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Inzest-Fall von Fluterschen: Ehefrau verweigert die Aussage

Schon 1998 hatte das Jugendamt der Familie um den des sexuellen Missbrauchs angeklagten Detlef S. Hausbesuche abgestattet. Allerdings kann sich die Mitarbeiterin an nichts mehr erinnern. Die Ehefrau des Familienvaters verweigerte vor dem Koblenzer Landgericht die Aussage.

Im Fall um den jahrelangen Missbrauch im Westerwald ermittelt die Staatsanwaltschaft nach Anzeigen von Privatleuten nun auch formal gegen Mitarbeiter des Jugendamtes. Geprüft wird, ob in dem Amt Fehler gemacht wurden. "Es handelt sich um ein förmliches Verfahren", betonte der Staatsanwalt am Mittwoch in Koblenz. Es ändere nichts am Ergebnis einer ersten Untersuchung. Diese hatte ergeben, dass weder der Mutter der Opfer noch dem Jugendamt strafrechtlich relevante Vorwürfe gemacht werden könnten. Wegen der Anzeigen sei die Staatsanwaltschaft aber verpflichtet, zu ermitteln.

Der 48-jährige Familienvater Detlef S. muss sich vor dem Koblenzer Landgericht wegen sexuellen Missbrauchs seiner Tochter sowie zweier Stiefkinder in 350 Fällen verantworten. Den Missbrauch der Tochter hat er zugegeben, ebenso die Vaterschaft für sieben Kinder seiner Stieftochter. Die 52 Jahre alte Ehefrau verweigerte am Mittwoch in dem Prozess eine Zeugenaussage.

Die Befragung von drei Jugendamtsmitarbeitern zeigte, dass es unter anderem schon 1998 Hausbesuche bei der Familie gab. Die damals zuständige Mitarbeiterin konnte sich nach eigenen Worten nicht mehr an den Fall erinnern. Auch als der Richter ihr mehrere ihrer eigenen Aktennotizen vorlas, sagte sie immer wieder: "Ich kann mich nicht erinnern." Laut Akte waren etwa bei einem Hausbesuch alle Rollläden herunter gelassen, hinter der einen Spalt geöffneten Haustür habe sie eine Menge Kinder erkennen können. Ins Haus gelassen wurde die Sozialarbeiterin nicht.

2008 habe die Stieftochter von sich aus Hilfe beim Jugendamt beantragt, berichtete eine andere Behördenmitarbeiterin. Der Angeklagte war nach ihrer Einschätzung eher dagegen. "Er wollte keine fremden Leute im Haus haben." Die Jugendamtsmitarbeiterin berichtete davon, dass die Stieftochter mit ihren Kindern in sehr engen Verhältnissen im Haus des Angeklagten und seiner Frau gewohnt habe. "Ich schätze, das waren nur 45 Quadratmeter", sagte die Zeugin.

mlr/DPA / DPA