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Icke muss vor Jericht: Vom Schicksal bestraft

Ein HIV-Positiver soll seinen Sexpartner infiziert haben. Er soll eine solche Tat nicht zum ersten Mal begangen haben, wie sich vor Gericht heraus stellt. Doch diesmal ist es nicht der Richter, der den Strafprozess beendet.

Von Uta Eisenhardt

Ein Fall für die Justiz: Ein Mann soll seinen Partner mit HIV infiziert haben.

Ein Fall für die Justiz: Ein Mann soll seinen Partner mit HIV infiziert haben.

Er stand hinter dem Tresen, als ein blondgelockter Mann aus Zürich die Schwulenkneipe betrat. Die beiden hatten Sex, dann wollte der Berlin-Tourist zurück einem Campingplatz, wo er für die nächsten zehn Tage sein Zelt aufgeschlagen hatte. Doch Holger meinte, seine Wohnung sei groß genug, Dominik könne bei ihm unterkommen.

Der Berliner gab dem Touristen seinen Schlüssel, sie hatten jeden Tag Sex. Kurz nach seinem Berlin-Besuch im Sommer 2008 habe er von seiner Infektion erfahren, sagt der Schweizer im Dezember 2009 vor dem Amtsgericht Berlin. Der 23-jährige Pflegefachmann war erschüttert. Er ließ die "fünf bis sieben" Sexualpartner der fraglichen Wochen Revue passieren und war nach einigem Nachdenken sicher, dass Holger Martins* ihn angesteckt hat.

Einschlägig vorbestraft

Der sitzt nicht das erste Mal wegen eines solchen Vorwurfs vor dem Richter. Bereits Ende der neunziger Jahre soll ihn ein Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung in elf Fällen zu einer Geldstrafe verurteilt haben. Seit 14 Jahren weiß der 37-Jährige von seiner Infektion.

An der Ansteckung von Dominik Schumacher* fühle er sich unschuldig: Schon beim Kennenlernen habe er auf seine HIV-Infektion hingewiesen. In einer Nacht allerdings habe er bereits geschlafen, als sein Gast von einer Kneipentour in die Wohnung kam und nackt zu ihm ins Bett stieg. Er erinnere sich eigentlich nicht mehr an diese Nacht, schließlich habe er einen guten Schlaf. "Ich weiß nur, dass ich zu ihm gesagt habe: Du weißt, dass ich positiv bin!"

"Ich soll eingewilligt haben"

Der Schweizer schildert die Sache anders. Ruhig und konzentriert berichtet er, nichts von der Infektion seines Gastgebers gewusst zu haben. Erst am Telefon, als er Holger Martins mit seiner Ansteckung konfrontierte, habe der Berliner behauptet, er hätte seinen Gast in jener Nacht informiert und gefragt, ob er ohne Kondom eindringen dürfe. "Ich soll in beides eingewilligt haben", berichtet der Zeuge. "Herr Martins sagte, es täte ihm sehr leid. Aber ich sähe ja an ihm, dass man gut damit leben könne."

An die Nacht, in der er sich angesteckt haben muss, erinnere auch er sich kaum: Er war betrunken und wisse nur, dass sein Gastgeber den aktiven Part übernahm. Als der ohne Kondom mit ihm verkehrte, "hat er verantwortungslos gehandelt", sagt Dominik Schumacher.

Einen Denkzettel verpassen

"Was würden Sie an meiner Stelle als gerechtes Urteil empfinden", will der Richter von dem Zeugen wissen. Die Strafe, so der Befragte, müsse härter ausfallen als bei der letzten Verurteilung. "Er macht leichtsinnig andere Leben kaputt, nur weil er selber angesteckt wurde. Mir kommt er frustriert vor", sagt der Schweizer. Er wolle Holger Martins "einen Denkzettel verpassen, damit der nicht so leichtfertig mit dem Leben anderer umgeht."

Der Staatsanwalt fragt, wie sich die Infektion für Dominik Schumacher auswirkt. "Anfangs war es ein herber Schlag", antwortet der Zeuge. "Ich nehme auch heute noch Antidepressiva. Aber mein Leben hat sich kaum verändert, außer dass ich regelmäßig zum Arzt muss. Ich habe keine Beschwerden und leide auch nicht unter den Nebenwirkungen der Medikamente. Im Moment bin ich dabei, mich in meinem Umfeld als HIV-Positiver zu outen. Das erzählt man nicht gern."

Kein Ende abzusehen

Damit endet seine Zeugenaussage vor neun Monaten. Zwar sollte danach ein Gutachten klären, ob der Angeklagte zumindest theoretisch der Überträger gewesen sein kann. Doch im Februar 2010 wird der Prozess verschoben. Was war geschehen? Holger Martins hatte in seiner Wohnung Kerzen angezündet und war dann eingeschlafen. Als er erwachte, stand seine Wohnung in Flammen. Schwerverletzt konnte er sich retten.

Bis zum heutigen Tag liegt er im Krankenhaus. "Es ist ein Wunder, dass er überhaupt noch lebt", sagt sein Anwalt. Die Justiz hat Holger Martins dennoch nicht entlassen: In regelmäßigen Abständen lässt sie seine Verhandlungsfähigkeit prüfen. An deren Wiederherstellung ist in absehbarer Zeit nicht zu denken.

* Namen von der Redaktion geändert

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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