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Amoklauf an Uni Heidelberg Mutmaßlicher Täter war 18-Jähriger aus Mannheim – Uni, Studierende und Politiker schockiert

Siegfried Kollmar, Polizeipräsident des Polizeipräsidium Mannheim, spricht während einer Pressekonferenz zum Amok-Lauf in Heidelberg
Sehen Sie im Video: Ermittler des Polizeipräsidiums Mannheim sprechen über Amoklauf an der Uni Heidelberg.






Siegfried Kollmar, Präsident des Polizeipräsidiums Mannheim, sagt nach dem Amoklauf an der Uni Heidelberg: "Der 18-jährigem deutsche, mutmaßliche Täter ging mit zwei Langwaffen bewaffnet mit einer Doppelflinte und mit einer Repetierwaffe in den Hörsaal. Und hat mehrfach geschossen. Wir haben im Moment drei Hülsen gefunden, aber die Abbuchung läuft auch noch, die Kriminaltechnik ist noch am Arbeiten. Und hat dabei vier Personen verletzt. Eine Person so schwer, dass gegen 16 Uhr die Mitteilung kam vom Krankenhaus, dass sie verstorben ist. Drei Personen wurden leicht verletzt, mit Verletzungen an Bein, Rücken, Gesicht. Alles deutsche StudentInnen, ein Deutschitaliener, eine Frau 23 Jahre, die schwer verletzt gestorben ist, zwei Frauen, 19 und 21 Jahre, die leicht verletzt sind. Der Deutschitaliener, der auch leicht verletzt ist." "Der 18-jährige deutsche Tatverdächtige wohnt in Mannheim. Wir haben auch die Wohnung bereits durchsucht, haben Beweismitteln mitgenommen. Wir konnten bisher nachweisen, dass er unmittelbar vor der Tat eine WhatsApp an jemand geschrieben hat und darin berichtet hat, dass Leute jetzt bestraft werden müssen."
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Nach den Schüssen an der Uni Heidelberg hat die Polizei öffentlich gemacht, was sie bisher über den mutmaßlichen Schützen weiß. Nicht nur an der Uni sind Schock und Trauer groß.

Bei einem Amoklauf in einem Hörsaal der Universität Heidelberg hat ein 18 Jahre alter Student eine junge Frau erschossen und drei weitere Menschen verletzt. Der Täter sei am Montagmittag mit einer Schrotflinte bei laufender Vorlesung in den Hörsaal gestürmt und habe um sich geschossen, teilte die Polizei mit.

Der deutsche Staatsbürger, der in Mannheim wohnte, habe der jungen Frau in den Kopf geschossen, erfuhr die Nachrichtenagentur DPA aus Sicherheitskreisen. Die 23-Jährige erlag ihren schweren Verletzungen wenige Stunden nach der Tat. Politiker zeigten sich entsetzt über das Verbrechen, Bundeskanzler Olaf Scholz sagte in Berlin: "Es zerreißt mir das Herz."

Schütze kündigte Amoklauf per Whatsapp an

Nach der Tat sei der 18-Jährige aus dem Uni-Gebäude nach draußen geflohen und habe sich selbst getötet, teilte die Polizei mit. Kurz vor dem Amoklauf soll er seine Tat angekündigt haben. Er habe eine Whatsapp-Nachricht an "eine Person" geschickt und geschrieben, "dass Leute jetzt bestraft werden müssen", sagte Siegfried Kollmar, Polizeipräsident in Mannheim, am Abend. Das Geschehene sei "an Tragik nicht mehr zu überbieten".

Nach ersten Erkenntnissen soll der Täter keine politischen oder religiösen Motive gehabt haben, hieß es in Sicherheitskreisen. Man gehe eher von einer Beziehungstat oder psychischen Problemen aus. Die Ermittler machten noch keine Angaben zum Motiv. Dafür sei es noch zu früh, sagte Andreas Herrgen, Leiter der Staatsanwaltschaft Heidelberg.

Waffen im Ausland gekauft

Der Biologie-Student habe zwei Gewehre dabeigehabt, die Tatwaffe sei eine Schrotflinte gewesen. Die Waffen habe er nach bisherigen Erkenntnissen vor einigen Tagen selbst im Ausland gekauft. Es gebe Kaufbelege. Zu klären sei nun, wer jemandem ohne Waffenbesitzkarte eine Waffe verkaufe.

Außerdem soll der Mann noch mehr als 100 Schuss Munition im Rucksack gehabt haben. Warum er mit dem Schießen aufgehört habe, wisse man noch nicht, sagte Kollmar. Das sei spekulativ. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass eine bestimmte Person getroffen werden sollte. Der 18-Jährige hätte noch nachladen können.

Täter war der Polizei bisher nicht bekannt

Der junge Mann sei bisher nicht polizeilich erfasst. Er habe auch keinen Führerschein gehabt. "Das ist schon sehr außergewöhnlich, diese Sachlage", sagte der Polizeipräsident.

Weil bei der Leiche des jungen Mannes ein Rucksack mit unbekanntem Inhalt gewesen sei, habe die Polizei lange nicht zu dem Toten gekonnt. Es hätte sich um Sprengstoff handeln können, erklärte Kollmar. Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg habe daher auch Entschärfer geschickt, die den Rucksack untersuchten.

Einzeltäter an der Uni Heidelberg

Schon kurz nach den Schüssen am Mittag hatte die Polizei erklärt: "Wir gehen nicht von weiteren Tätern aus." Zur Sicherheit werde das Gelände aber weiter abgesucht. Ein Spezialeinsatzkommando habe auf dem labyrinthartigen Gelände nach einem möglichen zweiten Täter gesucht. Gegen 15.15 Uhr dann die Entwarnung: Der Mann sei ein Einzeltäter gewesen. "Derzeit ist keine Gefahrenlage mehr gegeben."

Das Neuenheimer Feld vor den Toren der Heidelberger Altstadt war am Nachmittag weiträumig abgesperrt. Die Polizei richtete eine Hotline für Angehörige ein. Am Gelände der Universität standen Dutzende Polizei- und Krankenwagen. Vor den Absperrungen standen junge Leute beisammen.

Studierende und Politiker sind schockiert

Die Studierendenschaft äußerte sich fassungslos. "Wir sind unendlich schockiert. Das ist eine Katastrophe, die sich allem Denkbaren zwischen Vorlesungen, Klausuren und Unileben entzieht", sagte der Vorsitzende Peter Abelmann.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann zeigte sich tief betroffen und versprach eine schnelle Aufklärung der Tat. "Meine Gedanken sind bei den Familien und ihren Angehörigen. Wir sind an Ihrer Seite." Innenminister Thomas Strobl (CDU) ergänzte: "Für die Verletzten und die Beteiligten, auch die im Tutorium dabei waren, hoffe ich auf baldige Genesung an Leib und Seele." Es sei eine "entsetzlich belastende Situation".

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) besuchte noch am Nachmittag den Tatort und zeigte sich erschüttert: "Ich bin entsetzt. Es lässt einen sprachlos zurück, wenn unschuldige junge Menschen im Hochschulbetrieb so etwas erleben müssen."

Heidelbergs Oberbürgermeister Eckart Würzner (parteilos) sprach den Opfern und Angehörigen sein Mitgefühl aus. "Wir waren nicht nur fassungslos, wir können es eigentlich gar nicht glauben, dass so etwas bei uns in Heidelberg passiert."

Siegfried Kollmar, Polizeipräsident des Polizeipräsidium Mannheim, spricht während einer Pressekonferenz zum Amok-Lauf in Heidelberg

Uni bereitet Trauerfeier vor

Die Uni bereitet eine Trauerfeier vor. Genaue Pläne dazu konnte Rektor Bernhard Eitel am Montagabend noch nicht nennen. Die Hochschule überlege zudem, wie die Tat intern aufgearbeitet werden kann. Den ganzen Tag erreichten ihn Bekundungen von Wissenschaftlern aus ganz Europa, die das Geschehen in Heidelberg verfolgten und Hilfe anböten. Gefühlt handle es sich auch um einen Angriff auf die Offenheit der Hochschulen und die akademische Tradition.

tkr/Henning Otte und Sophia Weimer DPA

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