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Notwehr und Selbstjustiz: Wann darf ich einem Horrorclown eins auf die rote Nase geben?

Immer mehr Menschen in Deutschland scheinen Gefallen daran zu finden, andere als Horrorclown zu erschrecken. Mit diesem fragwürdige Hobby macht man sich schnell strafbar. Doch was darf man tun, wenn man attackiert wird?

Die sogenannten Horrorclowns haben mit den eigentlichen Vertretern dieser Zunft nicht viel gemein

Die sogenannten Horrorclowns haben mit den eigentlichen Vertretern dieser Zunft nicht viel gemein

Der fragwürdige Trend der sogenannten Horrorclowns hat Deutschland erfasst. Immer mehr Menschen mit einem speziellen Humorverständnis ziehen sich gruselige Clownsmasken über und lauern Passanten auf. Manchmal filmen sie ihre "Streiche", manchmal erfreuen sie sich einfach so an den erschreckten Gesichtern ihrer Opfer, manchmal werden sie sogar handgreiflich. Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, stellte klar: "Die Clowns sind nicht nur Idioten, sie sind Straftäter." Bei tätlichen Angriffen handelt es sich um Körperverletzung. In leichten Fällen ist die Maximalstrafe fünf Jahre Haft. Selbst wenn dem Opfer nichts passiert, ist man im Bereich der strafbaren Bedrohung, die mit bis zu einem Jahr Gefängnis bestraft werden kann.

Dass sich die Horrorclowns oft strafbar machen, ist also recht klar. Doch was darf man als Opfer tun?

Notwehr im Rahmen der Verhältnismäßigkeit

"Notwehr ist die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden", steht im Gesetz. Entsprechend darf man einem Clown auf die rote Nase boxen, sofern er tätlich angreift oder im Begriff ist, anzugreifen. Allerdings muss man dabei die Verhältnismäßigkeit wahren. Und da wird es schwammig. Letztlich entscheidet in Deutschland ein Richter, wann eine Gegenwehr verhältnismäßig ist und ob eine Notwehr-Situation überhaupt vorgelegen hat.

Nur als Clown mit Grusel-Fratze herumzulungern, reicht wohl in den meisten Fällen nicht aus, um eine Notwehr zu rechtfertigen. Verkleiden ist in Deutschland grundsätzlich erst einmal nicht strafbar. Springt der Horrorclown jedoch auf jemanden zu oder fuchtelt direkt vor jemandem mit einer Waffe herum, so dürfte es sich in der Regel um Notwehr handeln. Allerdings darf man einen unbewaffneten Clown logischerweise nicht mit einem Baseballschläger halb tot prügeln. Die Reaktion muss der Aktion angemessen sein. Flüchtenden Angreifern hinterherzujagen und diese dann zu verdreschen, ist in der Regel ebenfalls keine Notwehr mehr. Man darf einen Straftäter aber durchaus festhalten, bis die Polizei eintrifft. Generell gilt: Je heftiger der Angriff, desto härter darf ich mich zur Wehr setzen.

Selbstjustiz gegen Horrorclowns

Immer wieder meinen Bürger, das, was sie unter Recht verstehen, selbst in die Hand zu nehmen und sich in Bürgerwehren zu organisieren. Was man aber auf keinen Fall tun sollte, ist gezielt nach Horrorclowns zu suchen und diese zu attackieren. Wer jemanden angreift, macht sich schließlich selbst der Körperverletzung schuldig. Wird jedoch ein Dritter angegriffen, hat man natürlich das Recht einzuschreiten und zu helfen. Die Polizei rät jedoch grundsätzlich dazu, einer Konfrontation aus dem Weg zu gehen und die Behörden zu verständigen, wenn man selbst oder jemand in seinem Umfeld einem Horrorclown begegnet.



fin