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Internet: Pädophiler erpresst Mädchen im Netz

Auf hinterlistige Weise hat ein Sexualstraftäter Mädchen zu sexuellen Handlungen vor Internetkameras aufgefordert. Mit persönlichen Informationen der Mädchen aus dem Internet hatte er sie erpresst. Eine Jugendschützerin warnte Kinder im Gespräch mit stern.de davor, Daten im Internet preiszugeben.

Nun ist das passiert, wovor Ralf S. so Angst hatte. Der 40-jährige Vater hatte vor einigen Wochen Bilder seiner Tochter im Schülernetzwerk "SchülerVZ entdeckt. Die 13-Jährige hatte im Internet auch persönliche Informationen von sich veröffentlicht. Damals sagte S. zu stern.de, er befürchte, dass sich Pädophile diese Daten zunutze machen könnten.

Nun hat die Polizei in München einen mehrfach vorbestraften Sexualtäter verhaftet, der bundesweit Mädchen zu sexuellen Handlungen vor Internetkameras erpresst hat. Wie die Polizei mitteilte, gab sich der Mann im Mai und Juni in Internetforen als 13-Jährige auf Freundinnensuche aus, um Mädchen in die Falle zu locken.

In so genannten Privatchats gelangte der 31-Jährige auf diese Weise an Namen, Telefonnummern und Bildern mehrerer Mädchen im Alter von zehn bis 15 Jahren. Wenig später versuchte er, die Mädchen zu erpressen, sich vor Webkameras auszuziehen. Dabei drohte er unter anderem den Kindern, einen Zuhälter in die Wohnung zu schicken oder ihren Freundinnen etwas anzutun. In einigen Fällen stellte er als Druckmittel Daten und Bilder der Mädchen in Sexkontaktforen ein. "Auf diese Weise gelang es dem Beschuldigten, einige Mädchen zum Ausziehen vor der Kamera zu bewegen", erklärte ein Polizeisprecher. Eine 15-Jährige aus Rosenheim, die der Mann zu einem Treffen am Münchner Hauptbahnhof erpressen wollte, sei glücklicherweise nicht auf den 31-Jährigen hereingefallen.

"Ware Kind hat Abnehmer gefunden"

Der Fall sei das perfekte Beispiel für die Gefahren, die unvorsichtigen Kindern im Internet drohten, meint Beate Krafft-Schöning, Expertin für Jugendschutz im Netz. "Genau das ist der Grund, warum ich davor warne, persönliche Daten von Kindern ins Internet zu stellen. Das müssen Eltern endlich begreifen", sagte Krafft-Schöning zu stern.de. "Auch vielen Jugendschützern ist das nicht ausreichend klar. Das Problem wird weiter ignoriert, das Geschäft geht vor. Und wie man an diesem Beispiel sieht: Die Ware Kind hat einen Abnehmer gefunden." Die Jugendschützerin empfiehlt, Kindern den Zugang zu solchen Foren zu untersagen. Zudem sollten auch Jugendliche generell nie persönliche Daten von sich im Internet preisgeben. "Viele denken immer noch, das Internet ist ein Spielplatz. Aber diese Leichtfertigkeit wird leider noch viele Opfer fordern."

Der 31-Jährige Mann aus München hatte bereits eine mehrjährige Haftstrafe wegen Vergewaltigung einer 14-Jährigen verbüßt, die er ebenfalls mit Hilfe des Internets in einen Hinterhalt gelockt hatte. Der Mann, der bereits vor der Vergewaltigung der 14-Jährigen wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern angeklagt war, leistete den Angaben zufolge bei seiner Festnahme erheblichen Widerstand. Auf seinem Computer fanden die Beamten kinderpornografisches Material.

Auf die Spur kam die Polizei dem Mann mit Strafanzeigen von fünf Mädchen aus Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern. Es sei jedoch zu befürchten, dass der 31-Jährige weitere Kinder und Jugendliche in der gleichen Weise angegangen sei, erklärte ein Sprecher. "Diese werden dringend gebeten, sich mit der Polizei in Verbindung zu setzen", fügte er hinzu. Die Polizei verwies auf ihre Aktion "Kinder sicher im Netz.

Malte Arnsperger mit AP / print
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