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Hochstapler verurteilt: Wie Marc G. alle an der Nase herumführte

Mal war er Staatsanwalt Tassilo von Hirsch, mal gab er sich als Pilot oder Arzt aus. Das Düsseldorfer Landgericht hat einen notorischen Hochstapler erneut aus dem Verkehr gezogen.

Der Angeklagte Marc G. sitzt in einem Gerichtssaal des Landgerichts in Düsseldorf.

Marc G. gab sich unter anderem als Pilot und Staatsanwalt aus

Es sei "wirklich unfein" gewesen, für die Telefonate mit Sex-Hotlines ausgerechnet das Konto seiner Anwaltskanzlei anzugeben, sagt Rechtsanwalt Ingo Schmitz. Aber es zeige auch die "massiven Störungen" seines Mandanten: "Er wollte lustvoll betrügen." Wie eine Spielsucht sei das. Je dreister der Betrug, desto größer der "Kick". Sein Mandant, ein notorischer Hochstapler, erhielt dafür in Düsseldorf am Montag die Quittung: Das Landgericht verurteilte den 28-Jährigen aus Ratingen zu drei Jahren und neun Monaten Haft.

Das Gericht sprach den mehrfach einschlägig vorbestraften Mann wegen Betrugs und Titelmissbrauchs schuldig. Dass der sogar seinen Rechtsanwalt betrogen habe, zeige seine kriminelle Energie. Für den Betrug am eigenen Anwalt hatte er einfach dessen Kontodaten vom Briefpapier verwendet.

Prostituierte anfliegen lassen und um Lohn geprellt

Mehr als 30 Taten waren Marc G. diesmal vorgeworfen worden. Als besonders verwerflich hatte die Staatsanwältin hervorgehoben, dass der 28-Jährige unter falschem Namen eine Prostituierte per Flugzeug aus Berlin nach Düsseldorf beordert habe, um sie dann um Lohn und Spesen zu prellen. Auch das Gericht verhängte dafür die höchste Einzelstrafe.

Seine bisherigen Erfahrungen mit der Justiz scheinen Marc G. eher inspiriert als geläutert zu haben: Nachdem er früher als falscher Arzt, Pilot und Diplomat sein Unwesen trieb, trat er nach seiner letzten Verurteilung als Staatsanwalt "Tassilo von Hirsch" auf.

Die Vorsitzende Richterin Bettina Reucher-Hodges spart angesichts der Unverfrorenheit des Wiederholungstäters nicht mit eindringlichen Worten: "Wir verschonen Sie von der Haft, und dann begehen Sie diese Taten. Die deutlichen Warnzeichen der Justiz haben Sie ständig missachtet. Ich hoffe, dass Sie ihren Weg ändern", sagt die Juristin und legt dem 28-Jährigen nahe, sich in der Haft endlich mal um eine Berufsausbildung zu bemühen. Ohne sein umfassendes Geständnis wäre die Strafe noch deutlich höher ausgefallen.

Der Aushilfskellner kaufte im Namen seiner Mutter ein

"Ich war der Prahler, der im Mittelpunkt stand, Champagner ausgegeben und das Geld rausgelassen hat", hatte der so Kritisierte beim Prozessauftakt gestanden. Im Düsseldorfer Nachtleben, in Nobel-Clubs, Bordellen und beim Shopping auf der Königsallee habe er insgesamt bereits eine sechsstellige Summe verprasst.

Für 10.000 Euro hatte er die Escort-Dame aus Berlin an seinen Wohnort nach Ratingen geordert, die ihm dort mehrere Stunden mit verbundenen Augen zu Diensten war. Damit seine unter ihm wohnende Mutter vom Treiben nichts mitbekam, musste das Callgirl Ballettschuhe tragen.

Ob Tausende Euro für Zigarren oder teure Kleidung - Aushilfskellner Marc G. hat es krachen lassen, wenn es darum ging, unter falschem Namen, auch dem seiner Mutter, online einzukaufen. Auf 38 Alias-Namen kam die Anklage. Verteidiger Schmitz wirft sich am Montag vergeblich für eine Bewährungsstrafe ins Zeug. Eine Therapie sei viel wichtiger, sagt er.

jen/Frank Christiansen / DPA
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Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?