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Einem Serientäter auf der Spur: Die mysteriöse "Baum-Mordserie" im Taunus

Seit Jahren werden im hessischen Hünfelden immer wieder Bäume vergiftet. Kein Einzelfall, wie ein Gutachter bestätigt. Von Baum-Morden ist schon die Rede. Wer tut so etwas und warum?

In den vergangenen vier bis fünf Jahren häufen sich die Fälle von Baum-Morden in Hessen (Symbolbild)

In den vergangenen vier bis fünf Jahren häufen sich die Fälle von Baum-Morden in Hessen (Symbolbild)

Als erstes fällt eine große, dreistämmige Eiche dem Baum-Hasser vom Taunus zum Opfer. Sieben Löcher bohrt jemand schräg rundum in den Stamm und füllt Gift hinein. "Wir vermuten, dass es Glyphosat war", sagt Michael Becker, Umweltbeauftragter der Gemeinde Hünfelden im Kreis Limburg-Weilburg. Die Eiche geht ein, die Gemeinde pflanzt nach und stellt Strafanzeige gegen Unbekannt. Doch auch die jungen Bäume werden beschädigt.

Was bizarr klingt, ist für Joachim Schnabel kein ungewöhnlicher Fall. Der Sachverständige wird vom Regierungspräsidium Kassel hinzugerufen, wenn Bäume, Hecken und Sträucher ohne erkennbare Ursache erkranken. Seit etwa zehn Jahren ist der vereidigte Gutachter tätig und stellt fest: "In den vergangenen vier bis fünf Jahren häufen sich die Fälle von Baum-Morden in Hessen." Bis zu 15 Mal pro Jahr analysiert er im Auftrag von Polizei oder Staatsanwaltschaft, ob ein Baum vergiftet wurde. "Die tatsächliche Anzahl der Baum-Morde ist sicherlich noch sehr viel höher", schätzt Schnabel.

"Vermutlich nie herausfinden, was hier vor sich ging"

"Dass man so weit geht, verstehe ich nicht", sagt die parteilose Bürgermeisterin von Hünfelden, Silvia Scheu-Menzer. Vielleicht habe sich jemand an dem Laub gestört, mutmaßt sie. Aber das Motiv ist rätselhaft. "Vermutlich werden wir nie herausfinden, was hier vor sich ging."

Nur ein kleines Stück von der einst stattlichen Eiche entfernt verendete eine Blutbuche. An ihrer Stelle steht heute eine Platane, der kleine Dorfplatz von Hünfelden wird nun per Videokamera überwacht. "Immerhin ist seither Ruhe", sagt Scheu-Menzer. Den Schaden schätzt die Bürgermeisterin auf mehr als 10.000 Euro.

Laut Experte Schnabel gibt es verschiedene Vorgehensweisen: Entweder bohren die Täter wie in Hünfelden den Stamm an und füllen einen giftigen Wirkstoff hinein. Der Baum verteilt ihn dann bis in die Äste. "So kann auch ein großes Exemplar innerhalb von vier bis sechs Wochen absterben", erklärt der Experte. Oder die Erde werde mit einer Koch- oder Winterstreusalz-Lösung gegossen. "Eine ganz fiese Sache", sagt Schnabel. "Die Bäume vertrocknen quasi von innen."

Im Netz tummeln sich auf einigen Seiten mehrere Baum-Hasser, die sich gegenseitig Tipps und Tricks liefern. Meist geht es um Nachbarschaftsstreitigkeiten. Dem Hessischen Pflanzenschutzdienst am Regierungspräsidium Gießen sind derartige Seiten bekannt. Es sei aber kaum möglich, etwas dagegen zu unternehmen, heißt es.

Warum tötet jemand Bäume? 

Auch die Birke von Marianne Rühl wurde angebohrt und vergiftet, auf einem Privatgrundstück nur etwas entfernt von den ersten Hünfelder Baum-Opfern. Für Frank Rühl, den Sohn, ist das schwer zu verkraften: Die Birke erinnert ihn an seinen verstorbenen Vater, der den Baum vor über 60 Jahren zur Geburt des Sohnes pflanzte. Die Familie hat eine Belohnung von 1000 Euro für Hinweise auf den Täter ausgesetzt.

Zwar ermittelten auch in den Hünfelder Fällen zunächst die Polizei und später die Staatsanwaltschaft Limburg, jedoch ohne Ergebnis. Warum tötet jemand Bäume?

Da kann auch der Psychoanalytiker Hans-Otto Thomashoff aus Wien nur spekulieren. "Zum einen gibt es die rein faktische Seite", sagt der Psychiater. "Der Baum stört, jemand will ihn weg haben." Vermutlich hätten einige aber auch einfach Spaß daran, ein wehrloses Wesen zu töten, um Aufmerksamkeit zu bekommen. "Der Baum steht für etwas Großes, Starkes und Stabiles, gerade in der Eiche steckt eine Menge Symbolik", erklärt Thomashoff. "Sie dahinsiechen zu sehen, bedient das Machtgefühl und befriedigt die Aggression."

Bis zum Sommer wird sich zeigen, ob die Birke in Rühls Garten den Anschlag verkraftet. Werden ihre Blätter kleiner als üblich, sind das die ersten Zeichen, dass es ihr nicht gut geht. "Wir hoffen zwar, dass der Baum überlebt, aber es sieht wohl schlecht aus", sagt Frank Rühl. Wahrscheinlich habe die Birke das Gift schon aufgenommen.  

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fin/Bernadette Winter / DPA