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Indien : Karikatur zu Vergewaltigungs-Skandalen: Polizei ermittelt gegen Journalistin

Erneut erschüttern zwei Vergewaltigungsfälle Indien. Es ist nicht einmal mehr die Grausamkeit der Täter, die die Menschen erschreckt, sondern der Schutz, den die Täter genießen. Eine Journalistin wagte ein Statement und wird nun selbst angezeigt.

Die Karikatur der Journalistin Swathi Vadlamudi löst in Indien eine kontroverse Debatte aus

Die Karikatur der Journalistin Swathi Vadlamudi löst in Indien eine kontroverse Debatte aus

Sexuelle Gewalt gegen Frauen stellt in ein gravierendes gesellschaftliches Problem da. Die Zahl der Vergewaltigungen ist erschreckend. In den vergangenen Wochen erschütterten wieder zwei Fälle das Land. Zuerst wurde eine 16-Jährige vergewaltigt, offenbar von einem Abgeordneten der regierenden Bharatiya Janata Partei. Der Fall sorgte für Aufsehen, nachdem das Opfer versucht hatte, sich vor dem Haus des Ministerpräsidenten das Leben zu nehmen, weil die Polizei sich geweigert hatte, den Fall zu registrieren.

Kurze Zeit später wurde ein achtjähriges Mädchen, das einem muslimischen Nomadenstamm angehörte, tagelang gefangen gehalten, vergewaltigt und ermordet. Acht , die im Verdacht stehen, die grausame Tat begangen zu haben, wurden festgenommen - unter ihnen ein pensionierter Regierungsbeamter und vier Polizisten.

Sie alle gehören einer lokalen hinduistischen Gemeinschaft an. Rechtsradikale Hindu-Gruppen schwangen sich zu ihren Beschützern auf und fordern ihre Freilassung. Auch zwei Minister der hinduistischen Bharatiya Janata Partei (BJP) nahmen an einer Kundgebung zur Unterstützung der Angeklagten teil, was landesweite Proteste auslöste. 

Die indische Journalistin Swathi Vadlamudi reagierte auf die beiden Fälle mit einer . Das schwarz-weiße, grob gezeichnete Bild zeigt den Hindu-Gott Ram. Er sitzt mit seiner Gemahlin Sita auf einer Wiese und hört ihr mit einem bekümmerten Gesicht zu. "Ich bin froh, dass ich von Dämonenkönig Ravana und nicht von deinen Anhängern entführt wurde", sagt sie zu ihm. 

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Gepostet von Swathi Vadlamudi am Mittwoch, 11. April 2018


Hindu-Gruppen fühlen sich in ihren Gefühlen verletzt 

Ravana gilt in der hinduistischen Religion als Feind der Götter und Gegenspieler von Ram. Im Ramayana, dem berühmten indischen Epos, raubt Ravana Rams Frau. Vadlamudis Karikatur suggeriert, dass Sita dieses Schicksal der Entführung durch Vergewaltiger vorzieht. Denn die Männer, die die beiden Mädchen vergewaltigt haben sollen, und ihre Anhänger und Verteidiger bezeichnen sich selbst als "eifrige Anhänger" des Gottes Ram. Angesichts der Brutalität der Verbrechen, könne sie nicht anders, als sich zu fragen, was mit Sita geschehen wäre, wenn sie statt vom Dämonenkönig, von diesen Männern entführt worden wäre, erklärte Vadlamudi ihre Motivation für das Bild im Gespräch mit der BBC.

Die Karikatur verbreitete sich prompt in den sozialen Netzwerken. Doch neben lobenden Worten muss Vadlamudi auch viel Kritik einstecken, weil sie es gewagt hat, Charaktere aus dem Hindu-Epos zu verwenden. Es hagelt Drohungen und einige fordern sogar die Festnahme der Journalistin. "Ich kann nachts wegen der Drohungen in den sozialen Medien nicht schlafen", erzählte sie.

Die indische ermittelt nun gegen Vadlamudi, nachdem eine hinduistische Gruppe sie wegen der Beleidigung ihrer religiösen Gefühle angezeigt hatte. 

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ivi