Hells Angels gegen Bandidos Massenschlägerei in Duisburg


Eskalierte Rocker-Feindschaft: Etwa 60 Mitglieder der beiden Banden "Hells Angels" und "Bandidos" haben sich in der Nacht zum Sonntag im Duisburger Rotlichtviertel eine Massenschlägerei geliefert. Danach wurde die Situation auch in anderen Clubs brenzelig.

"Hells Angels" und "Bandidos" sind am Samstagabend im Duisburger Rotlichtviertel aufeinander losgegangen. Rocker des Motorradclubs "Hells Angels" waren mit Schlagstöcken bewaffnet in das Stammlokal der "Bandidos" gezogen, wie die Polizei mitteilte. Etwa 60 Rocker beider Seiten waren in die Schlägerei verwickelt. Mehrere hundert Schaulustige, darunter auch viele "Bandido"-Anhänger, kamen später zum Tatort. Hinweise über verletzte Rocker gab es zunächst nicht. Im Lokal gingen Fensterscheiben und Teile der Inneneinrichtung zu Bruch.

Geflügelter Totenkopf und ein Mexikaner mit Machete und Pistole - das sind die Symbole der verfeindeten Motorradclubs "Hells Angels" und "Bandidos". Seit mehreren Jahren bekämpfen sich ihre Mitglieder brutal. Experten gehen davon aus, dass es bei der Fehde auch um das Abstecken von Revieren für Rauschgifthandel und illegale Prostitution geht.

In der Nacht zum Sonntag war zunächst die Rede von 300 Prügelnden gewesen. Die Polizei war mit 100 Beamten im Einsatz. Wenige Stunden später wurde in das Solinger Clubhaus der "Hells Angels" eine Handgranate geworfen, sie explodierte jedoch nicht und wurde entschärft. 20 Menschen waren zum Zeitpunkt in dem Lokal, wie die Polizei Wuppertal mitteilte. Außerdem sollen Schüsse auf den Club abgegeben worden sein. In Essen stellte die Polizei Schüsse auf einen "Bandidos"-Club fest. Die Beamten fanden zwei Einschusslöcher in der schusssicheren Glastür des leeren Lokals.

Die Schlägerei in Duisburg hat laut Ermittlern wahrscheinlich mit dem Mord an einem "Bandido"-Mitglied zu tun. Am 8. Oktober war ein 32-jähriger "Bandido"-Anhänger von einem Profi-Kampfsportler in der Nähe des Duisburger Clubhauses erschossen worden. Der mutmaßliche Schütze soll mit der rivalisierenden Rockerbande "Hells Angels" sympathisieren. Die beiden Männer hatten sich um eine Frau gestritten, dabei fielen die tödlichen Schüsse.

Beide verfeindete Clubs haben nach Schätzungen der Polizei in Deutschland Hunderte von Ortsvereinen mit zusammen mehreren tausend Mitgliedern. Ihre Ursprünge sind ähnlich: "Hells Angels" und "Bandidos" wurden von Kriegsveteranen in den USA gegründet. Dies erklärt die international straffen Hierarchien, die Orden und Uniformen.

Die "Hells Angels" wurden 1948 von Harley-Davidson-Liebhabern in Kalifornien ins Leben gerufen. Seitdem ist aus dem Motorradclub die wohl mitgliederstärkste und mächtigste Rockerorganisation weltweit geworden. Eine Untersuchung der europäischen Polizeibehörde Europol für Kanada und Europa aus dem Jahr 2005 ergab, dass mehr als die Hälfte der "Engel" vorbestraft ist. Einige Ortsvereine wurden als kriminell eingestuft und verboten, unter ihnen Hamburg und Düsseldorf. Die "Bandidos" wurden 1966 von Vietnam-Veteranen in Texas gegründet. Der erste europäische Ableger entstand 1989 in Frankreich. In Deutschland sind sie seit etwa elf Jahren aktiv.

DPA/AP AP DPA

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