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Indien Vergewaltigungsprozess beginnt mit Tumulten


Unter chaotischen Umständen hat in Indien der Prozess gegen die mutmaßlichen Mörder der vergewaltigten Studentin begonnen. Anwälte streiten darüber, ob man die Männer überhaupt verteidigen darf.

Bei der ersten gerichtlichen Anhörung der fünf mutmaßlichen Vergewaltiger einer indischen Studentin ist es im Verhandlungssaal zu Tumulten gekommen. Zwei Anwälte boten am Montag an, die Angeklagten, die bislang keinen Rechtsbeistand haben, im Prozess zu vertreten. Daraufhin wurden sie von anderen anwesenden Juristen ausgebuht und angepöbelt, weil die Verdächtigten ihrer Meinung nach wegen der außergewöhnlichen Brutalität des Verbrechens keine Verteidigung verdienten. Die vorsitzende Richterin forderte einen der beiden Anwälte auf, von den Angeklagten eine Einwilligung einzuholen, sich von ihm vertreten zu lassen, und ließ schließlich den voll besetzten Saal räumen. Die Anhörung wurde unter Ausschluss der Medien und der Öffentlichkeit fortgesetzt, während Polizisten vor den Eingangspforten postiert wurden. Die nächste Anhörung ist für den kommenden Donnerstag angesetzt.

Das mittlerweile verstorbene Opfer war Mitte Dezember in einem privaten Kleinbus in der Hauptstadt Neu-Delhi von mehreren Männern vergewaltigt, mit einer Eisenstange traktiert und aus dem fahrenden Fahrzeug geworfen worden. Polizeiangaben zufolge versuchte der Fahrer des Busses anschließend, die 23-Jährige zu überfahren. Sie konnte demnach jedoch von ihrem Freund, der den Angriff überlebte, zur Seite gezogen werden. Die Frau kämpfte zwei Wochen um ihr Leben bevor sie ihren Verletzungen in einer Klinik in Singapur erlag.

Staatsanwalt fordert Todesstrafe für Angeklagte

Der Fall löste in ganz Indien einen Sturm der Entrüstung aus. Tausende Menschen gingen in zahlreichen Städten auf die Straße. Ihr Zorn richtete sich auch gegen die Regierung und die Polizei, denen sie vorwerfen, zu wenig zum Schutz von Frauen zu unternehmen. In Indien wird im Schnitt alle 20 Minuten eine Vergewaltigung gemeldet.

Den fünf Angeklagten wird unter anderem Mord und Gruppenvergewaltigung vorgeworfen. Staatsanwalt Rajiv Mohan sagte, er fordere die Todesstrafe. Zu der Gruppe zählt auch ein Minderjähriger, der in einem separaten Verfahren vor ein Jugendgericht gestellt werden soll. Ihm drohen maximal drei Jahre Haft. Mohan zufolge haben zwei der Angeklagten angeboten, gegen die anderen auszusagen, in der Hoffnung mildere Strafen zu erhalten.

Als Problem könnte sich entpuppen, dass die Verdächtigen bislang keinen Anwalt haben. Experten verweisen darauf, dass sich daraus später eine Grundlage für eine Berufung ableiten lassen könnte. In ähnlichen Fällen habe es Jahre nach dem Urteil Freisprüche gegeben.

Vater gibt Identität preis

Normalerweise vergehen in Indien nach einem Verbrechen oft Monate oder sogar Jahre bis zu einem Prozess. Im Fall der jungen Inderin war wegen des Aufruhrs nach der Tat jedoch ein Schnellgericht eingesetzt worden. Rechtsexperten rechnen aber damit, dass die Richterin den Fall alsbald an ein höheres Gericht übergibt.

Der Vater der Inderin gab unterdessen die Identität seiner Tochter preis. "Wir möchten, dass die Welt ihren wahren Namen erfährt", sagte er der britischen Boulevardzeitung "Sunday People", die den Namen des Vaters und der Tochter druckte. "Ich bin stolz auf sie. Ihren Namen zu enthüllen, wird anderen Frauen Mut machen, die solche Angriffe überlebt haben." Das indische Gesetz verbietet es, die Identität der Opfer von Sexualverbrechen zu nennen.

kgi/Reuters/AFP Reuters

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