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Inzest-Fall Amstetten: Das Dolce Vita des Inzest-Vaters

Josef Fritzl fuhr in den Urlaub nach Thailand und vergnügte sich im Schwimmbad. Der Inzest-Vater von Amstetten führte ein perfektes Doppelleben. Nun aber tauchen weitere dunkle Details aus früheren Tagen auf.

Von Malte Arnsperger und Katharina Schönwitz, Amstetten

Josef Fritzl ist der "Inzest-Vater" von Amstetten. 24 Jahre sperrte er seine Tochter in ein Verlies, zeugte mit ihr sieben Kinder. Er gestand diese furchtbaren Taten. Nun kommen immer mehr Details über sein Doppelleben ans Licht.

Offenbar genoss Josef Fritzl das Leben in vollen Zügen. Urlaube in Thailand und im Salzkammergut zählten dazu. Seine Tochter und ihre Kinder bangten während dieser Zeit um ihr Leben.

Fritzl legte Wert auf sein Äußeres. Das erzählte Gerda S., eine ehemalige Arbeitskollegin, der Tageszeitung "Österreich". Josef Fritzl sei immer wie aus dem Ei gepellt gewesen - die Schuhe hätten immer geglänzt, die Krawatten nie schief gesessen. Dass er auf sich achtete, zeigen seine Schwimmbadbesuche. Dort traf er regelmäßig auf Johannes H. "Josef Fritzl ist seit Januar immer um 15 Uhr im Schwimmbad aufgetaucht und hat seine Bahnen geschwommen. Am Beckenrand bin ich dann immer wieder mit ihm ins Gespräch gekommen", erzählt Johannes H. stern.de. "Wir haben meistens über das Schachspielen gefachsimpelt. Er hat mich nach meinem Schachcomputer gefragt und wollte, dass ich ihm diesen einmal zeige."

Schlechtes Gedächtnis

Fritzl habe einen sehr ruhigen, gelassenen Eindruck gemacht und sei nicht fahrig oder nervös gewesen. Allerdings habe Fritzl kein gutes Gedächtnis gehabt und immer wieder die gleichen Fragen gestellt. "Über seine Familie hat er nichts berichtet, nur, dass er geschieden sei", erinnert sich Johannes H. Auch über einen Thailand-Urlaub, von dem er vor kurzem zurückgekehrt sei, habe Josef Fritzl erzählt. Die beiden Männer haben sich rund drei Wochen vor der Verhaftung Fritzls zuletzt gesehen, da Johannes H. in der Zwischenzeit verreist war.

Dass Josef Fritzl in den vergangen 24 Jahren nicht nur einmal im Urlaub war, beweisen Schnappschüsse, die Medienberichten zufolge aus Thailand stammen. Dort lächelt der heute 73-Jährige zufrieden in die Kamera. Seine Haare sind vom Wind etwas verwuschelt. Die Hände hat er in die Hüften gestemmt, ein Hemd ist unter der thailändischen Sonne nicht nötig. Über seinem grauen Brusthaar glitzert ein Goldkettchen. Andere Fotos zeigen ihn ebenfalls im Urlaub, allerdings noch mit dunkleren Haaren. Auf einem davon liegt er nackt im Bett, nur ein Leintuch verdeckt Details.

Abhängig vom Peiniger

Während der Horror-Vater das Leben in vollen Zügen genoss, mussten seine Tochter Elisabeth und ihre drei Kinder im Verlies besonders um ihr Leben bangen. Denn Elisabeth hatte zwar in dieser Zeit Ruhe vor ihrem Peiniger, doch Josef Fritzl war für alle vier lebenswichtig: Nur er hatte über eine codierte Fernbedienung Zugang zu ihrem sechzig Quadratmeter großen Gefängnis.

Und nur er konnte die eingesperrte Tochter und die Kinder mit Nahrungsmitteln, Getränken und Medikamenten versorgen. Seine Badeurlaube müssen für Elisabeth (42), Kerstin (19), Stefan (18) und Felix (5) ungewisse und somit qualvolle Wochen gewesen sein. Was wäre passiert, hätte Josef Fritzl einen Unfall gehabt und für längere Zeit ins Krankenhaus gemusst? Oder wenn eine Leitung im Haus geplatzt wäre, und das Wasser für längere Zeit hätte abgestellt werden müssen? Wäre Josef Fritzl etwas zugestoßen, hätte es für die vier im Keller einen langsamen und qualvollen Tod bedeutet.

Regelmäßige Urlaube im Salzkammergut

Doch solche Gedanken scheint sich der 73-Jährige nicht gemacht zu haben. Denn nicht nur während seiner Fernreisen verließ er für längere Zeit sein Haus in Amstetten. Seit 1974 gehörten dem Ehepaar Fritzl laut einem Bericht der "Salzburger Nachrichten" der Gasthof Seestern und Teile eines Campingplatzes in Unterach. Der kleine Ort liegt am idyllischen Attersee, einem beliebten Ferienziel im Salzkammergut in Oberösterreich. Besonders in den Sommermonaten fuhr das Ehepaar angeblich regelmäßig hier her. 1982 brannte der Gasthof allerdings nieder. Angeblich wurde damals Josef Fritzl wegen Versicherungsbetruges verhaftet.

Ebenfalls nur ein Gerücht ist bislang, dass er schon einmal wegen Vergewaltigung im Gefängnis saß. Österreichische Medien berichten, Josef Fritzl sei in den 70er Jahren wegen eines Sexualdeliktes verurteilt worden. Er sei in die Wohnung einer Frau eingedrungen und habe diese missbraucht. Die englische "Times" zitiert die Sprecherin einer Firma, bei der Fritzl "während der siebziger Jahre" als Elektroingenieur angestellt gewesen sein soll: "Er hat einen ausgezeichneten Job gemacht, aber irgendwas hatte er an sich, das einem Unbehagen verursachte", sagte die nicht namentlich genannte Frau. "Alle wussten, dass er im Gefängnis gewesen war wegen einer Sexualstraftat." Das Blatt gibt außerdem an, dass sich im 23.000-Einwohner-Ort Amstetten "mehrere Nachbarn" fänden, die bestätigten, dass F. eine Vergangenheit als "Sexualstraftäter" hatte.

Staatsanwaltschaft prüft Strafregister

"Dazu haben wir keine Erkenntnisse in der Strafregisterauskunft" sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Gerhard Sedlacek stern.de. "Allerdings werden abgebüßte Strafen nach einer gewissen Zeit aus diesem Register getilgt."

Bei einer Verurteilung zu einer dreijährigen Gefängnisstrafe betrage die Tilgungsfrist fünfzehn Jahre. "Aber wir werden diese Anschuldigungen auf jeden Fall prüfen", sagte Sedlacek. Auch der Anwalt von Fritzl, Rudolf Mayer, sagte stern.de, er wisse weder von den Vergewaltigungs- noch von den Brandstiftungsvorwürfen. "Meines Wissens nach ist er unbescholten." Auch Mayer wies darauf hin, dass nach der Tilgung aus dem Vorstrafenregister einem ehemaligen Straftäter wegen früherer Taten nichts mehr vorgeworfen werden darf.

Sein Mandant Josef Fritzl sitzt nun in St. Pölten im Gefängnis. Der Haftrichter ordnete Untersuchungshaft an. Ihm drohen bis zu 25 Jahre Haft wegen Vergewaltigung und Freiheitsberaubung. Die Staatsanwaltschaft überprüft auch den Vorwurf des Mordes wegen unterlassener Hilfeleistung bei dem verstorbenen Säugling. "Er wirkt sehr betroffen und emotional gebrochen", beschreibt Fritzl-Anwalt Mayer den Zustand seines Mandanten.

Von:

Katharina Schönwitz und Malte Arnsperger