Holzklotz-Attacke Nikolai H. widerruft Geständnis


Der Fall des Holzklotzwerfers von Oldenburg schien schon aufgeklärt. Doch nun hat der mutmaßliche Täter Nikolai H. sein Geständnis widerrufen. Auch zwei weitere Beweise haben nach Ansicht der Verteidiger keinen Wert.

Der mutmaßliche Holzklotzmörder von Oldenburg hat sein Geständnis widerrufen. Das teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die Anwälte Matthias Koch und Andreas Schulz verlangten in einer Mitteilung, die bisherige Beweislage zu überprüfen. Es sei zu klären, ob Nikolai H. der Täter sei.

Warum H. gelogen haben will, war zunächst offen. Die Anwälte hätten ihren Mandanten dazu nichts erklären lassen, sagte Koch. "Im Holzklotzfall gibt es drei weitere Tatverdächtige", sagte der Rechtsanwalt und verwies auf Erkenntnisse aus der Akteneinsicht. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Stefan Schmidt, lehnte Angaben zu Ermittlungsdetails ab.

Die Staatsanwaltschaft habe bereits mit dem Landgericht Prozesstermine im Oktober und November vereinbart, teilten die Anwälte in der schriftlichen Erklärung mit. Dies erscheine verfrüht, zumal noch keine Anklage erhoben und zugelassen worden sei: "Es drängt sich der Eindruck auf, dass das rechtlich bedenklich zustande gekommene Geständnis deswegen gehalten werden muss, weil bereits die Hauptverhandlung terminlich feststeht." Es gebe begründete Anhaltspunkte dafür, dass H. unter Drogenentzug gestanden habe und ihm erst nach Ablegen eines Geständnisses die Ersatzdroge Methadon verabreicht worden sei. Die Zuordnung eines Handygesprächs zu dem Beschuldigten über eine Funkzellenauswertung habe keinen Beweiswert. Auch die vergleichende bodenkundliche Untersuchung des Holzklotzes sei problematisch. In der Vernehmung habe H. kein Täterwissen preisgegeben.

"Geständnis nicht gegenstandslos"

Das Geständnis ist auch nach dem schriftlichen Widerruf durch die Verteidiger nicht gegenstandslos, sagte Staatsanwalt Schmidt. "Das bedeutet nicht, dass wir darauf nicht zurückgreifen können." Jetzt sei abzuwägen, ob die Angaben aus dem Geständnis zuträfen oder nicht. Der 30-jährige bleibe aber in U-Haft. Die Ermittlungen würden weitergeführt. Ob diese sich auch gegen andere Verdächtige richten, wollte Schmidt nicht sagen. Auch zu weiteren Ermittlungsschritten machte er keine Angaben.

Nikolai H. wird vorgeworfen, am Ostersonntag einen sechs Kilogramm schweren Holzklotz von einer Autobahnbrücke nahe Oldenburg geworfen zu haben. Dabei starb eine 33 Jahre alte Mutter vor den Augen ihres Mannes und ihrer beiden Kinder. Nikolai H. hatte die Tat am 21. Mai zunächst gestanden.

AP/DPA AP DPA

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