sodass davon auszugehen ist, dass es sich um eine authentische Aufnahme handelt.

Wie viele Opfer gibt es?

Die Polizei bestätigte dem stern bislang, dass eine Person ihren schweren Verletzungen noch in dem Supermarkt erlag. Bei ihr handele es sich um einen 50-jährigen Deutschen. Darüber hinaus habe der Täter auf seiner Flucht vier Männer zwischen 19 und 64 Jahren sowie eine Frau im Alter von 50 Jahren, jeweils deutscher Nationalität, verletzt. Eine Person davon schwer. Ein 35-jähriger Türke habe zudem bei der Überwältigung des Verdächtigen Verletzungen erlitten. Die sechs Personen seien ins Krankenhaus eingeliefert worden.

Die sind unter anderem mit einem Großraumrettungswagen und einem Rettungshubschrauber im Einsatz gewesen. An der Fuhlsbüttler Straße sahen Reporter diverse Kranken- und Notarztwagen, der Bereich war großräumig abgesperrt. Schwer bewaffnete Polizisten waren vor Ort.

Was war die Tatwaffe?

Nach bisherigen Ermittlungen hat der Täter mit einem größeren Küchenmesser zugestochen. Meldungen über den Gebrauch einer Machete konnte eine Polizeisprecherin nicht bestätigen.

Was ist zum Motiv bekannt?

Zunächst gab es Hinweise auf einen Raubüberfall, nach ersten Untersuchungen schließe die Polizei ein Raubmotiv jedoch aus. Dass der Messerstecher vor der Tat "Allahu Akbar" ("Gott ist groß") gerufen habe, wie die "Bild"-Zeitung und Augenzeugen berichteten, kann die Polizei zurzeit nicht bestätigen. Eine Sonderkommission ermittelt in dem Fall, auch der Staatsschutz ist eingeschaltet.

Timo Zill, der Pressesprecher der Hamburger Polizei, fasste am Nachmittag die ersten Erkenntnisse zusammen. Einen Terroranschlag könne die Polizei in dem frühen Untersuchungsstadium nicht ausschließen, es werde in alle Richtungen ermittelt. So ist auch zum Beispiel eine Beziehungstat denkbar.

Zum Tatzeitpunkt hielten sich viele Menschen an der belebten Einkaufsstraße auf. Die Polizei bittet Zeugen, sich zu melden, richtete im Internet ein Upload-Portal für Fotos und Videos der Tat ein und hat eine spezielle Hinweis-Telefonnummer geschaltet: (040) 42 72 727.

Weitere Einzelheiten zu der Messerattacke wollen die Ermittler im Laufe des Samstags auf einer Pressekonferenz mitteilen. Dort soll auch Hamburgs Innensenator Andy Grote anwesend sein.

Hinweis: In einer vorherigen Version des Artikels haben wir angegeben, dass der Verdächtige laut Polizei in Saudi-Arabien geboren wurde, richtig sind jedoch die Vereinigten Arabischen Emirate. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten um Entschuldigung. Die Redaktion

mit Material von AFP/DPA