Inzest-Fall Amstetten Fritzl-Tochter erwacht aus Koma


Kerstin F., die Tochter des Inzest-Vaters von Amstetten, ist aus dem künstlichen Tiefschlaf erwacht. Ihre Einlieferung hatte Ende April zum Bekanntwerden des Falles geführt. Im Gespräch mit stern.de äußerte sich die Staatsanwaltschaft zum Ermittlungsstand und zu den möglichen Anklagepunkten gegen Josef Fritzl.

Die 19-Jährige Tochter des Inzest-Vaters von Amstetten ist aus ihrem wochenlangen Koma erwacht. Dies sagte der Sprecher des Klinikums in Amstetten stern.de. "Ich kann bestätigen dass sie aufgewacht ist", so Klaus Schwertner. In einer Pressemitteilung der Klinik hieß es, Kerstin F. habe schon die Intensivstation verlassen. Sie benötige nach wie vor intensive medizinische Betreuung. Der österreichische Fernstehsender ORF hatte berichtet, dass Kerstin F. bereits ins Landesklinikum Mauer überstellt worden sei, wo ihre Familie betreut wird. Dazu wollte sich Schwertner auf stern.de-Anfrage nicht äußern. Er verwies auf eine Pressekonferenz am morgigen Mittwoch, bei der die behandelnden Ärzte sowie der Anwalt der Opfer zum Fall Stellung nehmen wollen. Kerstin F. lag seit Ende April im künstlichen Tiefschlaf. Unklar ist noch, an was genau sie erkrankt ist.

Kerstins Einlieferung ins Krankenhaus hatte zum Bekanntwerden des Inzest-Falles geführt. Sie ist eines der drei Kinder von Josef Fritzl und seiner Tochter Elisabeth, die in dem Kellerverlies eingesperrt waren. Nachdem sich der Gesundheitszustand von Kerstin Ende April stark verschlechtert hatte, wurde sie von Josef und Elisabeth F. ins Krankenhaus gebracht. Kurz nach Kerstins Einlieferung erzählte Elisabeth der Polizei dann erstmals über ihr Martyrium. Ihr Vater wurde daraufhin festgenommen. Der 73-Jährige soll Elisabeth 24 Jahre lang in einem Verlies eingesperrt und sexuell missbraucht haben. Während der Gefangenschaft zeugte er mit der heute 42-Jährigen sieben Kinder, eines starb nach der Geburt.

Prozess vielleicht noch in diesem Jahr

Der weitgehend geständige Josef Fritzl sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Ein Prozess gegen ihn könnte noch in diesem Jahr stattfinden, sagte Gerhard Sedlacek, Sprecher der Staatsanwaltschaft, zu stern.de. Er rechne mit einer Anklageerhebung im Herbst, im Winter könnte Fritzl dann vor Gericht stehen. Unklar ist noch, ob sich Fritzl wegen Mordes durch Unterlassen verantworten muss. Eines seiner Kinder war im Verlies gestorben, Fritzl hat die Leiche verbrannt.

"Es wird sehr schwer zu beweisen sein, dass er mit dem Tod des Babys gerechnet hat und er davon Kenntnis hatte, dass es ohne ärztliche Hilfe sterben wird", sagte Sedlacek. Deshalb sei eine Anklage wegen Mordes "sehr offen". Sicher scheint jedoch eine Anklage wegen Vergewaltigung, Freiheitsentzug und Blutschande. Fritzl droht wegen dieser Straftaten eine 15-jährige Haftstrafe. Die Opfer haben sich der Staatsanwaltschaft gegenüber bislang noch nicht zu dem Fall geäußert. Sedlacek sagte jedoch, dass Elisabeth F. wohl Mitte Juli vernommen werden könnte. Gleichzeitig sei auch mit den Ergebnissen des psychiatrischen Gutachtens über Josef Fritzl zu rechnen

Gerüchte, Fritzl habe im Gefängnis Liebesbriefe bekommen, erteilte Sedlacek eine Absage. "Das dürften reine Erfindungen sein." Das britische Boulevardblatt "Sun" hatte berichtet, Fritzl habe in der Justizvollzugsanstalt St. Pölten 200 Briefe von Frauen erhalten. Sie hätten ihm geschrieben, dass er ein "missverstandener Mensch" sei und "ein gutes Herz" habe. Dem Magazin "Österreich" jedoch hatte der Gefängnisleiter Günther Mörwald gesagt, bisher habe Fritzl nicht mehr als 20 Zuschriften erhalten, und es habe sich überwiegend um Drohungen gehandelt.

Malte Arnsperger

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