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Prozessbeginn in Kiel: Hells-Angels-Rocker soll Prostituierte brutal vergewaltigt haben

Ein Ex-Hells-Angels-Anführer soll eine junge Frau brutal vergewaltigt haben. Der Prozess gegen ihn wurde bereits zweimal vertagt. Am Dienstag startet das Landgericht in Kiel einen neuen Anlauf.

Prozess gegen Hells-Angels-Mitglied wegen Vergewaltigung

Immer wieder sind Mitglieder von Rocker-Gruppen wie Hells Angels oder Bandidos in kriminelle Vorfälle verwickelt. Häufig geht es dabei um Drogenhandel, Waffenbesitz oder Prostitution.

Dem ehemaligen Vize-Chef der inzwischen verbotenen Hells Angels in Kiel wird wegen Vergewaltigung einer Zwangsprostituierten vor Gericht gestellt. Der Rocker ist angeklagt, zwischen September 2010 und März 2011 eine damals 20-Jährige dreimal auf besonders erniedrigende Weise vergewaltigt zu haben. Für den Prozess gegen den 57-Jährigen nimmt das Landgericht Kiel am Dienstag einen dritten Anlauf, nachdem die Verhandlung bereits zweimal geplatzt war.

Das mutmaßliche Opfer ist Hauptbelastungszeugin und Nebenklägerin. Die junge Frau erlitt dem damaligen Gutachten zufolge ein schweres seelisches Trauma. Sie ist im Zeugenschutzprogramm. Im November 2012 war sie mit Drillingen schwanger. Die Schwangerschaft galt als Risiko, das ihr Leben akut gefährdete. Deswegen setzte die Kammer das Verfahren im zweiten Anlauf auf Antrag der Verteidigung aus.

Die Verteidigung hatte betont, dass im Prozess Aussage gegen Aussage stehe und die Zeugin einer besonders kritischen Befragung ausgesetzt sei. Den ersten Prozessstart hatte der Verteidiger mit einem Befangenheitsantrag gegen einen der Laienrichter gestoppt.

Zuhälter hatte Vergewaltigung gebilligt

In dem Verfahren sollte auch der ehemalige Boss der inzwischen aufgelösten Legion 81, einer Unterstützertruppe der Hells Angels, aussagen. Er war Zuhälter der Zwangsprostituierten und soll die Vergewaltigung der sich heftig wehrenden und weinenden Frau gebilligt haben.

Der zu mehreren Jahren Haft verurteilte Mann ist ebenfalls im Zeugenschutzprogramm. Er hatte als Aussteiger die bislang größte Razzia gegen Rocker in Schleswig-Holstein und eine wochenlange vergebliche Leichensuche in einer Lagerhalle bei Kiel ausgelöst. An seiner Glaubwürdigkeit wurden aber Zweifel laut.

Nach Angaben eines Gerichtssprechers sind zum erneuten Prozessauftakt am Dienstag noch keine Zeugen geladen. Es werde zunächst nur die Anklage verlesen. Ob sich der angeklagte ehemalige Rocker-Vize danach äußern wird, ist nicht bekannt. Rocker-Gruppen wie Hells Angels, Bandidos oder Gremium MC werden immer wieder mit der organisierten Kriminalität in Verbindung gebracht. Dabei geht es häufig um Drogenhandel, Waffenbesitz, Prostitution oder Gewaltausbrüche.

 

jho / DPA