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Hells Angels, Bandidos und Co. In Deutschland tobt der Krieg der Rocker


Sie sind keine putzigen Motorradnarren, sondern häufig Kriminelle: Hells Angels, Bandidos und andere Rockergruppen. Nach der Tötung eines Polizisten wird wieder darüber gestritten, ob die Rocker verboten werden sollten.
Von Manuela Pfohl

Eine Messerattacke auf Nachwuchs-Bandidos in Kiel, ein tödlicher Schuss auf einen Hells Angel in Ibbrüggen, Revierkämpfe zwischen dem Gremium MC und Bandidos im Raum Straubing, ein Mord an einem Outlaw-Boss in Kaiserslautern mit drei angeklagten Hells Angels. Und diese Woche die Tötung eines Polizisten in Koblenz. Schaut man sich allein die Meldungen der vergangenen Monate an, wird es offensichtlich: Zwischen den Rockergangs in Deutschland tobt ein erbitterter Krieg, der immer offener und brutaler ausgetragen wird - auch gegenüber der Polizei.

Dabei geht es längst nicht mehr nur um interne Revierkämpfe. Nach Einschätzung des Bundeskriminalamtes (BKA) ringen die Banden vor allem um Geschäftsanteile im Rotlichtmilieu und im Menschenhandel. Die Bilanz ist so erschreckend wie eindeutig: Für das Jahr 2008 registrierte das BKA insgesamt 15 Strafverfahren, bei denen es um den Vorwurf der organisierten Kriminalität durch Rockergruppen in Deutschland geht.

Umtriebig im Schutzgeld - und Türstehergeschäft

In neun Fällen stand der Bandidos MC im Visier der Ermittler, in je zwei Fällen die Hells Angels und der Gremium MC. Einmal standen die Outlaws und in einem Fall stand der Red Devils MC im Fokus. In acht Ermittlungsverfahren ging es um Kokain und Amphetamine, in anderen um Waffen und Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung. Umtriebig seien die Gruppen auch im Schutzgeld- und Türstehergeschäft, heißt es. Eine genaue Statistik über Straftaten im Zusammenhang mit den Rockergruppen kann laut BKA jedoch nur schwer erstellt werden, weil solche Verbrechen nicht gesondert erfasst werden.

Organisiert sind die Clubs bundesweit in so genannten Chaptern, also in Untergruppen, die auf bestimmte Regionen aufgeteilt sind. Das bayerische Innenministerium sieht einen Schwerpunkt der Aktivitäten im Norden und Osten Deutschlands. Aber auch internationale Verbindungen der Gruppen gelten als sicher. "Die Mitglieder in den verschiedenen Ländern pflegen sehr intensive Kontakte", sagt eine BKA-Sprecherin. Das äußere sich regelmäßig bei internationalen Treffen, unter anderem in Deutschland.

Nutzt ein Verbot?

Dass die kriminellen Aktivitäten einträglich sind, stellten Hamburger Fahnder bereits 2001 fest, als sie gegen die Hells Angels und ihre Aktivitäten im Rotlichtmilieu auf der Reeperbahn ermittelten. Auf dem Höhepunkt ihrer Macht im Sommer 2000 beliefen sich die monatlichen Bordellumsätze der Rocker angeblich auf 150.000 Euro. Nach der Verhaftung der gesamten Führungsriege wurde die Organisation 2001 in Hamburg verboten. Ob das ihre Aktivitäten wirklich nachhaltig beeinträchtigt hat, bezweifeln viele Ermittler.

Dennoch kocht die Debatte nun hoch, ob ein mögliches Verbot der Rocker auch in anderen Ländern sinnvoll ist. Lässt sich der Rockerkrieg durch ein Verbot der Banden beenden, wie es unter anderem der rheinland-pfälzische Innenminister Karl Peter Bruch (SPD) fordert? Konrad Freiberg, Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), warnt vor Schnellschüssen. Natürlich sei ein Verbot wünschenswert. Allerdings müsse ein solches Verfahren genauestens geprüft werden, um ein Desaster wie beim gescheiterten NPD-Verbotsverfahren zu vermeiden. Bislang, so Freiberg, seien entsprechende Aktivitäten immer an rechtlichen Schwierigkeiten und mangelnden Beweisen gescheitert. Bei Straftaten bemühten sich etwa die Hells Angels immer wieder auch mit Hilfe von Anwälten darum, kriminelle Aktionen als Handlungen Einzelner darzustellen.

Polizeigewerkschaft bemängelt fehlendes Personal

Es sei zu vermuten, dass die Rocker nach einem Verbot ihre Organisationsstruktur verändern und die Aktionsfelder einfach nur verlagerten, so Freiberg. Er fordert deshalb, dass bundesweit mehr ermittelt werden müsse, um nachweisen zu können, dass solche Organisationen strategisch gesteuert werden. Allerdings sei dafür entschieden mehr Personal bei der Polizei nötig.


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