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Horrorhaus in Höxter: Wilfried W. soll Nachrichten mit Sex-Witzen verschickt haben

Um die Opfer auf seinen Hof in Höxter zu locken, schaltete Wilfried W. Kontaktanzeigen. Mit den Frauen schickte er sich dann Nachrichten auf WhatsApp. Wonach er genau suchte, daraus machte er kein Geheimnis.

Polizeiwagen stehen vor dem Haus in Höxter

Die Polizei ermittelt gegen ein Paar aus Höxter, das mehrere Frauen auf ihrem Gehöft misshandelt haben soll.

Wilfried W. hatte in Höxter mehrere Frauen misshandelt - mindestens zwei sind gestorben. Und es tun sich immer größere Abgründe auf: Auch eine Frau aus dem Großraum Berlin erlitt auf dem Hof nach eigenen Angaben Qualen. Die Polizei geht von weiteren Opfern aus. Um die Frauen auf den Hof zu locken, schaltete Wilfried W. Kontaktanzeigen. Es folgten WhatsApp-Nachrichten und Telefonate. Und in denen wurde W. offenbar ziemlich direkt.

"Die auch versaut ist, im Bett auch versaut ist"

Die "Bild" veröffentlicht Auszüge aus einem Chat mit einer Frau, mit der W. eine Woche lang Kontakt gehabt haben soll. Darin schrieb er: "Ich such halt eine heißblütige Frau für eine feste Partnerschaft. Ne heißblütige und die auch viele Sachen auch mag. Hab ich dir das letzte Mal auch gesagt. Die auch kuschelig ist und die Spaß macht. Mit der man reden kann. Die auch versaut ist, im Bett auch versaut ist. Und so weiter und sofort." Auch Videoclips mit derben Sex-Witzen soll er ihr geschickt haben.

Als sie telefonisch eine Weile nicht erreichbar gewesen sein soll, soll er ihr Vorwürfe gemacht haben: "Ja, ich will mir dir telefonieren und du bist ja nicht da. Oder hast du doch einen anderen Mann da am Start? Du bist nie erreichbar irgendwie (…) Wo du drei Stunden hinrennst, weiß ich nicht. Oder hast du vielleicht doch nebenbei einen Mann, wo du dich gerade treffen tust, kannst du mir ja sagen."

Höxter: Polizei sucht weitere Opfer

Wilfried W. und seine Ex-Frau Angelika B. sollen auf dem Gehöft in in den vergangenen Jahren mehrere Frauen gequält haben. Mindestens zwei Opfer aus Niedersachsen starben. Die Ermittler vermuten sadistische Machtspiele als Motiv.  Die Polizei sucht nach weiteren Opfern des festgenommenen Paares. Hinweise auf weitere Tote gebe es bislang nicht, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Donnerstag. Es gebe jedoch Hinweise darauf, dass in dem Haus vier bis fünf weitere Frauen gewesen sein könnten und dass weitere Kontakte zu Frauen bestanden.


Laut Polizei sind bisher teilweise nur "Namensfragmente" der Frauen bekannt. Eine 51-Jährige aus dem Großraum Berlin hat den Ermittlern von einem monatelangen Martyrium in Höxter-Bosseborn berichtet.

Die Frau war nach eigenen Aussagen rund drei Monate - von Ende 2011 bis März 2012 - in dem früheren Bauernhaus festgehalten und körperlich misshandelt worden, wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten. Sie habe keine Möglichkeit zur Flucht gehabt. Nach einer "erheblichen körperlichen Auseinandersetzung" sei die Frau von den beiden Beschuldigten in einen Zug nach Hause gesetzt worden. Aus Angst vor angedrohter Gewalt habe sie die Polizei nicht eingeschaltet, bis nun die beiden tödlichen Misshandlungen ans Licht kamen.

Wilfried W. betrieb auch einen Kiosk

Das mutmaßliche Opfer hatte sich am Sonntag bei der Polizei gemeldet. Kennengelernt hatte sie den Beschuldigten durch eine Kontaktanzeige. Nach einigen Telefonaten reiste sie im August 2011 erstmals ins   Weserbergland. Bei diesem dreiwöchigen Besuch habe es jedoch keine Übergriffe gegeben. Der Besuch sei harmonisch und konfliktfrei verlaufen, sagte ein Polizeisprecher. Die Frau hielt Telefonkontakt und entschloss sich schließlich zu einem zweiten Aufenthalt. Erst dann sei es zu Misshandlungen gekommen.

Die Ermittler arbeiten sich laut Staatsanwaltschaft nun auch in den Zeitraum von 1999 bis 2010 vor, der bislang weitgehend im Dunkeln liegt. So wurden inzwischen die Wohnorte des festgenommenen Paares der letzten Jahre ermittelt. Der Sprecher wollte diese aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen. Bekannt ist, dass beide zuvor im lippischen Schlangen, 50 Kilometer von Höxter entfernt, gewohnt hatten. Der beschuldigte Hauptverdächtige habe zeitweise auch ein Kiosk in Brakel geführt.

Auch Hinweisen aus der Bevölkerung geht die Polizei nach. Das heruntergekommene Haus in Höxter wurde am Mittwoch mit Kräften einer Einsatzhundertschaft ausgeräumt. "Unsere Techniker können leere Räume einfach besser untersuchen. Wir müssen viel Müll rausschaffen", sagte ein Polizeisprecher.

Das verdächtige Paar soll nach bisherigen Erkenntnissen im Zeitraum 2013/14 eine 33-jährige Frau aus Niedersachsen sowie in diesem April eine 41-Jährige aus Bad Gandersheim zu Tode misshandelt haben.

Auch Frauke Liebs ein Opfer?

Auch der rund zehn Jahre zurückliegende Mord an der 21-jährigen Schwesternschülerin Frauke Liebs in Paderborn ist laut Staatsanwaltschaft "ein Prüffall". Hinweise auf einen Zusammenhang mit dem festgenommenen Paar gebe es aber bislang "definitiv nicht".
Nach Einschätzung des Staatsanwalts ist ein Zusammenhang "eher unwahrscheinlich". "Gleichwohl prüfen wir das."

Liebs hatte am 20. Juni 2006 ein Spiel der Fußball-WM in einer Kneipe in Paderborn gesehen und war danach verschwunden. Mehrere Tage lang meldete sie sich noch mit mysteriösen Telefonanrufen bei ihrem damaligen Mitbewohner. Drei Monate später wurde ihre Leiche in einem Wald entdeckt.

Die nur wenig mehr als 500 Einwohner zählende Ortschaft Bosseborn, die zu Höxter gehört, liegt im Osten von Nordrhein-Westfalen an der Grenze zu Niedersachsen. Dort zeigt man sich bestürzt über die Ereignisse. Ein fürs Wochenende geplantes Dorffest sagte der Heimatschützenverein ab.

jek / DPA