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Holzklotz-Anschlag: Eine Stadt unter Schock

Ein niedliches Städtchen bei Münster steht unter Schock: Die Einwohner von Telgte sprechen überall über das grausige Schicksal der 33 Jahre jungen Olga K., die am Ostersonntag in ihrem Familienauto von einem Holzklotz getötet wurde. stern.de war vor Ort und sprach mit den Bürgern.

Von Tim Farin

Die Glocken der Sankt-Clemens-Kirche schellen gegen drei Uhr am Nachmittag, die Sonne hat ihren Weg zwischen den Wolken hindurch gefunden, ein paar Teenager werfen mit Bällen aufeinander, die sich noch aus dem letzten Schneerest vom schattigen Treppenabsatz neben dem Gotteshaus formen lassen. Ein Idyll im wiedererwachten Frühling, dieses Telgte, so spricht es aus den Gesichtern der beiden betagten Radwanderer, die vor der Kirche entlang spazieren. Doch es ist ein Idyll mit posttraumatischen Schäden. Das niedliche Städtchen bei Münster mit rund 19.000 Einwohnern steht unter Schock. Überall sprechen die Menschen über das grausige Schicksal der 33 Jahre jungen Olga K., die am Ostersonntag in ihrem Familienauto von einem Holzklotz getötet wurde.

Das Schicksal hat keine schönen Karten an die Deutsch-Russin Olga K. ausgeteilt, das sagen sie hier im Münsterland. Ein junger Mann im Schatten hinter dem Supermarkt, in dem K. noch vor ein paar Tagen freundlich hinter der Fleisch- und Käsetheke bediente, spricht von "einigen Schicksalsschlägen" im Leben der Frau. Er hat einen Kollegen, der die Familie des Opfers gut kennt. Natürlich haben sie da in den vergangenen Tagen über das Verbrechen von Oldenburg geredet und auch über die persönliche Geschichte der Familie.

Ein bisschen mehr davon erfuhren an diesem Morgen auch jene Bürger von Telgte, die Frau K. höchstens als Gesicht vom Einkaufen kannten. Das Antlitz der jungen Frau prangt plötzlich überall in den Zeitschriftenläden des Ortes von der Titelseite der Bild-Zeitung. "Ach, die ist das", sagt eine überraschte Rentnerin im Presse-Lotto-Tabak-Laden an der Straßenecke gegenüber der Arbeitsstelle des Opfers. Seitdem bekannt geworden war, dass die getötete Frau aus ihrer Stadt stammt, hatte sich die Dame viele Gedanken darüber gemacht, wer es denn sein könnte. Sie wirkt betroffen, sie spricht von der Familie, die jetzt zurückgeblieben ist, dem Gatten und den beiden Kindern der Ermordeten, sieben und neun Jahre jung. Der Sohn des Opfers gehe mit ihrem Enkel zur Schule. Die Opfer sind so nah.

Betreuung der Angehörigen

Heribert Schönauer spricht für die Stadt, und er weist darauf hin, dass man zum Schutze der Hinterbliebenen sehr diskret mit Informationen und Einschätzungen umgeht. Gestern war schon ein ganzer Medientross in der Stadt. "Da haben die Bürger sehr stark ihre Betroffenheit gezeigt", berichtet Schönauer, der seine Kommune in einem Zustand der "Erschütterung" und "Fassungslosigkeit" sieht. Die Familie sei nach Rücksprache außerhalb untergebracht worden, auch zum Schutz vor zu viel Neugierde und Anteilnahme durch die Öffentlichkeit. Wie es mit der seelischen Betreuung der Angehörigen weitergeht, dazu möchte Schönauer nicht zu viel sagen. Zunächst liegt das jedenfalls in der Verantwortung der Kreispolizei in Warendorf. Dort heißt es, die Betreuung sei sichergestellt.

"Durch einen unfassbaren, sinnlosen Mord ist diese Mutter gewaltsam aus dem Leben gerissen worden", beschreibt Stadtsprecher Schönauer, warum seine Mitbürger die Tat so sehr bewegt. Viele kannten das Opfer persönlich, Telgte ist ein überschaubarer Ort und per Fuß leicht durchmessen - die Familie ist vielen anderen Eltern zumindest aus der Schule bekannt.

In den Straßen sprechen sie über die Brutalität und Schonungslosigkeit, mit der es den Menschen Olga K. und seine Familie erwischt hat: Wer es noch nicht wusste, erfährt aus der Bild-Zeitung, dass die Verkäuferin schon mit 28 Jahren an Brustkrebs erkrankt war. Doch sie hat damals gekämpft, um für ihre Familie da zu sein. Und sie gewann. Und dann ist da dieser unfassbare Akt, den die Rentnerin aus dem Kiosk zu verstehen versucht. Was können sich die Täter gedacht haben? Waren sie betrunken, dumm, kriminell? Die Frau hinter der Kasse des Zeitschriftenladens hat einen entschlossenen Gesichtsausdruck, den ganzen Morgen hat sie schon gehört, wie die Bürger von Telgte über Olga K.‘s Tod diskutierten, angespornt von den Schlagzeilen des gut informierten Boulevard. Diese Tat sei kein Missgeschick, sondern Absicht gewesen, sagt die Frau, und nun müsse man die Kriminellen hart zur Rechenschaft ziehen.

Aber auch Rechenschaft, sagt die ältere Dame, die sich eine Illustrierte kauft, bringe die Frau nicht zurück ins Leben, zu ihren beiden Kindern, zu ihrem Ehemann in das dreigeschossige moderne Mehrfamilienhaus nahe am Stadtrand, an dem nichts hindeutet auf das Lebensende oder Kondolenz. "Und wenn man darüber nachdenkt, weiß man, dass es alle erwischen kann. Meine Tochter. Mich", sagt die ältere Dame, bevor sie mit dem Fahrrad davonfährt.

An der Sankt-Clemenskirche steht in Stein gemeißelt ein Spruch, der sich leicht in Verbindung bringen lässt mit dem Leben der 33-jährigen Deutschrussin, das am Ostermontag bei der Heimreise aus dem Urlaubsidyll sein Ende nahm. "Kommt zur schmerzhaften Mutter, lernt von ihr, das eigene Leid mit dem Leiden Jesu Christi zu vereinigen." Es ist ein Zitat aus einem Hirtenwort des früheren Kardinals von Münster, Clemens August von Galen. Ein paar Meter rechts daneben hängt der Schaukasten mit den Bekanntmachungen der katholischen Gemeinde. Wer sich nicht sicher war, welchen seiner Mitbürger der Anschlag von der A29 das Leben gekostet hat, findet hier die Gewissheit. An diesem Mittwoch nach Ostern sind es viele Menschen, die von der schrecklichen Nachricht angetrieben in diesen Glaskasten schauen, um mit dem grausamen Schicksal zumindest einen Namen verbinden zu können.

Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.