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Inzest-Prozess: Haft für Inzest-Vater ausgesetzt

Patrick S. muss doch nicht in Haft. Zwar bleibt Inzest nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes strafbar, doch die Staatsanwaltschaft setzt die Strafe gegen den vierfachen Vater aus. Vorerst darf er bei seiner Familie bleiben.

Der wegen Inzests mit seiner Schwester verurteilte Patrick S. muss nun doch nicht am ins Gefängnis. Das Landesjustizministerium bestätigte am einen entsprechenden Bericht der "Dresdner Neuesten Nachrichten". Ursprünglich sollte der vierfache Vater Anfang der kommenden Woche seine Haftstrafe antreten.

Die Staatsanwaltschaft Leipzig hat nun die Vollstreckung der Reststrafe von 17 Monaten aufgeschoben und will die Entscheidung über das Gnadengesuch des 31-Jährigen abwarten. Darüber muss Justizminister Geert Mackenroth entscheiden. Das Gnadengesuch war in der vergangenen Woche bei der sächsischen Regierung eingetroffen, wie der Sprecher des Justizministeriums, Martin Marx, bestätigte. Zunächst soll die Leipziger Staatsanwaltschaft Stellung zu dem Gesuch nehmen. Die Entscheidung des Ministers werde "zeitnah" binnen Wochen erfolgen, sagte Marx.

Patrick S. hat mit seiner inzwischen 23-jährigen Schwester Susan K., die eine Persönlichkeitsstörung hat und geistig leicht behindert ist, vier Kinder gezeugt, von denen zwei behindert sind. Nach der Geburt des vierten gemeinsamen Kindes wurde Patrick S. im November 2005 zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt.

Vater zieht vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte

Am 13. März hatte das Bundesverfassungsgericht die Klage von Patrick S. gegen seine Verurteilung zurückgewiesen. Inzest bleibt demnach strafbar. Wenige Tage nach dem Urteil hatte die Leipziger Staatsanwaltschaft dem 31-Jährigen die Ladung zum Haftantritt am 31. März geschickt. Verteidiger Endrik Wilhelm hatte unmittelbar nach dem Karlsruher Urteil angekündigt, er werde ein Gnadengesuch an Ministerpräsident Georg Milbradt richten und das Karlsruher Urteil vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg anfechten.