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Holocaust-Leugner: Williamson wehrt sich gegen Strafbefehl

Der britische Piusbruder Richard Williamson setzt sich gegen die deutsche Justiz zur Wehr. Im Januar hatte der Bischof in einem Interview für das schwedische Fernsehen den Holocaust geleugnet, nun soll er rechtlich dafür belangt werden.

Der britische Bischof Richard Williamson wehrt sich gegen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft Regensburg. Diese hatte am Mittwoch einen Strafbefehl wegen Volksverhetzung beantragt, da Williamson in einem im Januar ausgestrahlten Interview mit dem schwedischen Fernsehen den Holocaust geleugnet hatte. Der Bischof der Piusbruderschaft bezweifelt, dass der gegen ihn beantragte Strafbefehl rechtlich zulässig ist. Denn ausschlaggebend für die Strafwürdigkeit sei ja, "ob ich der Veröffentlichung meines Interviews in Deutschland zugestimmt habe", sagte Williamson dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Doch das sei nicht der Fall gewesen.

"Ich habe versucht, mich dagegen zu wehren, dass mein Gespräch mit dem schwedischen Fernsehen über den Umweg Internet auch in Deutschland verbreitet wird", behauptete Williamson. Tatsächlich hatte Williamson bereits Anfang Januar eine einstweilige Verfügung gegen die Veröffentlichung seines Interviews im Internet durch das schwedische Fernsehen in die Wege geleitet, die allerdings vor Gericht scheiterte. Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" soll das schwedische Fernsehunternehmen in einem Schreiben an die Regensburger Staatsanwaltschaft dargelegt haben, dass es keine Absprache mit Williamson gegeben habe, das Interview nur in Schweden auszustrahlen.

Williamson droht eine Geldstrafe von 12.000 Euro

Die Begründung des beantragten Strafbefehls kennt Williamson zwar noch nicht, doch drohe ihm eine Geldstrafe in Höhe von 12.000 Euro. "Überraschend hoch", so Williamson, denn bei Annahme eines solchen Strafbefehls gelte er in der Bundesrepublik als vorbestraft. Nach Angaben des Regensburger Amtsgerichts dürfte die Prüfung des am Mittwoch eingegangenen Strafbefehlantrags etwa eine Woche dauern. Da Williamson nicht in Deutschland lebt, würde ein eventueller Strafbefehl dann dem deutschen Rechtsanwalt des Bischofs zugestellt.

Der 69-jährige Williamson hatte im Priesterseminar der Piusbrüder in Zaitzkofen nahe Regensburg die Ermordung von sechs Millionen Juden in den Gaskammern bestritten und nur eine geringere Zahl von Opfern in den Konzentrationslagern der Nazis eingeräumt.

Papst Benedikt XVI. hatte im Januar die Exkommunikation von vier Bischöfen der Traditionalisten-Bruderschaft, darunter Williamson, ausgesetzt. Da zu diesem Zeitpunkt auch das Interview mit Williamson veröffentlicht wurde, wurde der Vatikan wegen des Umgangs mit den Piusbrüdern heftig kritisiert. Benedikt XVI. hatte später in einem Brief an alle Bischöfe Fehler bei der umstrittenen Aufhebung der Exkommunikation eingeräumt und erklärt, von der Holocaust-Leugnung erst nach seiner Entscheidung erfahren zu haben.

DPA / DPA