Holzklotz-Prozess "Die Kinder schrien, es war schrecklich"


Am zweiten Verhandlungstag um den tödlichen Holzklotzwurf von einer Autobahnbrücke bei Oldenburg hat der Ehemann des Opfers ausgesagt. Langsam und mit leiser Stimme schilderte der 37-jährige Wladimir K. das dramatische Geschehen am Ostersonntag.

Neue Vorwürfe gegen den mutmaßlichen Holzklotz-Mörder sind am Dienstag bekanntgeworden: Nach Aussage des leitenden Ermittlers vor dem Landgericht Oldenburg könnte der Angeklagte Nikolai H. aus Rastede einige Stunden vor der Tat bereits einen Holzknüppel gezielt auf die Autobahn bei Oldenburg geworfen haben.

Zuvor hatte der Witwer der von dem Holzklotz erschlagenen 33-jährigen Olga K. die dramatischen Geschehnisse vom 23. März 2008 geschildert. Der auch als Nebenkläger am Prozess beteiligte 37-jährige Wladimir K. saß am Steuer des BMW, dessen Frontscheibe der 5,9 Kilogramm schwere Klotz durchschlug.

Er sagte als Zeuge, die Familie sei auf dem Rückweg von einem Osterbesuch bei Freunden in Wilhelmshaven gewesen. "Dann dieser schreckliche Knall." Der Elektriker war 130 bis 140 Stundenkilometern unterwegs nach Hause ins westfälische Telgte. Auf der Brücke habe er wegen der Dunkelheit niemanden gesehen. Als es knallte, habe er zunächst nicht verstanden, was geschehen sei.

"Die Kinder, die schrien, ich habe das noch nie so gehört, es war schrecklich!", sagte der Witwer. Er habe mit Mühe den 3er-BMW auf dem Standstreifen gestoppt und die Warnblinkanlage angestellt. Dann habe er zwei Mal seine Frau angesprochen, aber keine Antwort bekommen. In der Beleuchtung des Innenlichts habe er dann gesehen, wie ihr Kopf herunter hing und am Hals eine schwere Verletzung war. Der Holzklotz habe auf ihrem Schoß gelegen.

Er habe ihr den Puls gefühlt, kein Lebenszeichen gespürt und die Notrufnummer 110 gewählt. Er begann danach mit Mund-zu-Mund-Beatmung und Herzmassage, dabei habe er Blut unter dem Pullover und die Rippenbrüche gespürt. Er versuchte außerdem, ein Auto anzuhalten, um Hilfe zu bekommen. Kurz darauf traf ein Krankenwagen ein. Zusammen mit einem Sanitäter trug er seine Frau aus dem Auto. Für sie kam jedoch jede Hilfe zu spät.

Der Witwer sagte: "Meine Kinder haben es schwer, sie sprechen noch jeden Tag davon, besonders meine Tochter." Der neun Jahre alte Sohn und die sieben Jahre alte Tochter hatten auf der Rückbank gesessen. Sie besuchten einen Psychologen, sagte der Vater. Er selbst versuche, allein klarzukommen. "Ich gehe zur Arbeit, die hilft mir, aber es ist schwer."

Der Angeklagte hatte die Tat bei der Polizei gestanden, die Aussage aber später widerrufen. Das Gericht will nun ein psychologisches Glaubwürdigkeitsgutachten einholen. Bezogen auf einen Verkehrsunfall mit zwei Toten 1998 wies ihm die Staatsanwaltschaft nach Angaben von Verteidiger Matthias Koch ein falsches Geständnis nach.

Nach Angaben des Soko-Chefs Reiner Gerke hatte ein Zeuge gegen 18.30 Uhr einen Gegenstand auf die Autobahn fliegen sehen, dem ein Auto ausweichen musste. Es habe sich um einen Holzknüppel gehandelt, der gezielt geworfen worden sei. Gerke sagte, laut Handy-Verbindungsdaten habe sich der Angeklagte auch zu dieser Zeit in der Nähe der Brücke aufgehalten. H. selbst habe der Polizei berichtet, er habe einen Holzknüppel über die Leitplanke einer Straße geworfen.

Der Soko-Chef wies den Vorwurf der Verteidiger zurück, dass H. unter Drogenentzugserscheinungen das Geständnis abgelegt hätte. Man habe einen Arzt zugezogen und dem Drogensüchtigen vorsorglich die Ersatzdroge Methadon gegeben. Laut Gerke hatte sich die Ermittlungen zunächst auf einen von vielen Zeugen unabhängig beschriebene Jugendgruppe konzentriert. Die ermittelten Jugendlichen hätten Alibis.

AP AP

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