HOME

Hannover: Polizei stürmt Privathaus von Hells-Angels-Boss

Bei einer Razzia gegen Einrichtungen der Hells Angels im Norden wurde auch das Privathaus des Hannoveraner Rocker-Chefs Hanebuth gestürmt. Es wird wegen Körperverletzung, Menschen- und Waffenhandel sowie Korruption ermittelt.

Nach der Razzia im Privathaus von Hannovers Hells-Angels-Präsidenten Frank Hanebuth hat sich der Rocker-Chef über seinen Anwalt geäußert. "Er weist die Vorwürfe als völlig abwegig zurück", sagte Götz von Fromberg am Donnerstag. Die Staatsanwaltschaft Kiel hatte am Morgen vor allem Bordelle, Gaststätten und Wohnungen in Norddeutschland durchsucht. Es wird wegen Körperverletzung, Menschenhandel, Waffenhandel und Korruption ermittelt.

Die Aktion richtet sich besonders gegen Mitglieder des seit Januar verbotenen Kieler Chapters der Hells Angels. Hanebuth wird vorgeworfen, von den Delikten gewusst oder sie sogar angestiftet zu haben. Sein Mandant habe damit nichts zu tun, er kenne die Leute gar nicht, betonte von Fromberg. "Der erste Zugriff war sehr massiv und unverhältnismäßig", kritisierte der Anwalt. Die Spezialkräfte der Polizei hätten Türen eingetreten und vor den Augen von Hanebuths Sohn einen Welpen erschossen. Die Gespräche mit dem Staatsanwalt danach hätten in ruhiger, sachlicher Atmosphäre stattgefunden.

Hannovers Hells-Angels-Chef gilt in Ermittlerkreisen als einer der einflussreichsten Mitglieder der Rockerbande bundesweit. Im November hatte Hanebuth angekündigt, sich aus Hannovers Rotlichtviertel am Steintor zurückzuziehen.

Ein Fanclub wird zur Rotlicht-Macht

Die Hells Angels gelten als mitgliederstärkster mächtigster Rockerclub der Welt. Gegründet wurde die Vereingung 1948 von Harley-Davidson-Liebhabern in Kalifornien (USA). Aus der Gruppe von Motorrad-Fans mit dem geflügelten Totenkopf auf der Jacke entwickelte sich eine straffe, weltweite Organisation.

Immer wieder werden in Deutschland einzelne Mitglieder der Hells Angels oder ganze Gruppen mit der Organisierten Kriminalität in Verbindung gebracht. Kriminelle Machenschaften um Drogen, Waffen, Prostitution oder Gewaltausbrüche beschäftigen seit Jahren deutsche Gerichte. Jahrelang schwelte der Konkurrenzkampf mit den rivalisierenden Bandidos. Wüste Schlägereien, scharfe Schüsse und auch Morde waren Mittel des Rocker-Kriegs. Vor zwei Jahren besiegelten die Konkurrenten per Handschlag einen Frieden.

jwi/DPA/AFP / DPA