HOME

Organisiertes Verbrechen : Polizei holt bei internationaler Großrazzia gegen 'Ndrangheta aus

In Deutschland, Italien, den Niederlanden und Belgien haben die Behörden zu einem Schlag gegen das organisierte Verbrechen ausgeholt. Im Visier der Polizei: die Mafiaorganisation 'Ndrangheta.

Internationale Razzia gegen italienische Mafia

Bei einer internationalen Razzia sind mehrere Mitglieder der italienischen Mafiaorganisation 'Ndrangheta festgenommen worden (Symbolbild)

DPA

Ermittler in Deutschland, Italien, den Niederlanden und Belgien sind am Mittwoch mit einer großangelegten Razzia gegen Mitglieder der italienischen Mafiaorganisation 'Ndrangheta vorgegangen. Es habe mehrere Festnahmen und Durchsuchungen gegeben, teilte das Bundeskriminalamt in Wiesbaden mit. In Deutschland gab es Einsätze in Nordrhein-Westfalen und Bayern. Weitere Einzelheiten gaben die Behörden zunächst aber noch nicht bekannt.    

Die Durchsuchungen liefen noch, hieß es. Für den Nachmittag war eine Pressekonferenz beim BKA in Wiesbaden geplant, bei der über die Ermittlungen und aktuelle Erkenntnisse berichtet werden sollte. 

Koordiniert wurde die internationale Aktion von der europäischen Justizbehörde Eurojust. Sie richtete sich gegen mutmaßliche Mitglieder der Mafiaorganisation 'Ndrangheta aus Süditalien. Ziele waren demnach Durchsuchungen sowie Festnahmen. Eurojust wollte den Angaben zufolge bereits am Mittag im niederländischen Den Haag über die vorläufigen Ergebnisse berichten.

Mehrere Hundert Polizisten im Einsatz

Nach "Spiegel"-Informationen sollte sich die Aktion gegen die Mitglieder zweier 'Ndrangheta-Familien richten, die in Deutschland unter anderem Restaurants und Firmen betreiben und teils schon seit Jahrzehnten in der Bundesrepublik leben. Demnach geht es um Vorwürfe des Kokainhandels und der Geldwäsche. Mehrere hundert Polizisten seien im Einsatz, darunter auch Spezialkräfte der GSG 9. Nach "Spiegel"-Informationen sollten mehr als 65 Adressen durchsucht und knapp 20 Haftbefehle vollstreckt werden. Die "Bild"-Zeitung berichtete von mehr als hundert durchsuchten Objekten.

Schlag gegen Cosa Nostra 

Die italienische Polizei hat bereits am Dienstag in Sizilien dutzende mutmaßliche Mafiamitglieder der Organistaion Cosa Nostra festgenommen, darunter den künftigen Mafiaboss Settimino Mineo. Nach Angaben von Behördenvertretern und Medienberichten nahm sie bei der Razzia neben dem  80-Jährigen Mineo insgesamt mindestens 45 weitere Verdächtige fest. Die Ermittler werfen ihnen Erpressung, illegalen Waffenbesitz, Brandstiftung, Mitgliedschaft in einer mafiösen Vereinigung sowie weitere Verbrechen vor.    

Die Festnahme des 80-jährigen Mineos sei kurz vor seiner Inthronisierung als Chef bei einem Treffen der Cosa Nostra erfolgt. Er sollte den Platz des im vergangenen Jahr verstorbenen Toto Riina an der Spitze der kriminellen Organisation einnehmen. Die sizilianische Mafia Cosa Nostra operiert weltweit und steht in Verbindungen zu zahlreichen weiteren mafiösen Gruppierungen.

ivi / DPA / AFP