HOME

"Horror-Haus" in Höxter: Opfer über erste Begegnung mit Wilfried W.: "Er war so einfühlsam, so zärtlich"

Wilfried W. schaltete Anzeigen, um Frauen kennenzulernen - und diese in sein Haus nach Höxter zu locken. Eine 35-Jährige, die fast auf den wegen Mordes angeklagten Mann hereingefallen wäre, spricht nun öffentlich über die Begegnung.

Wilfried W. aus Höxter ist wegen Mordes angeklagt

Wilfried W. aus Höxter ist wegen Mordes angeklagt

Über Jahre hinweg sollen Wilfried W. und seine Ex-Frau Angelika W. mehrere Frauen in ihr Wohnhaus im ostwestfälischen Höxter gelockt und dort brutal gequält haben. Die beiden müssen sich deshalb seit Oktober wegen zweifachen Mordes durch Unterlassen vor dem Landgericht Paderborn verantworten.

Würgen, anketten, schlagen, verbrühen: Die Liste der Misshandlungen, die die Angeklagten ihren Opfern zugefügt haben sollen, ist lang. Am Mittwoch schilderte Angelika W., wie sie und Wilfried W. in dem ehemaligen Bauernhaus Frauen gequält und malträtiert haben.

Laut der 47-Jährigen war ihr Ex-Mann die treibende Kraft der bestialischen Taten. Er selbst schweigt bislang zu den Vorwürfen.

Der Kontakt zu den späteren Opfern erfolgte stets nach ähnlichem Schema: Der 46-Jährige schaltete Kontaktanzeigen in Zeitungen und im Internet. Daraufhin meldeten sich Frauen auf die Annoncen. Eine von ihnen ist die 35 Jahre alte Nathalie K., die nun in der "Bild"-Zeitung von ihren Begegnungen mit Wilfried W. erzählt hat - und die die Liaison rechtzeitig beendete, bevor auch sie zum Opfer wurde.

"Ein Bild von einem Mann"

Laut Nathalie K. meldete sie sich schriftlich auf eine von Wilfried W.'s Anzeigen, er rief sie zurück. "Er hatte eine warme, dunkle Stimme. Er hatte was - schon am Telefon", sagte sie demnach. Beim ersten Treffen verliebte sie sich sofort. "Knapp zwei Meter groß, kräftig. Ein Bild von einem Mann". 

Gleich am ersten Abend hätten sie Sex gehabt. "Es stimmte halt alles. Er war so zärtlich, so einfühlsam." Nur zwei Wochen später habe Wilfried W. sie gebeten, sie zu heiraten zu ihm nach Höxter zu ziehen. Er sagte, sein Haus habe viel Platz. Seine Schwester, mit der er zusammenwohne, störe die Liebe nicht." Damit war Angelika W. gemeint - die beiden gaben sich Opfern gegenüber oft als Bruder und Schwester aus.

Stutzig sei sie geworden, als Wilfried W. seine Angebetete darum bat, Freunden und Verwandten nichts vom Umzug zu erzählen. Zudem habe Angelika W. immer öfter bei ihr angerufen, sie angeschrien und gewarnt, ihren "Bruder" ja nicht zu enttäuschen.

Sie machte Schluss - Wilfried W. ließ seine Maske fallen

Schließlich machte Nathalie K. am Telefon Schluss mit Wilfried W. "Da fiel die Maske", so die 35-Jährige zu "Bild". Er habe gedroht, bald vor ihrer Tür zu stehen. "Du wirst erleben, was es heißt, mich zu belügen", soll er gedroht haben. Erst, als ein Freund von Nathalie K. bei Wilfried W. anrief und mit der Polizei drohte, habe der Mann Ruhe gegeben.

Die "Bild"-Zeitung berichtet außerdem unter Berufung auf Gerichtsaussagen von Angelika K., dass Wilfried W. sich bei den RTL-Sendungen "Bauer sucht Frau" und "Schwiegertochter gesucht" beworben haben soll. Der Sender wollte das nicht bestätigen. 

kis