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Holzklotz-Prozess: Angeklagter bricht sein Schweigen

Der Fall schien klar. Der 31-jährige Verdächtige hatte zugegeben, einen schweren Holzklotz bei Oldenburg von einer Autobahnbrücke geworfen zu haben. Eine Frau starb. Doch später zog er sein Geständnis zurück. Nach langem Schweigen hat er nun vor Gericht mitteilen lassen: "Ich bin nicht schuld."

Im Prozess um den tödlichen Holzklotzwurf von einer Autobahnbrücke bei Oldenburg hat der Angeklagte sein Schweigen gebrochen. "Ich bin nicht schuld an dem Unfall. Ich habe die Polizei angelogen", verlas der Vorsitzende Richter am Dienstag im Landgericht Oldenburg einen Brief des 31-Jährigen an seinen Anwalt.

Er habe bekannt werden wollen und sei zudem von der Polizei unter Druck gesetzt worden, erklärte Nikolai H., warum er die Tat gestanden hatte. Der Drogensüchtige sagte aus, er habe Angst vor Entzugserscheinungen gehabt. Polizisten hätten ihm bei seiner Verhaftung nicht erlaubt, die Ersatzdroge Methadon einzunehmen, die er im Kühlschrank gehabt habe. Er werde erst vom Polizeiarzt Methadon bekommen, hätten sie gesagt. Er solle besser mit ihnen reden, dann bekomme er Kaffee und Zigaretten. Andernfalls werde er bis zum Abend in den Keller gesperrt. "Ich unterschrieb alles, was sie mir hinlegten", schrieb der Angeklagte und stellt in einem der Briefe fest: "Ich habe nichts auf die Autobahn geworfen."

Widerruf nun auch im Gerichtssaal

Nikolai H. muss sich wegen Mordes verantworten. Er hatte zunächst zugegeben, am Ostersonntag 2008 den sechs Kilogramm schweren Holzklotz von der Brücke auf die Autobahn 29 geworfen zu haben. Dabei war eine zweifache Mutter aus Nordrhein-Westfalen, die auf dem Beifahrersitz eines Pkw saß, vor den Augen ihrer Kinder und ihres Mannes erschlagen worden. Später widerrief der Verdächtige jedoch sein Geständnis. Bislang machte er vor Gericht keine Angaben zur Sache.

Der Vorsitzende Richter kommentierte die Schreiben unter anderem mit den Worten, der Angeklagte stehe mit seiner Darstellung "ziemlich einsam da". Schon zu einem früheren Zeitpunkt hatten Polizisten im Prozess erklärt, bei den Vernehmungen von H. sei es stets mit rechten Dingen zugegangen. Nach Ansicht eines Gutachters sei das Geständnis des mutmaßlichen Holzklotz-Werfers bei seiner polizeilichen Vernehmung glaubwürdig. "Es spricht nichts gegen die Richtigkeit des Geständnisses", sagte der Berliner Psychologe Max Steller vor dem Landgericht Oldenburg.

Überraschend legte der Verteidiger von H. nun aber die Schreiben vor - verbunden mit der Forderung, die Briefe in dem Gutachten zu berücksichtigen. Der Richter äußerte Verwunderung darüber, dass der Verteidiger die Schreiben seines Mandanten vom Januar und Februar erst jetzt dem Gericht vorlege.

In der vergangenen Woche hatte ein weiterer Gutachter festgestellt, dass Nikolai H. bei seinem Geständnis vor der Polizei voll vernehmungsfähig gewesen sei. Psychiater Konstantin Karyofilis sagte, H. sei zwar seit Jahren heroinabhängig. Er habe seine Dosis aber nie gravierend erhöht und nur ein Gramm am Tag benötigt, womit die Abhängigkeit im unteren Bereich liege. Manche Zeugen hätten nicht einmal bemerkt, dass er abhängig war.

AP/DPA / AP / DPA