Hinrichtung Aufschub in letzter Minute


Der gebürtige Nürnberger Troy Kunkle befand sich bereits im Warteraum neben der Todeskammer im texanischen Staatsgefängnis von Huntsville, als er von der Entscheidung erfuhr. Seine Exekution wurde aufgeschoben - vorerst.

In letzter Minute hat das Oberste Gericht der USA die Hinrichtung des gebürtigen Nürnbergers Troy Kunkle ausgesetzt. Mit fünf zu vier Richterstimmen verfügte der Supreme Court in Washington, dass der Fall neu überprüft werden soll.

Zu diesem Zeitpunkt hätten die Justizangestellten im texanischen Gefängnis Huntsville dem 38-jährigen Kunkle schon das tödliche Gift injizieren können. Die Entscheidung der Richter fiel 40 Minuten nach der ursprünglich festgelegten Zeit für die Vollstreckung der Todesstrafe. Die Behörden in Texas beschlossen aber, noch die Entscheidung des Obersten Gerichts abzuwarten.

"Gelobt sei Gott!"

Der Gefangene habe mit großer Begeisterung auf die Nachricht reagiert, sagte Gefängnissprecherin Michelle Lyons. Er habe ausgerufen: "Gelobt sei Gott!" Kunkle hatte zu diesem Zeitpunkt bereits die traditionelle letzte Mahlzeit hinter sich - er hatte um ein Steak mit Pommes frites sowie um ein gebratenes Hühnchen mit Mais gebeten. Danach wartete der Häftling zusammen mit einem Geistlichen und Gefängnisaufsehern, bis ihn sein Anwalt telefonisch von der Entscheidung unterrichtete.

Der unbefristete Aufschub ist schon der zweite für Kunkle in diesem Jahr. Im Juli hatte das Oberste Gericht die Tötung neun Stunden vor dem angesetzten Termin gestoppt. Die Strafrichter lehnten es im Oktober dann jedoch ab, den Fall neu zu prüfen. Daraufhin wurde der Hinrichtungstermin für Donnerstag neu angesetzt.

Kunkle wurde wegen der Erschießung eines 31-Jährigen vor 20 Jahren in der Stadt Corpus Christi verurteilt. Danach soll der damals 18-Jährige einen Refrain aus einem Lied der Heavy-Metal-Band Metallica gesungen haben: "Another day, another death, another sorrow, another breath".

1984 zum Tode verurteilt

Zusammen mit vier Freunden fuhr Kunkle den Gerichtsakten zufolge am 11. August 1984 nach dem Konsum von Bier und Drogen von San Antonio aus an den Strand von Corpus Christi. Dort traf die Gruppe auf den 31-jährigen Stephen Horton. Sie boten ihm an, ihn ein Stück im Auto mitzunehmen. Nachdem er eingestiegen war, wurde er von Kunkle nach Aussage von Zeugen mit einer Pistole erschossen. Die fünf Männer warfen die Leiche des Opfers aus dem Fahrzeug und nahmen seinen Geldbeutel mit 13 Dollar an sich. Nach der Verhaftung aller Beteiligten in San Antonio wurde Kunkle zum Tode verurteilt. Drei seiner Freunde erhielten Gefängnisstrafen bis zu 30 Jahren, der vierte wurde nicht angeklagt.

Die Anwälte Kunkles machten geltend, dass ihr Mandant in einer schwierigen Umgebung groß geworden sei. Kunkles Vater war als Soldat in Nürnberg stationiert; seine Eltern litten beide an Depressionen und waren deswegen in Behandlung. In ihrer Eingabe vor dem Obersten Gerichtshof beriefen sich die Anwälte auf eine jüngste Entscheidung des Supreme Court, wonach Angeklagte das Recht haben müssen, solche mildernden Umstände ausreichend darzulegen.

"Grausam und unmenschlich"

Kurz vor dem Hinrichtungstermin hatte sich auch der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly erneut für den Häftling eingesetzt. In einem Brief bat er den texanischen Gouverneur Rick Perry, die Todesstrafe gegen den gebürtigen Nürnberger in lebenslange Haft umzuwandeln. Der verurteilte Mörder müsse für das verübte Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden, die Todesstrafe sei aber "grausam und unmenschlich". Sie verstoße gegen das fundamentale Menschenrecht auf Leben.

Bislang sind in Texas 23 Personen seit Beginn des Jahres hingerichtet worden. Am 1. Dezember soll eine 39-jährige Frau hingerichtet werden, die wegen der Ermordung ihres Mannes und ihrer zwei Kinder zum Tode verurteilt wurde.

Michael Graczyk/AP AP

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