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In eigener Sache: Presse-Streit Hoeneß vs. stern geht in nächste Runde

Der stern soll nicht mehr über bestimmte Hinweise eines Informanten berichten können - ungeachtet aller Bestätigungen in dem Hoeneß-Prozess. Dagegen geht der stern in Berufung.

Der ehemalige Präsident des FC Bayern München wurde zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt

Der ehemalige Präsident des FC Bayern München wurde zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt

Der wegen Steuerhinterziehung verurteilte ehemalige Präsident des FC Bayern, Uli Hoeneß, ist gerichtlich gegen einen stern-Bericht vorgegangen. So soll das Magazin ungeachtet aller Bestätigungen aus dem Steuerstrafverfahren in München nicht mehr über Hinweise eines anonymen Informanten zu Millionensummen und Transaktionen auf seinem Konto in der Schweiz berichten dürfen. Das entschied das Hamburger Landgericht am Freitag. Eine Urteilsbegründung steht noch aus. Das Urteil ist zudem nicht rechtskräftig.

Der stern wird gegen die Entscheidung vor dem Oberlandesgericht als nächster Instanz in Berufung gehen. Im August 2013 hatte der stern über neue Hinweise im Steuerfall Hoeneß berichtet („Mehr Millionen, mehr Konten?“). Kern der Geschichte ist ein Vermerk bei der Staatsanwaltschaft München. In diesem gab ein Informant über seinen Anwalt an, auf Hoeneß’ Depotkonto bei der Schweizer Privatbank Vontobel hätten sich weit höhere Summen befunden als bis dato bekannt. Auch zu angeblichen Transaktionen auf weitere Schweizer Konten sowie zu Aktiengeschäften gab der Informant Hinweise.

Hoeneß wurde frühzeitig mit Hinweisen konfrontiert

Der stern hatte Hoeneß seinerzeit frühzeitig mit den neuen Hinweisen konfrontiert und ihm Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. Davon hatte Hoeneß abgesehen. Auch sein Medienanwalt, der nun diesen Rechtsstreit führt, wollte sich damals ausdrücklich nicht zur Sache äußern. Erst nach Erscheinen des stern-Artikels wandte sich Hoeneß mit einer vorbereiteten Erklärung an die Öffentlichkeit und wies die Hinweise als "Unterstellungen" zurück.

Heute ist man in Sachen Hoeneß deutlich klüger: In einem spektakulären Blitz-Prozess wurde der ehemalige Bayern-Patron vor dem Landgericht München II zu einer Haftstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt. In dem Verfahren wurde bekannt, dass Hoeneß über die Jahre mindestens 28 Millionen Euro hinterzogen hatte. Über die Höhe des einst in der Schweiz gebunkerten Vermögens herrscht nach dem Strafprozess allerdings weiter Unklarheit. Während des Verfahrens wurden nur einzelne Kontostände publik. So sollen Ende 2005 rund 155 Millionen Euro auf Hoeneß' Vontobel-Konto gelegen haben. Auch wo das viele Geld geblieben ist, blieb unbeantwortet.

stern