Holzklotz-Prozess Schweigen hinter Panzerglas


Zäher Auftakt im Prozess gegen den mutmaßlichen Holzklotz-Werfer vor dem Landgericht Oldenburg. Das Verfahren begann unter extremen Sicherheitsvorkehrungen. Der Angeklagte Nicolai H. nahm hinter Panzerglas Platz und verweigerte jede Aussage. Dafür sorgten seine Verteidiger für eine Antragsflut am ersten Prozesstag.

Es ist ein Indizienprozess, und der Angeklagte schweigt: Sieben Monate nach der tödlichen Holzklotzattacke von einer Autobahnbrücke nahe Oldenburg hat der 30 Jahre alte Nicolai H. am Dienstag vor dem Landgericht Oldenburg die Aussage verweigert. Die Staatsanwaltschaft warf dem drogensüchtigen Mann zum Prozessauftakt vor, "heimtückisch und mit gemeingefährlichen Mitteln einen Menschen getötet zu haben". "Er hat in Kauf genommen, dass es zu einem tödlichen Unfall kommen könnte", sagte Staatsanwältin Roswitha Gudehus bei der Verlesung der Anklage. Bei der Attacke war eine 33-Jährige vor den Augen ihres Mannes und ihrer zwei Kinder von dem Holzklotz erschlagen worden.

Das Verbrechen hatte in ganz Deutschland Entsetzen und Betroffenheit ausgelöst. Am Ostersonntag raste das sechs Kilogramm schwere Geschoss aus Weidenholz durch die Windschutzscheibe des Autos der Familie aus dem nordrhein-westfälischen Telgte. "Die Frau wurde am Oberkörper und am Kopf getroffen", sagte Gudehus. Sie habe so schwere Verletzungen am Brustkorb und am Schädel erlitten, dass sie noch am Unfallort starb. Der Witwer verfolgte am Dienstag gefasst das Verfahren. Der Beschuldigte aus Rastede (Niedersachsen) war erst Wochen nach der grausigen Tat gefasst worden.

Zu Beginn des Prozesses waren alle Plätze in dem Saal des Landgerichtes besetzt. Die Verhandlung begann aufgrund verschärfter Sicherheitsmaßnahmen mit kurzer Verspätung. Gegen den 30-Jährigen waren anonyme Morddrohungen bei seinem Anwalt eingegangen. Im Saal saß er vorsorglich hinter Panzerglasscheiben.

Der Angeklagte hatte zunächst die Tat zugegeben, später aber sein Geständnis widerrufen. Zur Verhandlung kam er im Anzug und im weißem Hemd. Die Haare waren kurz geschnitten. "Eine insgesamt gepflegte Erscheinung", meinten Prozessbeobachter. Er sehe nicht aus wie ein Drogensüchtiger.

Seine Drogenabhängigkeit und daraus resultierende Entzugserscheinungen nach seiner Verhaftung sind aus Sicht der Verteidiger verantwortlich für das falsche Geständnis. Erst danach habe ihr Mandant die Ersatzdroge Methadon erhalten.

Zäher Prozessauftakt

Mehrere Anträge der Verteidiger sorgten insgesamt für einen zähen Auftakt. Nach der dritten Verhandlungsunterbrechung stellte Anwalt Oliver Wallasch einen Befangenheitsantrag gegen die Kammer, weil unter anderem die Anträge auf eine russische Übersetzung der Anklageschrift und die Hinzuziehung eines Dolmetschers abgelehnt worden waren. Ohne Übersetzer könne der Angeklagte die Verhandlung nicht verfolgen, sagte Wallasch.

Aus der Verlesung von früheren Verteidigerschreiben zu dem Dolmetscherthema an das Gericht wurde bekannt, dass der in Kasachstan aufgewachsene Angeklagte 1994 mit seiner Familie nach Deutschland gekommen war. Nach der Hauptschule war er Hilfsarbeiter in einer Glaserei, nach einem Umzug 2003 arbeitslos. In dieser Zeit soll er mit dem Konsum harter Drogen angefangen haben. Daraufhin hätten ihn die Eltern des Hauses verwiesen. Seither habe er allein in Rastede gelebt.

Nach dem Befangenheitsantrag schloss der Vorsitzende Richter Sebastian Bührmann die Sitzung, "da wir ohnehin heute nicht mehr vor hatten". Eine Entscheidung über den Antrag werde den Beteiligten schriftlich zugesandt.

Sicherheitscheck beim Betreten des Gerichtssaals

Medienvertreter wie Zuhörer mussten vor Betreten des Gerichtssaals einen eingehenden Sicherheitscheck über sich ergehen lassen. Nach dem Passieren einer Sicherheitsschleuse wurden alle per Hand abgetastet, mitgeführte Taschen sorgfältig kontrolliert. Nicht jeder, der in den Saal mit seinen etwa 50 Zuhörerplätzen wollte, konnte hinein. Zu groß war das öffentliche Interesse an dem Fall.

Das Gericht hat bis Ende Januar 16 Verhandlungstage angesetzt. Mehr als 40 Zeugen und 3 Sachverständige sollen gehört werden. Dazu zählt auch ein vor Kurzem von der Staatsanwaltschaft benannter Zeuge. Der Angeklagte solle dem Mitgefangenen gegenüber die Tat zugegeben haben, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Frauke Wilken, und bestätigte einen Bericht der Oldenburger "Nordwest-Zeitung".

AP/DPA AP DPA

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