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"Geistige Tiefflieger": Polizei verspricht zu Halloween Saures statt Süßes für Horrorclowns

Sie stehen auf der Liste der Dinge, die die Welt nicht braucht, gerade ganz oben: Horrorclowns, Gruselclowns oder - wie es in den USA heißt - Killerclowns, die ihre Mitmenschen zu Tode erschrecken. Die Polizei hält die Schock-Gestalten für gefährlich.

Horrorclown in der Nacht

Horrorclown in der Nacht: Die Polizei verspricht Saures an Halloween

Kann man Stephen King einen Vorwurf machen? Der Bestseller-Autor aus den USA hat mit seiner Figur "Pennywise" aus dem Roman "Es" so etwas wie die Blaupause für alle Horror-, Grusel- oder Killerclowns geliefert, die derzeit landauf, landab ahnungslose Mitmenschen bis ins Mark erschrecken. Das Phänomen tritt in den USA seit zwei Jahren vor Halloween vermehrt auf - und mit zunehmender Bedeutung des Gruselfestes in Deutschland haben wir auch hierzulande darunter zu leiden. So schlimm wie zur Zeit war es aber noch nie, und je näher Halloween rückt, umso mehr dürften die Fratzenclowns ihr Unwesen treiben. Politik und Polizei haben daher die Geduld längst verloren und wollen den Spuk möglichst beenden.

Ganz so einfach wird das allerdings nicht werden. "Wenn man wüsste, wo diese Menschen auftauchen, dann könnte man bereits vor Ort sein", sinniert Rüdiger Seidenspinner, baden-württembergischer Landeschef der Polizei-Gewerkschaft GdP im Interview mit dem Südwestrundfunk (SWR). "Wir müssen alle ein bisschen aufeinander schauen." Wer einem Horrorclown begegne, solle möglichst nach dem ersten Schreck auf ihn zulaufen und "Hau ab!" brüllen. Auch wenn man beobachtet, wie eine der Gestalten jemand erschreckt, sollte man sich so verhalten. Es sei wichtig, "dass diese Personen geistigen Widerstand spüren."

Grundsätzlich warnt die Polizei jedoch vor "Selbstjustiz" im Umgang mit Horrorclowns. Im Internet kursierten derzeit zahlreiche Falschmeldungen, welche die Bevölkerung zusätzlich verunsicherten und unter Umständen auch zu "nicht immer vom Notwehrrecht gedeckten Reaktionen" führen könnten, heißt es. Wer derartige Gestalten sehe, solle Konfrontationen vermeiden, die Polizei verständigen und Anzeige erstatten. 

Für Horrorclown-Aktion droht bis zu ein Jahr Haft

Abseits der guten Ratschläge ist aber zu spüren, dass die Schock-Clownereien der Polizei gerade noch gefehlt haben. "Ich halte diese geistigen Tiefflieger für sehr gefährlich", wird Seidenspinner deutlich. Arnold Plickert, sein GdP-Kollege aus Nordrhein-Westfalen, wo derzeit fast täglich Gruselclown-Aktionen gemeldet werden, ergänzt in der "Rheinischen Post": "Gerade in Zeiten wie diesen, wo die Bürger ohnehin schon durch Terrorgefahr geängstigt sind, ist ein solches Verhalten respektlos."

Vor allem aber ist es strafbar. "Wer andere sprichwörtlich zu Tode erschrecken will, ist nicht lustig, sondern ein Straftäter", sagte NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) der "Bild"-Zeitung. Selbst wenn dem Opfer nichts passiere, könne die Tat eine strafbare Bedrohung sein. "Und auch hierfür kann der demaskierte Clown schon bis zu einem Jahr im Gefängnis landen." Da weiß der 26-jährige Saarländer, der am Wochenende im Clownskostüm unter anderem eine Mutter mit ihrem Kind bedrohte und später gefasst wurde, worauf er sich einstellen muss. Auf allzu viel Verständnis kann er vor Gericht kaum hoffen.

Harte Hand in der Halloween-Nacht

Trotz allem sieht GdP-Mann Plickert keinen Grund, das Tragen von Clownskostümen derzeit völlig zu verbieten: "Wir können nicht alle, die solche Kostüme tragen, unter Generalverdacht stellen." Der Kölner Polizeipräsident Jürgen Mathies - ohnehin mit den immer noch nicht vollständig geklärten sexuellen Übergriffen aus der Silvesternacht belastet - sieht das offenbar etwas anders. Er kündigte eine Offensive gegen die Clowngestalten an, wie der "Express" berichtet. Im Klartext bedeutet das wohl: Schon ein Clownskostüm zu tragen, dürfte reichen, um kontrolliert zu werden. Wer auch nur einen Baseball-Schläger dabei hat, dürfte in Köln Ärger bekommen. Die Beamten befürchten, dass Waffen oder als Waffen nutzbare Gegenstände leicht dazu führen können, dass eine Situation eskaliert.

Für die Halloween-Nacht selbst hat die Polizei daher derzeit die schlimmsten Befürchtungen. Die Beamten befürchten, dass etliche der Horrorclowns die Gruselnacht dazu zu nutzen könnten, über die Stränge zu schlagen. "Wir warnen mögliche Nachahmer, die sich als Clowns verkleiden, um anderen Menschen einen Schrecken einzujagen", betont Kölns Polizeisprecher Thomas Held im "Express". Und Polizeipräsident Mathies verspricht: "Wir werden konsequent gegen derartige Fälle einschreiten."

Traumatisches Erlebnis für Kinder

"Wir werden nichts durchgehen lassen und jeden Fall konsequent verfolgen sowie entsprechend ahnden", verspricht Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). "Aus einem vermeintlichen Scherz wird dann für den Täter bitterer Ernst." Denn Ernst seien die Vorfälle vor allem für Kinder. Diese fühlten sich dem Gruselclown völlig ausgeliefert. "Die Kombination einer ansonsten eher positiv besetzen Figur wie dem Clown mit einer Schreckensfigur ist besonders perfide", sagt der Diplompsychologe Uwe Wetter. Gerade Kindern und von Natur aus besonders ängstlichen Menschen könnten die Gruselgestalten erhebliche Probleme bereiten. Vor allem kleine Kinder könnten anhaltende Ängste vor der Dunkelheit oder dem Alleinsein entwickeln.

Zu allem Überfluss ist die Vorstellung vom Clown als bösen Psychopathen keineswegs abwegig. In den USA ist ein Kriminalfall aus den 1970er-Jahren unvergessen. Damals trieb John Wayne Gayce als "Pogo der Clown" sein Unwesen. Zwischen 1972 und 1978 machte er sich 33 Jungen und junge Männer gefügig, vergewaltigte und ermordete sie. Sein Beiname: Killer-Clown.


dho mit Agenturen / DPA / AFP