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Hamburg: Ein Mann wurde von der Polizei fixiert. Nun ist er tot. Die Polizei ermittelt – wohl auch intern

Ein offenbar psychisch auffälliger Mann hatte eine Polizistin attackiert und wurde von Beamten zwei Mal zwangsfixiert. Nun, eine Woche später, ist der 27-Jährige gestorben. Die Polizei ermittelt – wohl auch intern.

Hamburg: Mann stirbt nach Zwangsfixierung der Polizei

Wenige Tage nach einer Zwangsfixierung durch Hamburger Polizeibeamten ist ein Mann gestorben (Symbolbild)

DPA

In Hamburg ist ein offenbar psychisch auffälliger Mann gestorben, nachdem er Tage zuvor von Polizeibeamten zwangsfixiert wurde. Die Polizei war für eine Stellungnahme gegenüber dem stern zunächst nicht erreichbar. Zuvor berichteten das "Hamburger Abendblatt" und der NDR über den Todesfall.

Den Berichten zufolge soll eine Eilsektion durchgeführt werden, um die Todesursache zu klären. Darüber hinaus habe die Polizei auch intern Ermittlungen eingeleitet, schreibt das "Hamburger Abendblatt". Es ist der zweite Todesfall in Hamburg nach einer Zwangsfixierung innerhalb kurzer Zeit.

Herz- und Atemstillstand nach Fixierung

Nach Angaben der Polizei wurden die Beamten am Montag vor einer Woche (29. April) zu einer Werkstatt gerufen. Dort soll der 27-Jährige unvermittelt einen Mitarbeiter mit Fäusten angegriffen haben. Der Onkel habe seinen Neffen mit Hilfe eines weiteren Mitarbeiters in ein Büro lotsen und die Polizei verständigen können. Am Telefon habe er den Beamten gesagt, dass sein Neffe unter psychischen Problemen leide.

Als die Beamten eintrafen, habe der Mann ein zuvor nicht sichtbares Messer gezogen und eine 20-jährige Polizeibeamtin attackiert. Durch den Angriff habe sie Schnittverletzungen im Gesicht erlitten, teilte die Polizei mit. Mit Hilfe des Onkels habe der Angreifer entwaffnet und überwältigt werden können. Dabei habe ein weiterer Polizist, 31, Gesichtsprellungen erlitten.

Weitere Einsatzkräfte hätten den "um sich schlagenden und tretenden Mann" schließlich festgenommen und zum Polizeikommissariat gebracht. Dort sei er aufgrund seines "aggressiven Zustandes" fixiert worden, so die Polizei. Ein Amtsarzt hätte den Maßnahmen zugestimmt. 

Die Fixierung sei durch die Beamten gelöst worden, als sich der 27-Jährige sichtbar beruhigt gezeigt habe. Auf dem Weg in eine Verwahrzelle habe dieser aber "plötzlich erneut erheblichen Widerstand" geleistet, die Beamten nahmen eine erneute Fixierung vor. Nach den "Widerstandshandlungen" habe der Mann einen plötzlichen Herz- und Atemstillstand erlitten, so die Polizisten. Nach Erste-Hilfe-Maßnahmen der Beamten wurde er unter Reanimationsmaßnahmen auf die Intensivstation eines Krankenhauses gebracht.

Polizei bestätigt Todesfall

Wie "Hamburger Abendblatt" und NDR berichteten, verstarb der 27-Jährige am Montag im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Die Polizei bestätigte dem NDR den Tod des vermutlich psychisch kranken Mannes, wollte aber offenbar keine näheren Angaben dazu machen. Der stern konnte die Polizei für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichen.

Den Berichten zufolge wurde eine Eilsektion eingeleitet, um die Todesursache des Mannes zu klären. Laut "Hamburger Abendblatt" führt die Polizei nach dem Tod des Mannes auch interne Ermittlungen durch. Bereits vor einer Woche hatten das zuständige Landeskriminalamt 13 sowie das Dezernat Interne Ermittlungen die Ermittlungen übernommen. 

Ähnlicher Vorfall in Hamburg am vergangenen Ostersonntag

Erst am Ostersonntag war es in Hamburg zu einem ähnlichen Vorfall gekommen. Ein 34-Jähriger hatte einen Herzstillstand erlitten, nachdem ihn Mitarbeiter des UKE-Sicherheitsdienstes gewaltsam fixiert hatten. Der Mann starb wenige Tage später (der stern berichtete). 

Das UKE erklärte, dass es bei der Unterbringung eines "hilfsbedürftigen Patienten in der psychiatrischen Klinik zu einem medizinischen Zwischenfall" gekommen sei. Eine Obduktion ergab, dass der Mann an Herzversagen gestorben war. Warum sein Herz versagte, ist laut Staatsanwaltschaft unklar. 

Das Landeskriminalamt ermittelt gegen die drei Sicherheitsleute und die diensthabende Ärztin wegen Verdachts auf Körperverletzung mit Todesfolge. 

Quellen: "Hamburger Abendblatt", NDR, Polizei Hamburg, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), "Die Zeit", mit Material der Nachrichtenagentur DPA

fs