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Heilbronner Polizistenmord: Zwickauer Spur führt zu "Döner-Morden"

Der Fall des Heilbronner Polizistenmordes nimmt ungeahnte Dimensionen an: Fahnder vermuten eine Verbindung zu den "Döner-Morden". Die Bundesanwaltschaft ermittelt.

Die Verstrickungen um Beate Z. und die beiden toten mutmaßlichen Bankräuber Uwe M. und Uwe B. werden immer abstruser: In der ausgebrannten Zwickauer Wohnung des Trios, das in Verbindung mit der Ermordung einer Heilbronner Polizistin im Jahr 2007 gebracht wird, haben Ermittler nun die Pistole gefunden, mit der zwischen 2000 und 2006 die sogenannten Döner-Morde verübt wurden.

Die Mordserie, der in ganz Deutschland acht türkischstämmige und ein griechischer Kleinunternehmer zum Opfer fielen, wurde nie aufgeklärt. Die Männer aus Nürnberg, München, Hamburg, Rostock, Dortmund und Kassel wurden damals alle mit der gleichen tschechischen Pistole der Marke Ceska, Kaliber 7,65, erschossen und waren Inhaber von kleinen Geschäften wie Imbissbuden, Gemüse- oder Blumenläden. Die Morde folgten stets dem gleichen Muster: Der oder die Mörder kamen am helllichten Tag, schossen ihren Opfern aus nächster Nähe in den Kopf und verschwanden, ohne große Spuren zu hinterlassen.

Die neue Dimension des Falls ruft jetzt auch die Bundesanwaltschaft auf den Plan. Nachdem tagelang verschiedene Teams im sächsischen Zwickau, im thüringischen Eisenach und in Baden-Württemberg ermittelt hatten, laufen die Fäden nun in Karlsruhe zusammen. "Es liegen zureichende Anhaltspunkte dafür vor, dass die Mordtaten einer rechtsextremistischen Gruppierung zuzurechnen sind", teilte die Bundesanwaltschaft am Freitag mit.

Ermittler tappten jahrelang im Dunkeln

Am vergangenen Freitag nahmen die Ermittlungen im Fall des Heilbronner Polizistenmords nach jahrelanger Pause wieder an Fahrt auf: Ein schwerer Wohnungsbrand in Zwickau, ein Banküberfall in Eisenach und ein ausgebranntes Wohnmobil in der Nähe des Tatortes mit den zwei toten mutmaßlichen Bankräubern brachten die Fahnder auf die vielversprechende Spur.

Zuvor tappten die Ermittler viereinhalb Jahre lang im Dunkeln. Monatelang suchten sie nach einem Phantom. Erst im März 2009 stellte sich heraus, dass eine vermutete heiße DNA-Spur von verunreinigten Wattestäbchen stammte. Der SWR berichtete, dass die Polizei inzwischen davon ausgeht, dass einer der beiden 34- und 38-jährigen mutmaßlichen Bankräuber seinen Komplizen erschossen und sich dann selbst getötet hat - weil Polizisten im Anmarsch waren. Beate Z. habe dann unmittelbar nach dem Tod der beiden Männer deren Familie angerufen.

In dem zerstörten Wohnmobil fand die Polizei die Dienstwaffen und weitere Gegenstände der vor viereinhalb Jahren in Heilbronn getöteten, aus Thüringen stammenden Beamtin Michele Kiesewetter und ihres Kollegen. Der 22-jährigen Kiesewetter wurde am hellichten Tag auf einer Festwiese in den Kopf geschossen. Ihr damals 24-jähriger Streifen-Kollege wurde schwer verletzt und lag mehrere Wochen im Koma.

Beate Z. steht im Fokus der Ermittlungen

Im Fokus der Ermittlungen steht Beate Z., die in Zwickau der schweren Brandstiftung, des Mordes und des versuchtes Mordes verdächtigt wird. Doch die Frau schweigt beharrlich. Die Fahnder gehen davon aus, dass die 36-Jährige und ihre Mitbewohner Uwe M. und Uwe B. bereits Ende der 1990er Jahre Verbindungen zu rechtsextremistischen Kreisen hatten und im "Thüringer Heimatschutz" aktiv waren. Vor 13 Jahren war das Trio abgetaucht. Polizei und Staatsanwaltschaft in Zwickau hatten bereits am Mittwoch gesagt, ihnen sei das Trio, das unter verschiedenen Namen auftrat, bis zum vergangenen Freitag gar nicht bekanntgewesen.

In der Zwickauer Wohnung wurden mittlerweile Beweise sichergestellt, die auf ein rechtsextremes Motiv für die Morde hindeuten. Die Staatsanwaltschaft nimmt an, dass auch andere Verdächtige aus der rechtsradikalen Szene in die Taten verstrickt sind.

mlr/DPA / DPA