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Berlin und Brandenburg Der vermeintlich nette Jogger von nebenan – so fand der Serienvergewaltiger seine Opfer

Sehen Sie im Video: Berlin und Brandenburg – Ermittler schnappen mutmaßlichen Vergewaltiger.


In den letzten Wochen hat ein mutmaßlicher Serienvergewaltiger in Berlin und Brandenburg sein Unwesen getrieben. Nun soll er gefasst worden sein. Das gab die Brandenburger und Berliner Polizei am Mittwoch auf einer gemeinsamen Pressekonferenz bekannt. Norma Schürmann vom Landeskriminalamt Berlin: "Er hatte die potenziellen Opfer angesprochen, ganz freundlich zunächst. Es war immer eine belebte Zeit, irgendwie nie frühe Morgenstunden, späte Abendstunden, sondern eine ganz normale Zeit, in denen sage ich mal die Menschen unterwegs sind im Grunewald und umliegenden Waldgebiete. Nachdem er sie angesprochen hatte, hat er sie dann mit Gewalt gepackt und gewürgt, so dass er erst mal wirklich seine Macht demonstriert hat, sag' ich jetzt mal, und hat sie von dem Hauptweg oder von dem Weg abgezerrt in ein etwas entlegeneren Gebiete, um dann die Tathandlung zu vollziehen. Dabei hat er wirklich Gewalt angewandt, so dass die Opfer auch nicht um Hilfe gerufen haben, obwohl vielleicht Fußgänger unterwegs waren, weil sie wirklich wahnsinnig eingeschüchtert waren." Die Ermittler gehen von einer Tatserie von mindestens acht, teils versuchten, teils vollendeten Vergewaltigungen aus. Staatsanwältin Katrin Frauenkron: "Es ist beabsichtigt, den Verdächtigen begutachten zu lassen, medizinisch-psychiatrisch. Dann wird es, so gehe ich davon aus, denn die Beweislage stellt sich für uns sehr gut da, wird es zu einer Anklage kommen. Und zur Straferwartung kann ich nur grob sagen, dass wir von drei Taten ausgehen, wo im Moment der dringende Verdacht besteht, dass es sich um besonders schwere Vergewaltigungstaten handelt. Und da sieht das Gesetz eine Mindeststrafe von fünf Jahren pro Tat vor, sodass ich von einer doch erheblichen Freiheitsstrafe ausgehe." Gestellt werden konnte der 29-jährige Mann mit serbischer Staatsangehörigkeit am Dienstag im nördlichen Babelsberg, nachdem er eine weitere Tat in einem nahegelegenen Waldstück in Brandenburg verübt hatte. Er wurde am Mittwoch dem Ermittlungsrichter vorgeführt.
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Erst freundlich, dann brutal, dann wieder nett: So beschreiben Ermittler das Vorgehen eines mutmaßlichen Serienvergewaltigers, der in Berlin und Brandenburg kurz hintereinander mindestens acht Frauen überwältigte.

Sonderlich geplant scheint der mutmaßliche Vergewaltiger nicht vorgegangen zu sein: Bei den ihm zur Last gelegten Taten in den zurückliegenden Wochen hinterließ er DNA-Spuren, einmal wurde er nach einem Übergriff von einer Überwachungskamera an einem nahe gelegenen Bahnhof gefilmt. Mehrere Opfer konnten sein Vorgehen und sein Aussehen detailliert beschreiben. Schon polizeibekannt wegen anderer Straftaten war er außerdem, seine Fingerabdrücke in der Kartei.

Nach einer Serie von mindestens acht Sexualdelikten seit dem 12. Juni in Berlin und Brandenburg verliert der Verdächtige auch noch sein entsperrtes Handy auf der Flucht. Am Dienstagabend ist er den Ermittlern nach aufwendiger Suche ins Netz gegangen.

Als die Behörden am Mittwoch in Berlin an die Öffentlichkeit gehen, hebt der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, einen "unverhofften Ermittlungserfolg" hervor. Durch akribische Ermittlungsarbeit sei die Tatserie erkannt und der Verdächtige relativ schnell identifiziert worden, sagt Oberstaatsanwalt Georg Bauer. Der festgenommene 29-Jährige soll in Berlin in Untersuchungshaft kommen. Nach seiner Festnahme an der Landesgrenze von Berlin und Brandenburg habe der mutmaßliche Vergewaltiger Widerstand geleistet und sich unkooperativ verhalten, schildert Oskar Vurgun von der Polizei Brandenburg.

Dem Zugriff ging eine mehrstündige Flucht des Gesuchten in einem weitläufigen Waldgebiet nach einer weiteren Vergewaltigung voraus. Das Opfer: eine junge Frau, die im Wald joggen war – wie auch schon in mindestens einem früheren Fall. Nachdem die Ermittler in der vergangenen Woche mit den Bildern vom Bahnsteig eine Öffentlichkeitsfahndung nach dem mutmaßlichen Serientäter einleiteten, schien es einige Tage ruhig geworden zu sein.

Bis dahin waren dem mutmaßlichen Vergewaltiger sieben Taten zugerechnet worden, darunter fünf vollendete und eine versuchte Vergewaltigung. Was genau in einem Fall passierte, ist bis heute unklar: Ein Zeuge meldete eine Sexualstraftat nahe dem Berliner Teufelsberg – vom Opfer fehlt allerdings jede Spur, es hat sich trotz eines Aufrufs nicht bei der Polizei gemeldet.

In drei Fällen ging der Täter besonders heftig vor: Er habe die Frauen dabei mit gefährlichen Werkzeugen eingeschüchtert, führt Staatsanwältin Katrin Frauenkron aus. Bei einer Verurteilung droht ihr zufolge eine Höchststrafe von fünf Jahren pro Tat allein für diese Vergehen. Zum Zustand der Opfer machten die Behörden keine genaueren Angaben – nur so viel: Im Krankenhaus sei niemand mehr. Eines der Opfer ist laut Ermittlungsbehörde minderjährig.

Was genau den mutmaßlichen Täter zu so vielen Übergriffen innerhalb kurzer Zeit antrieb, blieb zunächst im Dunkeln. Er soll von einem psychiatrischen Experten begutachtet werden. Norma Schürmann vom Landeskriminalamt erklärt ein Muster, das ziemlich ungewöhnlich sei: Der Täter habe die Opfer zunächst ganz freundlich angesprochen, immer zu Tageszeiten, an denen es im Grünen belebt ist. Danach habe er sie mit Gewalt gepackt und gewürgt und schließlich vom Weg und in entlegenere Gebiete gezerrt. Nach der Vergewaltigung habe er eine andere Seite gezeigt und sich um sein Opfer kümmern wollen.

Zum persönlichen Hintergrund des Mannes ist bisher nicht viel bekannt. Es gebe keine Hinweise, dass er im Wald lebe oder obdachlos sei. Im Dezember 2019 und im März 2020 beging er Straftaten in Berlin, allerdings keine Sexualdelikte, so die Ermittler. Für einen Diebstahl bekam er eine Geldstrafe. Von einem Laubeneinbruch hatte die Polizei Fingerabdrücke des Mannes.

kng/Gisela Gross und Jutta Schütz DPA

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