Hamburger Landgericht Auftragskiller gesucht


Ein Bayer wollte den Ehemann seiner 62-jährigen Tanzpartnerin beseitigen. Dazu heuerte er auf dem Hamburger Kiez einen Türsteher an. Doch der ging zur Polizei.

Aus Mitleid mit seiner mehrfach verprügelten Tanzpartnerin wollte ein 52-Jähriger aus Bayern den Mann der Frau von einem Profikiller aus dem Weg räumen lassen. Bernhard P. legte als Hauptangeklagter vor dem Hamburger Landgericht ein umfassendes Geständnis ab. "Weil dieser Mann ein schlechter, böser Mensch ist", beschrieb der Mechaniker aus Bad Kissingen sein Motiv. Die ebenfalls von der Staatsanwaltschaft wegen versuchter Anstiftung zum Mord angeklagte 62 Jahre alte Nadja M. stritt jede Tatbeteiligung ab. Ihr Tanzpartner P. habe seinen Plan nicht enthüllt.

"Alles durcheinander gebracht"

Sie gab zu, dass sie P. 20.000 Euro überlassen habe, allerdings zum Kauf eines Autos. Die Staatsanwaltschaft geht dagegen von Habgier als Motiv aus. Die Frau wäre gemäß gemeinsamem Testament Haupterbin des Mannes, wie am ersten Prozesstag bekannt wurde. Die beiden Angeklagten hatten sich nach eigenen Aussagen beim Tanzen kennen gelernt, waren aber kein Liebespaar. Allerdings half P. der von ihrem Mann getrennt lebenden gebürtigen Kroatin bei Reparaturen oder Briefen.

"Ich war für meinen Mann nur Sexobjekt und Sklavin. Aber ich habe ihn geliebt und ihm alles verziehen", sagte die Frau vor Gericht. Erst als ihr jetzt 75-jähriger Gatte sie in eine psychiatrische Klinik gesteckt und sie aus dem Haus geworfen habe, sei es zu viel geworden. Der Gatte sollte sterben, "weil dieser Mann ein schlechter, böser Mensch ist", so P.

Der Angeklagte kam im März nach Hamburg und bot dem Türsteher eines Amüsierlokals im Hamburger Rotlicht-Stadtteil St. Pauli 18.000 Euro für die Erschießung des in Erding bei München lebenden Mannes. Laut Staatsanwaltschaft folgte er dabei einem gemeinsam mit Nadja M. gefassten Tatplan. Das bestritten aber beide Angeklagten am Montag. P. sagte, er habe seine Tanzpartnerin nicht eingeweiht. Er widerrief damit Aussagen aus seiner ersten Vernehmung. Bei der Polizei hatte er die Frau als Mittäterin belastet. "Da habe ich alles durcheinander gebracht", sagte der herzkranke Mann vor Gericht.

Türsteher geht zur Polizei

Der Angeklagte P. sagte zu Prozessbeginn, er habe bereits erfolglos in München und Berlin nach einem Auftragsmörder gesucht und sei dann nach Hamburg gekommen. Ausführlich berichtete er, wie der Kontakt im März zu Stande kam. "Ich habe ihn gefragt, ob er jemanden wisse, der jemanden beseitigen kann", erinnerte er sich an das Gespräch mit dem Türsteher. Der Türsteher ging zum Schein auf die Frage ein, benachrichtigte aber die Polizei. Unter Überwachung gab es ein weiteres Treffen, außerdem kaufte der Angeklagte dann die Tatwaffe - von einem verdeckten Ermittler der Polizei. Am 29. März klickten auf einem Gehweg die Handschellen.

Das potenzielle Opfer des Auftragsmordes tritt im Prozess als Nebenkläger auf. Der 75-Jährige hat die Scheidung eingereicht. Seine Frau hat aber gegen ein Scheidungsurteil vom Januar Berufung eingelegt, weil sie nach eigenem Bekunden um das Erbe für ihre Enkel fürchtet und schwer krank ist.

DPA/AP AP DPA

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