Holzklotz-Fall Der Mörder trat als Zeuge auf


Die Polizei hat den Holzklotz-Werfer von der A 29: Der 30-jährige Nikolai H. hat gestanden, am Ostersonntag den Sechs-Kilo-Klotz von einer Autobahnbrücke bei Oldenburg geworfen zu haben. Dabei war die 33-jährige Olga K. tödlich getroffen worden. Besonders perfide: Der Mann war zunächst als Zeuge aufgetreten –sogar im Fernsehen.

Der tödliche Holzklotz-Wurf vom Ostersonntag ist für die Polizei aufgeklärt. Am Mittwoch verhafteten Beamte der Sonderkommission "Brücke" den 30 Jahre alten Nikolai H., der drogenabhängig ist und aus dem Oldenburg benachbarten Ort Rastede kommt. Er habe die Tat gestanden, teilten die Ermittlungsbehörden mit. Dem Mann wird Mord und vorsätzlicher gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr vorgeworfen. Er sagte laut Polizei, "allgemeiner Frust" sei der Grund für die Tat gwesen.

Bei der Attacke am Ostersonntag hatte ein von der Brücke geworfenes, sechs Kilogramm schweres Holzstück die Windschutzscheibe eines Autos durchschlagen und dabei die 33-jährige Olga K. aus Telgte vor den Augen ihrer Familie getötet. Das Verbrechen hatte bundesweit Aufsehen erregt und für Angst bei Autofahrern gesorgt.

Der Mann stand nach Angaben des Leiters der Sonderkommission "Brücke", Reiner Gerke, schon seit seiner ersten Aussage als angeblicher Zeuge am 5. April in Tatverdacht. H. hatte gesagt, er habe den Holzklotz auf der Autobahnbrücke gesehen und von der Fahrbahn geräumt, als er sich mit dem Fahrrad auf dem Weg zu seinem Drogendealer befunden habe. Später hatte er dem Fernsehsender "RTL" ein Interview gegeben und versucht, falsche Fährten zu legen. Zum Ende des Interviews jedoch geriet er zusehends außer Fassung.

Die Angaben des 30-Jährigen ließen "von Anfang an den Verdacht aufkommen, dass er mit der Tat zu tun haben könnte", sagte Gerke. Die Polizei ermittelte weiter und untersuchte auch das Grundstück des Mannes. Dort fand sie unter anderem Pappelholzstücke, ganz ähnlich dem tödlichen Wurfgeschoss. Auch wurden Bodenproben genommen

Nicolai H. war mit seiner Familie vor 16 Jahren aus Kasachstan nach Deutschland eingewandert und ist "hart drogenabhängig". Er habe die deutsche Staatsangehörigkeit und allein gewohnt. In der Vergangenheit verbüßte H. schon einmal eine eineinhalbjährige Haftstrafe und geriet wegen leichterer Eigentumsdelikte häufiger mit der Polizei in Konflikt, vorwiegend wegen einfacher Diebstähle. Nach seinem Schulabschluss schlug er sich als einfacher Arbeiter ohne Ausbildung durch.

Angehörige erleichtert

Der Haftbefehl sei aufgrund dringenden Tatverdachts bereits am Dienstag ergangen, teilte die Polizei mit. Der Haftbefehl des zuständigen Amtsgerichts laute auf Mord und vorsätzlichen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr. Haftgründe seien die Schwere der Tat und die aus der dafür drohenden Strafe resultierende Fluchtgefahr.

Die Angehörigen, die bereits von der Polizei über den Ermittlungserfolg informiert wurden, zeigten sich erleichtert. "Dennoch kommt alles wieder hoch", sagte ein Familienmitglied stern.de. "Wir hoffen, dass die Beweise ausreichen, um den Tatverdächtigen dingfest zu machen, aber Olga bringt es nicht wieder zurück."

Die Polizei hatte ursprünglich mit einem Phantombild nach einer Gruppe von vier bis fünf Personen zwischen 16 und 20 Jahren gesucht, die Zeugen in der Nähe des Tatortes gesehen haben wollten. Für Hinweise auf den oder die Täter waren 6000 Euro Belohnung ausgesetzt. Der Fall war auch Thema in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst". Es gingen rund 700 Hinweise aus der Bevölkerung ein.

Die Generalstaatsanwaltschaft hatte die Arbeit der Polizei kritisiert und ihr vorgeworfen, die Ermittlungen mit überzogener Pressearbeit zu gefährden.

joe/mta/AP/DPA AP DPA

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