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Internet-Anleitung: 14-Jähriger stirbt bei "Würgespiel"

Es ist ein lebensgefährliches "Spiel": Jugendliche nehmen sich selbst die Luft, um einen Rauschzustand zu erreichen. Ein Gymnasiast aus dem Havelland ist dabei jetzt gestorben. Sein Computer lief noch, darauf die Anleitung für das "Würgespiel".

Ein Gymnasiast aus dem Landkreis Havelland ist bei einem sogenannten Würgespiel ums Leben gekommen. Der 14-Jährige habe sich mit einem Strick für kurze Zeit die Atemluft genommen und dabei offenbar das Bewusstsein verloren teilte die Polizei in Nauen am Dienstagabend mit und bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der "Märkischen Allgemeinen".

Der Junge sei bereits am vergangenen Freitag von seiner Mutter leblos aufgefunden worden. Der Computer sei noch eingeschaltet gewesen, eine Anleitung für das "Würgespiel" soll dort noch abrufbar gewesen sein, schreibt das Blatt weiter. Durch Würgen sollen sich in jüngster Zeit vor allem Jungen einen Rausch verschaffen wollen. Der 14-Jährige ist dem Blatt zufolge bereits beigesetzt worden.

Zahlreiche Todesfälle in den USA und Frankreich

Ziel der sogenannten Würge- oder Schalspiele ist es laut "Märkischer Allgemeinen", so lange die Luft anzuhalten oder die Halsschlagader abzudrücken, bis das Bewusstsein schwindet. Das Gehirn erhält zu wenig Sauerstoff, was Jugendliche angeblich in einen rauschhaften Zustand versetzt. In den USA und Frankreich soll es schon zahlreiche Todesfälle gegeben haben.

2009 seien allein in Frankreich 13 Kinder auf diese Weise ums Leben gekommen, hatte die Psychiaterin Marie-France Le Heuzey bei einer internationalen Tagung zu dem Thema am Donnerstag in Paris erklärt. Schon Sechsjährige seien davon fasziniert, sich durch den Mangel an Sauerstoff in einen rauschähnlichen Zustand zu versetzen, sagte sie der Zeitung "Le Figaro". Dabei käme es immer wieder zu Unfällen, die teils als Selbstmorde gedeutet würden.

Seit etwa zehn Jahren habe sich das Phänomen an Schulen ausgebreitet, neuerdings auch unter Grundschülern. Leichtsinnige Jungen, die sich beweisen wollten, seien besonders gefährdet. Le Heuzey empfiehlt Eltern, darauf zu achten, ob ihre Kinder regelmäßig mit Gürteln oder Schals spielen oder sich in ihrem Zimmer einschließen.

DPA/AP / AP / DPA
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